(dgb-jugend, 27. Juli 2009) Na, also - geht doch mit der Generationengerechtigkeit in Deutschland. Jedenfalls, wenn es auf der nach unten offenen Skala der Krisenauswirkungen geht: Da sind junge Menschen und Beschäftigte über 55 Jahre die Hauptleidtragenden auf dem Arbeitsmarkt. Diese Bilanz zieht der DGB in einer Studie, in der Daten der Bundesagentur für Arbeit für die ersten fünf Monate dieses Jahres ausgewertet wurden.
Die Arbeitslosigkeit stieg in beiden Altersklassen, also bei den Jungen und den Älteren, rund dreimal so stark wie die allgemeine Erwerbslosigkeit: Während letztere im Mai im Jahresvergleich um 5,3 Prozent zulegte, lag der Anstieg bei den Jüngeren bei 16,1 Prozent und bei den Älteren bei 17,3 Prozent.
In der Krise trennten sich die Unternehmen zuerst von denjenigen MitarbeiterInnen, deren Beschäftigungsschutz „relativ gering“ sei, heißt es in der DGB-Studie. Und es seien oft die Jüngeren, die einen Leiharbeiter-Job oder einen befristeten Vertrag haben oder hatten - oder sie finden gleich gar keinen Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Junge Menschen brauchen eine Perspektive und dürfen nicht die großen Verlierer der Wirtschaftskrise sein“, sagt DGB-Jugend-Ausbildungsexperte Dirk Neumann. „Sonst wird das Klagen der Wirtschaft über fehlende Fachkräfte schon in Kürze deutlich zunehmen.“
Vor allem auf gering Qualifizierte wirkt sich die Krise derzeit aus. So hatten im Mai 2009 fast 27 Prozent aller Arbeitslosen unter 25 Jahren keinen Schulabschluss, fast 55 Prozent aller Hartz-IV-EmpfängerInnen waren ohne Berufsabschluss. „Ungelernte haben ein fünfmal höheres Risiko, arbeitslos zu werden, als Arbeitnehmer mit Berufsausbildung“, sagt Neumann: „Wir fordern die Unternehmen dazu auf alles zu tun, um endlich die Ausbildungslücke zu schließen.“
Zwischen geringem Bildungsniveau und Arbeitsmarktrisiko bestehe ein enger Zusammenhang. Die Länder müssten nun konkrete Pläne für die Halbierung der Schulabbrecherzahlen vorlegen und dürften sich nicht mit vagen Absichtserklärungen aus der Affäre ziehen.
Die Analyse der Situation dieser Personengruppen am Arbeitsmarkt und Forderungen des DGB sind nachzulesen im neuen „Arbeitsmarkt aktuell: Krise trifft Junge und Ältere besonders stark“.