(dgb-jugend, 17. Februar 2009) Seit Jahrzehnten müssen sich die Öffentlichkeit und die Betroffenen selbst immer wieder mit dem Problem herumschlagen, dass offenbar mehr junge Leute studieren wollen, als es Studienplätze gibt.
Jedenfalls erlebt man selten, dass jemand nicht Wartezeiten und Notendurchschnitte erwähnt, wenn es um sein geplantes Studium geht. Und tatsächlich steht vor jedem zweiten der insgesamt 11.000 Studienplätze in Deutschland ein Schild: Eintritt nur nach Aufforderung durch das örtliche Prüfungspersonal.
Das ist aus Sicht der Bewerber eventuell ungerecht, mit Sicherheit aber eine Schinderei. Denn man kann nicht anders, man muss sich doppelt und dreifach bewerben und einschreiben, um einen Platz zu ergattern. Das machen auch alle so. Bis mal jemand herausgefunden hat, wer dieses Semester mitmacht und bei wem es sich um eine Karteileiche handelt, hat das Semester begonnen und 20 Prozent der Studienplätze sind unbesetzt.
Was also tun? Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist jüngst gescheitert, als sie Vertreter der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Zentralstelle für Vergabe von Studienplätzen (ZDV) und der Kultusministerkonferenz (KMK) bat sich zu einigen, wie in Zukunft entschieden wird, wer wo studieren darf (siehe auch diesen Artikel von studis-online, zu finden unter
www.studis-online.de/...). Denn die Lage ist chaotisch und so geht es nicht weiter, meint Schavan, will aber niemandem zu nahe treten.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will das schon: "Die Hochschulen sind mit der dezentralen Steuerung der Hochschulzulassung offensichtlich überfordert: Studienbewerbern droht im Herbst erneut ein Zulassungs-Chaos, wenn sie sich an den Hochschulen einschreiben wollen", sagt zum Beispiel GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne.
Und weiter: "Die Politik darf nicht länger zuschauen, wie die Hochschulen und Länder ihr Kompetenzgerangel auf Kosten der Zukunftschancen junger Menschen austragen. Wir brauchen jetzt ein Bundesgesetz zur einheitlichen Regelung der Hochschulzulassung. In Studiengängen, in denen Plätze knapp sind, müssen diese zentral vergeben werden können. Es darf nicht der Entscheidung jeder einzelnen Hochschule überlassen werden, ob sie sich an einem zentralen Verfahren beteiligt oder nicht."
Darüber hinaus müssten sich Bund und Länder endlich auf einen
leistungsfähigen "Hochschulpakt II" verständigen, um ausreichend
Studienplätze zu schaffen und so den Numerus clausus (NC) zu
überwinden. Deutschland brauche in Zukunft nicht weniger, sondern
deutlich mehr wissenschaftlich ausgebildete Fachkräfte, so Thöne.
Ein neues Treffen von HRK, KMK und ZDV und Ministerin Schavan soll im März stattfinden. Ob sich bis dahin die Interessen- und vor allem Kassenlage geändert hat?
Annette Schavan will "jetzt, in der Krise" Geld in die Hand nehmen. Sie sagt: "Das ist die größte Bildungsoffensive, die es je gab!", siehe unsere
Meldung Leere Kassen, leere Köpfe, die zweite.
Siehe auch unsere Rubrik
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