(dgb-jugend, 11. September 2007) Nicht nur auf dem Kontinent, auch auf der Insel geht es prekär zu
für Uni-Absolventen, wie der Economist zu berichten weiß.
Während das Wort "intern" (=Praktikant) für viele Briten bisher nur mit
Monica Lewinsky in Verbindung gebracht wurde, bildet sich auch in
Großbritannien langsam eine Generation Praktikum heraus. So sind
Praktikanten, die zum Beispiel bei bekannten Banken in Londons
financial district, bei großen Beraterfirmen oder Ingenieurbüros für
600 Pfund pro Monat bis spät nach Mitternacht malochen, keine
Seltenheit mehr (600 Pfund entsprechen zirka 890 Euro - die angesichts
des Londoner Preisniveaus allerdings weniger wert sind als auf dem
europäischen Festland).
Auch wenn viele Unternehmen durch Praktika die besten Nachwuchskräfte
in ihr Unternehmen locken wollen, um sie später einzustellen, gibt es
immer mehr Praktikanten-Ausbeute. Dazu ein Mitarbeiter einer
Marketing-Firma: "Wenn man ein kleines bisschen skrupellos ist, dann
kann man Praktikanten dazu bringen, Berge von Arbeit umsonst zu
erledigen, ohne ihnen dabei großartig was beibringen zu müssen. Selbst
große Agenturen bauen dermaßen auf diese kostenlosen Arbeitskräfte,
dass sie teilweise ohne Praktikanten nicht mehr überleben"
könnten.
Die Problematik wird laut Economist nicht politisch angegangen, weil
die schlecht bezahlte Beschäftigung von Praktikanten mittlerweile fast
überall vorkommt - auch Abgeordnete des britischen Unterhauses nutzen
die Dienste von Praktikanten.
Daran könnte sich aber demnächst etwas ändern. Ein Kameramann, der für
die Labour-Partei unentgeltlich tätig war, hat sich kürzlich beschwert,
woraufhin die Parlamentarier Leitlinien für Praktikanten erlassen
haben, denen zufolge Studenten, die arbeiten, auch entsprechend bezahlt
werden sollten - nämlich mit dem landesüblichen Mindestlohn.
Auch Universitäten werden aktiv. So hat das career office der Oxford
University begonnen, Unternehmen anzurufen, die unbezahlte Praktika
anbieten, um die Unternehmen zu fragen, wie sie diese Angebote
rechtfertigen.
Die Universität von London vermittelt solche zweifelhaften Angebote
nicht mehr. Manche Firma ist aber gewitzt und verkauft ihre unbezahlten
Praktika dann unter dem Label „Freiwilligenarbeit“. Es bleibt
abzuwarten, ob und wann sich bei solchen Verhältnissen eine
Interessenvertretung für britische Praktikanten bildet.
Der Artikel vom 16. August 2007 ist zu finden unter: www.economist.com/...
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Wozu überhaupt Gewerkschaften - das fragt sich nicht nur mancher deutsche Arbeitgeber: "What have the unions ever done for us?" aus Australien jetzt mit deutschen Untertiteln! Eine deutsche Version gibts hier. Mehr Videos auf dem ver.di-Campus-Kanal aus dem Ruhrpott.