Weil viele SchulabgängerInnen keinen Ausbildungsplatz finden, hat die Bundesregierung im Rahmen des Ausbildungspaktes ein staatlich bezahltes Praktikumsprogramm eingerichtet. Das sogenannte Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) soll Jugendliche mit schulischen Defiziten fit für die Ausbildung machen. Aber funktioniert das EQJ wirklich als Brücke in die Berufsausbildung? Die ersten Ergebnisse lassen daran zweifeln.
Eigentlich war es so gedacht: Der Staat übernimmt die Lohnkosten von monatlich 294 Euro, davon gehen 192 Euro an die Sozialversicherung. Die Unternehmen bieten den jungen Leuten dafür ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum an, das ihnen die für die Ausbildung nötigen Fähigkeiten vermittelt. Idealerweise steht am Ende des Praktikums die Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis. Das EQJ spricht nicht den gesamten Jahrgang an, sondern BewerberInnen, die mit schlechten Schulabschlüssen keine Chancen auf Ausbildungsplätze haben. Zwischen Oktober 2005 und Oktober 2006 haben 32 000 Jugendliche an dieser neuen Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen. Seit Oktober 2006 sind es 40 000.
Tatsächlich ist der Anteil der eigentlichen Zielgruppe sehr niedrig. Rund die Hälfte der Programmteilnehmer hat einen Realschul- oder höheren Abschluss: Jugendliche, die eigentlich schon einen Ausbildungsplatz haben sollten, ohne eine extra Praktikumsschleife drehen zu müssen. Und das ist noch nicht alles. In einem Bericht vom Dezember 2006 bemängelt der Bundesrechnungshof, dass die Unternehmen bei rund 2.000 der bis dahin etwa 30 000 Praktikanten trotz des staatlichen Zuschusses keine Sozialabgaben gezahlt haben und dass auch die 192 Euro Vergütung nicht automatisch an die Praktikanten weitergeleitet werden. Der Rechnungshof kritisiert außerdem die Evaluationspraxis, denn die Auswertung des Qualifizierungsprogramms hat ausgerechnet die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber (BDA) übernommen. Kein Wunder, dass diese eine Vermittlungsquote von nahezu 70% anpreist, schließlich profitieren die Arbeitgeber doppelt: von der Arbeitskraft der PraktikantInnen und von den öffentlichen Geldern. Der Bundesrechnungshof kam mit Stichproben zu deutlich geringeren Erfolgsquoten, die Bundesagentur für Arbeit spricht von nur 42% erfolgreich vermittelten BewerberInnen. Außerdem haben die Unternehmen laut Rechnungshof in weniger als der Hälfte der Fälle die Möglichkeit genutzt, bei einer Übernahme das Praktikum auf die Ausbildungszeit anrechnen zu lassen.
Immer mehr Ausbildungswillige müssen ein Praktikum absolvieren, bevor sie eine Ausbildung beginnen. Hier geht es nicht mehr um das Kennenlernen von Azubis und Unternehmen, sondern um die Bestrebung, reguläre Arbeit von PraktikantInnen verrichten zu lassen. Für den DGB-Vorsitzenden Michael Sommer ist es "ein Skandal, dass es Firmen gibt, die mit Hilfe des Förderinstruments der Einstiegsqualifizierung die Not der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz schamlos zu ihrem Vorteil ausnutzen". Offensichtlich versagt der Ausbildungspakt, da die Wirtschaft ihrer Verantwortung für die duale Berufsausbildung nicht mehr gerecht wird. Der DGB fordert deshalb eine Ausbildungsumlage: Wer nicht ausbildet soll zahlen.
Leider ist eine Besserung der Situation nicht in Sicht. Angesichts der Probleme am (Ausbildungs-) Stellenmarkt sieht die Politik in den gering oder gar nicht bezahlten Einstiegsprogrammen eine Chance, junge und ältere Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, womit sie prekären Lern- und Arbeitsbedingungen Tür und Tor öffnet.
Was ist eine Einstiegs-
qualifizierung und was sollte sie nicht sein? Welche Möglichkeiten einer Übernahme in Ausbildung gibt es und wer kann dabei helfen? Diese und mehr Fragen beantwortet die Broschüre der DGB-Jugend, hier zum Download und zum Bestellen.