(dgb-jugend, 5. Oktober 2009) Wie sich die DGB-Jugend nach der Bundestagswahl positioniert, sagt DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf.
Wundert dich der Ausgang der Bundestagswahl?
Nein. Denn was wurde wahrgenommen? FDP-Slogans à la „Mehr Netto vom Brutto“. „Sozial ist, was Arbeit schafft“ oder „Bildung für alle“. Die SPD hingegen war belastet, weil sie mit Hartz IV oder einer Verschiebung des Renteneintrittsalters bis 67 Jahre identifiziert wird und es sich scheinbar in einer großen Koalition gut eingerichtet hatte.
Was bedeutet das Wahlergebnis für die Gewerkschaftsjugend?
Für uns bedeutet es inhaltlich erstmal überhaupt keine Veränderung: Wir haben im Wahlkampf ganz bewusst nicht für bestimmte Parteien geworben. Stattdessen haben wir deutlich gemacht, was unsere Schwerpunktthemen in Sachen Jugend sind: Ausbildung, Arbeit, der immer prekärer werdende Berufseinstieg, gesetzliche Regelungen für Praktika. Das war und ist für uns die inhaltliche Marschroute. Klar ist aber schon jetzt - mit schwarz-/gelb wird es für die junge Generation nicht einfacher.
Wird die Gewerkschaftsjugend ihre Themen nicht nun lauter auf die Straße bringen?
Das hängt auch davon ab, wie die neue Regierung mit Arbeitnehmerrechten umgehen wird. Wir werden uns mit Sicherheit darauf einstellen müssen, dass die FDP mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz oder der gesetzlichen Regelung von Praktika anders umgeht als wir. Wir werden deutlich machen, dass wir nicht für eine neoliberale Politik zu Verfügung stehen.
Gleichzeit werden wir die Jugend für die Themen Ausbildung und Arbeit sensibilisieren und organisieren. Anhand der Frage: „Wie wollen wir leben?“ werden wir mit den Jugendlichen, mit Partnern - Organisationen und Bündnissen - gemeinsam eine Debatte über die zukünftige Gesellschaft beginnen. Hier wird sich auch zeigen, wie mobilisierungsfähig wir sind. Ich sehe das aber positiv.
Kurz vor der Wahl hat die DGB-Jugend mit einer Umfrage das Protestverhalten junger Leute analysiert...
Die Mehrheit konnte sich vorstellen, für ihre Interessen auf die Straße zu gehen.
Wie werden sich die Gespräche mit der neuen Regierung gestalten?
Wir sehen uns als Interessenvertretung der jungen Generation. Und uns fragen, welchen Einfluss wir wo konkret nehmen können. Da nützt es uns nichts, wenn wir uns nur mit der Opposition an einen Tisch setzen. Wir müssen unsere Standpunkte klar machen - bei den Leuten, die für die uns wichtigen Politikfelder verantwortlich sind. Das sind Bildung, Jugend und Arbeit.
Gab es in den vergangenen vier Jahren besonders gute Erfahrungen mit jungen Abgeordneten?
Nein, nicht unbedingt. Ich habe festgestellt, dass unsere Inhalte unabhängig vom Alter unserer Gesprächspartner zu sehen sind. Die politische Positionierung und das Interesse am Thema oder der Problemlage sind eindeutig wichtiger.
Interview: Jürgen Kiontke