(dgb-jugend, 13. Oktober 2010) GEW stellt "Templiner Manifest" zu guten Karrierewegen in Wissenschaft und Forschung vor: "Gute Wissenschaft und gute Arbeit sind zwei Seiten einer Medaille!"
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich gemeinsam mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für berechenbare Karrierewege und bessere Arbeitsbedingungen in Hochschule und Forschung stark. Das ist die zentrale Aussage des "Templiner Manifests", das die Bildungsgewerkschaft am Montag als Ergebnis ihrer Wissenschaftskonferenz "Traumjob Wissenschaft" während einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt hat.
"Gute Lehre und Forschung sowie gute Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven sind zwei Seiten einer Medaille", heißt es in dem Aufruf. Die DGB-Jugend begrüßt den Vorstoss, insbesondere im Hinblick auf die Forderungen aus den letzten Bildungsstreiks.
"Im vergangenen Sommer haben SchülerInnen, Studierende und Beschäftigte gemeinsam gegen die schlechten Bedingungen im Bildungssystem protestiert - die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat diese Proteste von Anfang an unterstützt.
Schlechte Bedingungen finden auch die Beschäftigten im Wissenschaftssystem häufig vor: Befristete Verträge, fehlende berufliche Perspektiven, keine angemessene Bezahlung und Überlastung sind keine Seltenheit an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen.
Es ist jedoch klar: Gute Studienbedingungen und gute Beschäftigungsbedingungen sind zwei Seiten der selben Medaille. Beschäftigte und Studierende müssen gemeinsam für bessere Bedingungen an den Hochschulen und in den Forschungseinrichtungen kämpfen", stellt Klemens Himpele, Referent im Vorstandsbereich Hochschule und Forschung der GEW, heraus.
"Hochschulen und Forschungseinrichtungen wollen exzellent sein, von ihren Beschäftigten erwarten sie exzellente Leistungen in Forschung und Lehre. Aber die Gegenleistung bleibt aus: Die Arbeitgeber bieten den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weder verlässliche Berufsperspektiven noch faire Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen", stellte Andreas Keller, für Hochschule und Forschung verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, fest.
Er prangerte an, dass bei wissenschaftlichen Angestellten an Hochschulen auf ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis sieben befristete Verträge kämen. "Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen neben befristeten Qualifikationsstellen deutlich mehr Dauerstellen einrichten, damit sie ihre Daueraufgaben in Forschung und Lehre erledigen können - mit der notwendigen Kontinuität und Qualität", forderte Keller.
"Die Karrierewege in der Wissenschaft sind lang und steinig, anerkannte Positionen neben der Professur gibt es nicht. Viele hoch qualifizierte Fachkräfte landen Mitte 40 in einer Sackgasse", sagte Rajah Scheepers, promovierte Nachwuchswissenschaftlerin (Postdoc) an der Universität Erfurt, Erstunterzeichnerin des "Templiner Manifests".
"Postdocs brauchen berechenbare berufliche Perspektiven: Wir treten daher für die Einführung des aus den angelsächsischen Ländern bekannten 'Tenure Track' ein. Dabei müssen Frauen die gleichen Aufstiegschancen haben wie Männer", erklärte Scheepers.
Ein "Tenure Track" eröffne dem wissenschaftlichen Nachwuchs die Perspektive für einen dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung - unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt.
Das "Templiner Manifest" versteht die Promotion nicht als dritte Phase des Studiums nach Bachelor und Master, sondern als erste Phase eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit. "Für Promovierende fordern wir an Stelle von Stipendien ausreichend tarifvertraglich geregelte Stellen mit Sozialversicherungsschutz", erklärte Niklaas Hofmann, Doktorand an der Freien Universität Berlin, Erstunterzeichner des "Templiner Manifests".
Er betonte die Verantwortung der Universitäten für die Promotion. "Die Unis müssen verpflichtet werden, alle Promovierenden bei Aufnahme, Umsetzung und erfolgreichem Abschluss ihrer Doktorarbeit aktiv zu unterstützen", sagte Hofmann.
Die zehn Eckpunkte des "Templiner Manifests" wird die GEW in den folgenden Wochen bundesweit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Diskussion stellen.
"Wir möchten möglichst viele Kolleginnen und Kollegen dafür gewinnen, das Manifest zu unterzeichnen. Wir setzen auf Solidarität statt Ellbogenstrategie - um Bund, Länder und Hochschulen zu Reformen zu bewegen", sagte GEW-Vorstandsmitglied Keller.
Hier der Wortlaut des Manifests - es kann auch online unterzeichnet werden: www.templiner-manifest.de (mit weiteren Informationen zum Thema Personalstruktur und Karrierewege in Hochschule und Forschung sowie einer Terminübersicht zu Diskussionveranstaltungen)
Mehr über eine aktuelle Untersuchung der Uni Konstanz zur Studierbarkeit von Bachelorstudiengängen gibts hier.
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