Praktika haben durchaus Vorteile. Sie erleichtern die Berufswahl und vermitteln Kompetenzen, die man sich in Schule und Studium nicht aneignen kann, sie sind Teil einer vielseitigen Ausbildung. Leider hat das Praktikum in den letzten Jahren eine ungute Karriere gemacht, von einem praxisorientierten Ausbildungsabschnitt wandelte es sich zur verdeckten Beschäftigung. Immer mehr Firmen und Institutionen setzen junge HochschulabsolventInnen zum Schein als PraktikantInnen ein, in Wirklichkeit geht es ihnen darum, reguläre Arbeit für wenig oder sogar gar kein Entgelt verrichten zu lassen. Für eine ganze Generation wird der Berufseinstieg somit zu einer äußerst prekären Angelegenheit: Unterbezahlt und perspektivlos bleiben die jungen Menschen von ihren Eltern oder von staatlichen Transferleistungen abhängig, an Zukunfts- oder gar Familienplanung ist unter diesen Umständen kaum zu denken. PraktikantInnen besitzen kaum Rechte und erwerben keine Ansprüche in den Sozialversicherungen. Das ist kein gutes Geschäft - weder für die Betroffenen noch für die Solidargemeinschaft.
600 000 PraktikantInnen wurden im Juni 2006 in Deutschland gezählt. Mehr hier.
Einige gesetzliche Regelungen könnten zumindest die unverschämtesten Auswüchse der Praktikantenhaltung eindämmen. Mehr hier.
Ob Generation Praktikum oder génération precaire - die Probleme der BerufsanfängerInnen ähneln sich weltweit. Mehr hier.
Beratung und weiterführende Informationen. Mehr hier.
Eine Praktikantin hat nach ihrem Praktikum auf die volle Bezahlung für die von ihr geleistete Arbeit im "Schein-Praktikum" geklagt. Die Gerichte haben ihr Recht gegeben.
Fast 40 Prozent machen nach dem Studium noch Praktika. Die Hälfte dieser Praktika ist unbezahlt, die Praktika dauern durchschnitllich 6 Monate. Die Studie der DGB-Jugend in Zusammenarbeit mit der FU Berlin und der Hans-Böckler-Stiftung liefert Zahlen zur Generation Praktikum (Februar 2007, PDF-Dokument, 364 KB).