In weiten Teilen der Welt sind die Arbeitsverhältnisse weit mehr als prekär, nämlich schlicht skandalös und unmenschlich: Mindestens zwölf Millionen Menschen werden weltweit unter sklavenähnlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen und etwa 200 Millionen Kinder unter 14 Jahren gehen täglich zur Arbeit statt zur Schule. Über zwei Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen ihrer Arbeit. Wer sich dagegen wehrt, riskiert viel. Hunderttausende verlieren ihre Jobs und ihre Existenz, weil sie versuchen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, Tausende werden deshalb eingesperrt oder gefoltert, über hundert jedes Jahr ermordet. Weltweit sind 85 Millionen Jugendliche arbeitslos oder können nicht von ihrem Lohn leben. Fast alle dieser jungen Menschen arbeiten im informellen Sektor, wo man in durchschnittlich die Hälfte dessen verdient, was auf dem regulären Arbeitsmarkt gezahlt wird.
Von den 2,8 Milliarden Erwerbstätigen weltweit lebt jeder zweite von weniger als zwei US-Dollar (umgerechnet etwa 1,54 Euro) pro Tag. 500 Millionen müssen sogar mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Arbeitslosigkeit, Zwangsarbeit und prekäre Arbeit prägen den Alltag längst nicht mehr nur in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch in außereuropäischen Industriestaaten nehmen diese Phänomene zu. Trotzdem spielt Beschäftigungspolitik keine große Rolle in der internationalen politischen Agenda.
Gute Arbeit ist ein Menschenrecht
Um weltweit politischen Druck auszuüben, hat der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) gemeinsam mit einer Allianz verschiedener Nichtregierungsorganisationen im Januar 2007 eine Kampagne zu "
decent work", (auf deutsch "gute Arbeit") gestartet. Gute Arbeit beruht auf Arbeitnehmerrechten, Gleichheit von Frauen und Männern und sozialer Sicherheit. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, die Politik und Bevölkerung für das Thema sensibilisieren sollen, so dass "gute Arbeit" zum Kernpunkt von Entwicklungs-, Wirtschafts-, Sozial- und Menschenrechtspolitik wird.