(dgb-jugend, 15. Oktober 2010) Die DGB-Jugend Thüringen ist extrem und
sammelt rechte Presse fürs Altpapier. Das ist nötig und erfolgreich,
sagt Sandro Witt.
Die DGB-Jugend Thüringen hat die Aktion "Brauner Dreck ins Altpapier" gestartet. Was hat es damit auf sich?
Die NPD in Thüringen, deren Landtagseinzug wir mit der gemeinsamen Initiative "Deine Stimme gegen
Nazis" im Jahr 2009 verhindert haben, hat ein neues Zeitungsprojekt
angekündigt. Diese Blättchen, die vor allem kommunalpolitische Themen
aufgreifen, sollen in den Kreisen verteilt werden, in denen die NPD
schon starke Wahlergebnisse eingefahren hat. Nach Angaben der NPD in
Thüringen soll durch dieses Projekt die Lücke ausgenutzt werden, welche
die "etablierten Parteien und Medien" hinterlassen haben. Wir wollen dem
mit unserem Aufruf etwas entgegensetzen und vor allem die Menschen
sensibilisieren.
Wozu fordert ihr die Leute auf?Die
NPD-Zeitungen, die wir namentlich benennen, aus dem Briefkasten zu
holen und uns direkt zu geben oder selbst zu den Altpapiersammelstellen
zu bringen. Pro gesammeltes Kilo Altpapier gibt es vier Cent von der
Stadt.
Was erhofft ihr euch davon?Drei Dinge:
Durch das Weiterleiten des Aufrufes gibt es eine Debatte und vor allem
Aufklärung über die Vorhaben der extrem rechten NPD. Die zweite Hoffnung
hat sich bereits erfüllt: Wir wollen der NPD – wie in den Jahren zuvor –
ein Dorn im Auge sein. Dass uns das auch mit diesem Aufruf wieder
gelungen ist, zeigt, dass sich auf einer Website der Naziszene intensiv
mit unserem Aufruf auseinandergesetzt wird.
Wie ist die Resonanz?Ich
habe gerade erfahren, dass die Mutter eines unserer Jugendlichen den
Aufruf genommen hat und nun von seiner Schule aus Zeitungen für uns
gesammelt werden. Das führt zu Debatten und Diskussionen, die so vorher
nicht stattfanden. Viele Jugendverbände und Parteien unterstützen den
Aufruf. Damit haben wir ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Da wir
den Aufruf in eine laufende Kampagne der DGB-Jugend mit einbinden,
werden wir erst im Dezember wissen, wie erfolgreich wir waren…
Und
diese Kampagne heißt: "Wir sind extrem…". Nun ist die
Gewerkschaftsjugend nicht unbedingt für ihren Extremismus bekannt –
worauf zielt das Motto ab?Nach Auffassung eines Teils
unserer Landesregierung ist die politische Auseinandersetzung mit der
extremen Rechten etwas "Linksextremes". Damit wird notwendiger
antifaschistischer Protest, an dem auch der DGB und seine Jugend
beteiligt sind, diffamiert und kriminalisiert. Eine Studie der
Friedrich-Ebert-Stiftung hat nachgewiesen, dass Fremdenfeindlichkeit,
Rassismus und Antisemitismus durchaus in der Mitte der Gesellschaft zu
finden sind. Die Antwort der Gewerkschaftsjugend darauf ist eindeutig:
Angesichts von neu aufgelegten Programmen gegen einen herbei geredeten
Phantomschmerz Linksextremismus haben wir uns entschieden, dem etwas
entgegenzusetzen. Wir wollen den Begriff "Extremismus" ad absurdum
führen, da wir ihn als ideologisches Monstrum ablehnen. Mit T-Shirts,
Postkarten und eigenen Veranstaltungen werden wir klarmachen, worum es
uns geht. Die nächste Veranstaltung heißt "Wir sind extrem… gefährdet"
und wird sich mit den Angriffen auf das Jugendarbeitsschutzgesetz
befassen. Denn die Gewerkschaftsjugend – und das gilt bundesweit – ist
nämlich extrem demokratisch! Und vor allem: extrem gutaussehend.
Infos:
www.dgbjugend-th.deSandro Witt war bis 30. September 2010 Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend Thüringen und ist nun DGB-Organisationssekretär.
(aus der Soli aktuell 10/10, Autor: Jürgen Kiontke)
Hier geht's zur
Soli 10/10