Top

Das Problem

Wenig Geld, kaum Perspektiven, keine Absicherung

Prekäre Arbeitsverhältnisse kommen in den unterschiedlichsten Branchen und Berufen vor, aber sie haben einige eindeutige Merkmale. Die Jobs sind meistens zeitlich befristet, sehr niedrig bezahlt und es gelten sehr flexible Kündigungsregeln - man kann also schnell (wieder) arbeitslos werden. Der hohe Druck auf dem Arbeitsmarkt zwingt viele, fast jede Arbeit zu fast jedem Preis anzunehmen.

Junge Menschen trifft prekäre Beschäftigung besonders häufig. Laut statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2004 23% der jungen ArbeitnehmerInnen einen befristeten Arbeitsvertrag. Das sind fast dreimal so viel wie im Durchschnitt der Arbeitnehmerschaft, obwohl Auszubildende hier gar nicht mitgezählt werden. Die Berufseinsteiger bekommen bei gleicher Tätigkeit häufig auch weniger Gehalt als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen. In manchen Bereichen des Dienstleistungssektors sind flexiblere Arbeitsbedingungen schon lange der Normalfall (etwa in der IT-Branche). Junge Menschen sind die - meist unfreiwilligen - Vorreiter bei der Flexibilisierung der Arbeitswelt.

Familienfeindliche Arbeitszeiten

Wenn die berufliche Zukunft unkalkulierbar ist, können junge Menschen nur schwer private Pläne schmieden. Befristete Arbeitsverträge, schwankende Einkommen und wechselnde Arbeitsorte und -zeiten mögen manchem Single ja gefallen, in festen Beziehungen können sie aber ärgerlich und bei jungen Familien zu einem großen Problem werden.

Dass Menschen unter dem Druck stehen, Jobs anzunehmen, von denen sie kaum leben können, ist kein Naturgesetz, sondern politisch gewollt. Die Politik argumentiert, dass in Zeiten grenzenloser Märkte Schutzmechanismen für ArbeitnehmerInnen Beschäftigung nur verhindere. Das "Normalarbeitsverhältnis" mit seinen geregelten Arbeitszeiten, tariflichen Gehältern und anderen Errungenschaften (z.B. Kündigungsschutz) erscheint in dieser Logik als nicht mehr zeitgemäßer Faktor im globalen Wettbewerb. Aber ist das Argument der hohen Lohnnebenkosten wirklich stichhaltig? Tatsache ist, dass Deutschland schon seit Jahren "Exportweltmeister" ist, während gleichzeitig die Binnennachfrage nicht richtig in Gang kommen will.

Die Flexibilisierungs-Ideologie

Die Reformen der vergangenen Jahre entstanden aus dem Dogma der Flexibilisierung und auf Druck der Unternehmen. Seit den 90er Jahren geht es in immer mehr Unternehmen nur um die kurzfristigen Interessen der Aktienbesitzer (Shareholder Value). Da liegt es nahe, den Kostenpunkt Arbeit möglichst zu minimieren und die Marktrisiken auf die Beschäftigten abzuladen. Konkret heißt das weniger Lohn, längere Arbeitszeiten, leichtere Kündigungen. Betriebsräte werden mit Hinweis auf konkurrierende Standorte dazu gedrängt, Lohn- und Sicherheitseinbußen hinzunehmen, um die Beschäftigung der schrumpfenden Stammbelegschaften wenigstens eine Zeit lang zu sichern. Die Politik tut unterdessen was sie kann, um die Standards in der Arbeitswelt zu senken und die Voraussetzungen für prekäre Beschäftigungen zu schaffen: die neuen Zumutungsregeln für Arbeitslose in den Hartz-Gesetzen, die Möglichkeit, Leiharbeiter immer wieder aufs Neue befristet zu beschäftigen sowie die Einführung der von der Sozialversicherung befreiten Minijobs.

Wenn das Normalarbeitsverhältnis zur Seltenheit wird, stehen auch die Sozialsysteme auf dem Prüfstand. Die Debatte um die Abkopplung des Krankenversicherungsbeitrags vom Einkommen zeigt, was uns droht: die Individualisierung der Folgen von Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter. Doch wie soll man vorsorgen, wenn man jahrelang in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeitet?

Top

Dokumentation

Konferenz Junge Prekäre

Am 1. April 2009 hat die DGB-Jugend gemeinsam mit der Hans-Böckler-Stiftung die Konferenz "Interessen und Interessenvertretung von jungen Prekären" in Berlin veranstaltet.
Am Anfang der Konferenz stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gewerkschaften junge prekär Beschäftigte besser organisieren kann. Am Ende gab es erste Strategien und Handlungsmöglichkeiten, mehr Infos in der Konferenzdokumentation.



Top

Studie

Junge besonders prekär

Junge Beschäftigte wünschen sich Sicherheit und Planbarkeit, statt unterbezahlter Kurzzeitjobs. Von diesen sind sie jedoch besonders betroffen. Das ist das Ergebnis einer Ende November 2007 veröffentlichten Studie der DGB-Jugend.