Die globalisierte Ökonomie, in der die Ströme von Kapital, Waren und
Informationen miteinander vernetzt sind, hat alle Teile der Erde auf
ganz unterschiedliche Weise in ihr System eingebunden. Regionen, die
wegen mangelnder Kaufkraft als Markt uninteressant sind oder aufgrund
wirtschaftlicher oder kultureller "Rückständigkeit" keine Aufgaben im
internationalen Produktionssystem übernehmen können, verschwinden aus
der Wahrnehmung. Der größte Teil der Kapital-, Waren- und
Informationsbewegungen findet innerhalb des Dreiecks Nordamerika -
Europa - Ostasien statt. Von der Globalisierung profitieren also vor
allem die reichen Staaten.
Globalisierung als Naturgesetz?
Wenn
es darum geht, soziale Einschnitte zu begründen, berufen sich die
politisch Verantwortlichen oft auf "Sachzwänge" wie den weltweiten
Wettbewerbsdruck. Gleicht die Globalisierung also einer unaufhaltsamen
Lawine, deren Bahn unsteuerbar ist? Technische Neuerungen wie Internet
oder Container haben zwar die grenzüberschreitenden unternehmerischen
Aktivitäten erleichtert, im Kern handelt es sich aber um ein politisch
gewolltes Projekt. Die Liberalisierung des Welthandels und der Abbau
staatlicher Steuerungs- und Schutzmechanismen brach nicht wie eine
Naturkatastrophe über die Welt herein, sondern wurde (und wird
weiterhin) von Regierungen beschlossen. Überstaatliche Institutionen
wie die Welthandelsorganisation (WTO) und der internationale
Währungsfonds (IWF) spielen beim Abbau von Handelsbarrieren und bei der
Absicherung der Finanzströme eine wichtige Rolle.
Liberalisierung ist kein Allheilmittel
Volkswirtschaften,
die sich dem Weltmarkt völlig öffnen, schneiden - so behaupten es die
Liberalisierungs-Ideologen, viel besser ab als solche, die ihre Märkte
mit Hilfe des Staates schützen. Weiter heißt es immer wieder, die
Globalisierung verringere durch den Austausch von Gütern,
Dienstleistungen, Kapital, Bildung und Arbeitskräften die weltweite
Armut und Ungleichheit. Wer einer fortschreitenden Liberalisierung
entgegentrete (wie etwa die Gewerkschaften), tue dies aus verwerflichem
Eigeninteresse. Die
Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kam in
einer Studie zu einem gegenteiligen Ergebnis. Zwar haben sich in
einigen Ländern Asiens die Lebensverhältnisse verbessert, dafür fällt
in Teilen Afrikas und Lateinamerikas die Bilanz deutlich schlechter
aus. Annehmlichkeiten der Globalisierung wie Computer und Internet
verbreiten sich zwar weltweit, stehen aber außer in den reichen
Industrienationen nur den einkommensstarken Bevölkerungsgruppen zur
Verfügung. Die Globalisierung nach neoliberalen Gesetzen
verschärft somit nicht nur die Gegensätze zwischen "Nord" und "Süd",
zwischen armen und reichen Ländern, sondern führt auch innerhalb der
Staaten und Regionen zu Ungleichheit und Ungerechtigkeit.
Ausführliche Informationen zu Globalisierung, dem Begriff und den Folgen finden sich bei der
Bundeszentrale für politische Bildung.