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Studienplatzsuche

Einmal durch die Republik und zurück

(dgb-jugend, 16. September 2008) Der Sommer geht zuende, ein neues Semester beginnt. Zehntausende Abiturienten wollen an die Unis und Fachhochschulen. Doch der Zugang zu Hochschulen wird immer komplizierter.

Früher war die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) dafür zuständig, die Bewerber für bestimmte Fächer wie beispielsweise Medizin oder Psychologie nach bestimmten Kriterien wie Schulnoten und Wartezeiten auf die Universitäten zu verteilen. Viele hat die Behörde ans andere Ende der Republik geschickt. Der Vorteil war aber: Es gab klare Kriterien.

Die ZVS gibt es noch, aber heute wollen sich viele Hochschulen ihre Studenten selbst aussuchen, einige tun es bereits. Nachdem die Kultusminster 2003 entschieden haben, die Bewerbungsverfahren stärker zu dezentralisieren (siehe dieses Dokument der Kultusministerkonferenz werden seit 2005/2006 nur noch 20 Prozent der bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätze an die Notenbesten vergeben, 20 Prozent an die Bewerber mit der längsten Wartezeit und 60 Prozent der Studienplätze im hochschuleigenen Auswahlverfahren. Das bindet Kapazitäten des Lehrpersonals, die in Forschung und Lehre dringender benötigt würden. Denn wer Aufnahmeprüfungen vorbereiten und durchführen muss, hat weniger Zeit für Forschung, Korrektur von Hausarbeiten, Vorbereitung von Lehrveranstaltungen, Lektüre aktueller Fachliteratur, Betreuung der Studierenden zum Beispiel vor Prüfungen und während  Abschlussarbeiten.

Auch für die Studierenden bedeutet das hochschuleigene Bewerbungsverfahren höheren Bewerbungsaufwand. Einige müssen zum Beispiel zu Auswahlgesprächen durch die ganze Republik reisen. Effekt der neuen Zulassungsregel: Hohe Bewerberzahlen pro Uni, weil sich alle bei mehreren Unis bewerben. Die Hochschule Reuttlingen zum Beispiel, die 3.800 Studierende zählt, darf sich über 5.000 Bewerber fürs Wintersemester freuen, kann aber nur 811 neue Studienplätze anbieten. Anderes Beispiel: Die Uni Düsseldorf,15.000 Studierende insgesamt, fast 20.000 Bewerber auf knapp 2.000 Numerus-Clausus-Studienplätze.

Zukünftig soll das Vergabeverfahren noch einmal modifiziert werden. Offenbar ist das Ziel, den Studierenden mehr Flexibilität bei der Auswahl ihres Unistandortes zu ermöglichen, wie die Berliner Zeitung berichtet, siehe www.berlinonline.de/...

Andreas Schackert vom DGB-Online-Dienst students at work ist skeptisch, ob das wirklich gelingt. Das Problem sieht er aber generell woanders: "Statt an den Modalitäten der Vergabe der wenigen Studienplätze herumzudoktern, sollte das Augenmerk auf den Mangel bzw. die Abschaffung dieses Mangels an Studienplätzen gerichtet werden."


Siehe auch unsere Rubrik Dein Studium



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