Übersicht der Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit im September 2009
Pakt präsentiert geschönte Bilanz, Ausbildungslücke größer
(dgb-jugend, 13. Oktober 2009) Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hat die aktuelle Bilanz des Ausbildungspaktes kritisiert. "Der Ausbildungspakt präsentiert uns heute wieder eine frisierte Bilanz. Frei nach dem Motto 'Es kann nicht sein, was nicht sein darf' wird die Statistik schöngerechnet. So wird die wahre Lage auf dem Ausbildungsmarkt systematisch verschleiert", sagte Sehrbrock am Dienstag, den 13. Oktober 2009 in Berlin.
Das Ergebnis der geschönten Statistik: Während der Pakt Jahr für Jahr eine entspannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt verkündet, haben 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung. Das sind 15 Prozent dieser Altersgruppe. "Angesichts solcher Zahlen zu behaupten, jeder ausbildungswillige und -fähige junge Mensch bekomme einen Ausbildungsplatz, ist schlicht zynisch. Wir brauchen dringend eine ehrliche Ausbildungsstatistik in Deutschland. Sie muss den politisch Verantwortlichen klar aufzeigen, an welchen Stellen nachgesteuert werden muss, um allen Jugendlichen einen qualifizierten Berufsabschluss zu ermöglichen. Die aktuelle Bilanz wird diesem Anspruch nicht gerecht. Sie täuscht eine entspannte Lage vor und nimmt damit den Druck von den verantwortlichen Akteuren", sagte Sehrbrock.
Der DGB bemängelt zwei Kernfehler der Ausbildungsbilanz: 73.456 Jugendliche, die in Warteschleifen untergebracht worden sind, werden vom Pakt als versorgt gezählt - obwohl sie ausdrücklich noch einen Ausbildungsplatz suchen. Werden diese Jugendlichen mitgezählt, liegt die Lücke der unversorgten Bewerber/-innen bei 84.000 - statt der vom Pakt verkündeten 9.603 unversorgten jungen Menschen. "Wir brauchen einen echten Paradigmenwechsel. Junge Menschen in Warteschleifen dürfen nicht mehr als versorgt gezählt werden. Nur so bekommen wir einen ungeschminkten Blick auf den Ausbildungsmarkt", erklärte Sehrbrock.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende wies zudem darauf hin, dass nicht jeder Jugendliche, der einen Ausbildungsplatz sucht, bei der Bundesagentur für Arbeit auch als BewerberIn geführt wird. In einer ersten Vorauslese werden zehntausende Jugendliche als nicht ausbildungsreif deklariert – und verschwinden so aus der Pakt-Statistik. "Wir können uns Bewerberinnen und Bewerber erster und zweiter Klasse nicht leisten. Jeder junge Mensch, der einen Ausbildungsplatz sucht, muss in der Bilanz gezählt werden", sagte Sehrbrock.
Im Detail: Ausbildungssituation im September 2009
Gesamtes Bundesgebiet
Bundesweit haben sich 533.716 Bewerber/-innen für einen Ausbildungsplatz gemeldet. Das sind 86.676 oder 14,0 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, was sich durch ein Absinken in den westlichen (-10,7 Prozent), vor allem aber in den östlichen Bundesländern (-25,6 Prozent) ergibt.
Den Bewerber/-innen stand ein Angebot von 408.439 gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen gegenüber. Das sind 24.249 (5,6 Prozent) weniger Stellen als im August des Vorjahres.
Bundesgebiet Ost
In den östlichen Bundesländern stehen den 102.593 Bewerber/-innen lediglich 66.613 betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber. Die Zahl der Bewerber/-innen ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 35.227 gesunken, die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze hat zugleich um 3.344 Plätze abgenommen.
Bundesgebiet West
Hier standen den 430.609 Bewerber/-innen nur 341.550 betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber. Das sind 19.810 betriebliche Ausbildungsstellen weniger und 51.401 Bewerber/innen weniger als im Vorjahresmonat.
(Vergrößerung der Grafik durch Klick)
Dirk Neumann, politischer Referent im Bereich Jugend des DGB-Bundesvorstandes, E-Mail: dirk.neumann@dgb.de
Die Ausbildungsdaten der Bundesagentur für Arbeit vom Oktober 2001 bis heute, als Exceltabellen zum Download (bis zu 1 MB):
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Ausbildungsjahr 2005/2006
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Ausbildungsjahr 2004/2005
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Ausbildungsjahr 2003/2004
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Ausbildungsjahr 2001/2002
September 2002 August 2002 Juli 2002 Juni 2002 Mai 2002 April 2002 März 2002 Februar 2002 Januar 2002 Dezember 2001 November 2001 Oktober 2001
BA-Statistik - Änderungen bei der Erhebung der Daten ab März 2007 (PDF)