(dgb-jugend, 4. März 2009) Bundesbildungsministerin Annette Schavan, CDU, hat sich am vergangenen Dienstag (3. März 2009) in Berlin mit Hochschulrektoren aus den 16 Bundesländern sowie mit Vertretern der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auf einheitliche Termine für die Vergabe von Studienplätzen ab dem Jahr 2009 geeinigt: Am 15. Juli ist Bewerbungsschluss und ab Mitte August sollen die Zulassungsbescheide verschickt werden.
Die Studienplätze, die danach noch frei sind, werden in den ersten Septembertagen über das Internet in einer "Börse" bekannt gegeben. Studieninteressierte, die noch keinen Studienplatz erhalten haben, können sich dann unmittelbar bei den jeweiligen Hochschulen um freie Plätze bewerben.
Diese endgültige Regelung soll aber erst zum Wintersemester 2011/2012 in Kraft treten. Bis dahin wird ein Übergangsverfahren eingerichtet, das wesentliche Elemente des endgültigen Systems beinhaltet. Es startet zum Wintersemester 2009/2010.
Nötig geworden ist eine Reform der Vergabe von Studienplätzen, weil sich Schulabgänger an vielen Hochschulen aufgrund unsicherer Zulassungsaussichten gleichzeitig bewerben. Die Unis reagieren auf die Bewerberflut mit lokalen Zugangsbeschränkungen. Die sind falsch dosiert oder verursachen einen Bearbeitungsstau. Nach einer Umfrage des Handelsblatt bleiben so in einigen Studiengängen zwischen 20 bis 30 Prozent der Studienplätze unbesetzt.
Nach Bekanntgabe der neuen Termine gab es Kritik. Anja Gadow, Mitglied im Vorstand des studentischen Dachverbandes: "Die sich beteiligenden Hochschulen wollen scheinbar krampfhaft an ihrem Lieblingsspielzeug festhalten - ihren selbstgeschmiedeten, aber äußerst intransparenten und ungerechten Bewerbungs- und Zulassungsverfahren." Der studentische Dachverband fordert eindringlich eine Lösung der Zulassungsfrage auf Bundesebene, etwa durch ein Bundesgesetz.
"Ein gemeinsamer Termin für den Versand der Unterlagen bringt kleine Fortschritte. Nur eine gemeinsame Plattform aller Hochschulen in der Bundesrepublik für die erste Bewerbung würde aber die Ungerechtigkeit wirklich beheben. Weiter steht zu befürchten, dass sich ein Gemenge von willkürlich zusammengesetzten Hochschulverbünden, welche untereinander dann wiederum inkompatibel sind, herausbildet", sagt Florian Keller, Vorstandsmitglied vom freien zusammenschluss von studentinnenschaften (fzs).
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft übt Kritik: "Mit der Einrichtung einer Internet-Tauschbörse à la eBay lässt sich das Studienplatz-Chaos nicht auflösen. Wir brauchen eine bundesgesetzliche Regelung, die das Grundrecht der Studienberechtigten auf Hochschulzulassung gewährleistet", so Vorstandsmitglied der GEW, Andreas Keller.
Janis Klusmann vom DGB-Projekt students at work schließt sich der Kritik an: "Wir fordern neben einer vollen Auslastung der Studienplatzkapazitäten
auch den freien Zugang jedes Studienberechtigten zu seinem
Wunsch-Studiengang. Das Grundrecht auf Berufswahlfreiheit in Artikel 12 des Grundgesetzes schließt ein Recht auf Hochschulzulassung mit ein. Eine Harmonisierung der Zulassungstermine sowie die Einrichtung eines Internetportals sind vor dem Hintergrund eines hochqualifizierten Fachkräftemangels viel zu wenig. Gerade nach dem Bildungsgipfel und der Bildungskampagne der Bundesregierung im letzten Jahr sollte bis zu den Wahlen noch viel weitgehendere Schritte angegangen werden - zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit."
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