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Das BAföG wird 40. Und ist noch nicht am Ende

Alt genug?

Mit 40 schon lange zu alt – das gilt zum Glück nicht fürs BAföG selbst. Denn der Zuschuß für sozial schwache Studis feiert heute seinen 40. Geburtstag. Das BAföG ist damit doppelt so alt wie die meisten Bachelorstudierenden von heute, die diese Förderung in ihrem Studentenwerk beantragen. Aber das macht nichts, denn in den 40 Jahren hat es sich allemal bewährt.

Angefangen hat alles mit Willy Brandt. Der hatte die Bundestagswahlen 1965 zwar nicht gewonnen, aber die damals seit zwanzig Jahren – mal mit, mal ohne FDP - in Bonn regierende CDU, verlor so stark, daß sie ab 1966 nur noch mit der SPD regieren konnte. Und dann ging alles ganz schnell:

1969 beschloß der Bundestag das erste Ausbildungsförderungsgesetz, in dem ein Schüler-Bafög festgeschrieben wurde. Dann gewann die SPD die Bundestagswahl und legte nach. Am 01. September 1971 trat das Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz BAföG, in Kraft. Seither bekommen Studierende, deren Eltern nicht genug Geld haben, um ausreichend Unterhalt zu zahlen, Geld vom Staat – Monat für Monat, Semester für Semester. Heute gilt: Die eine Hälfte ist geschenkt, die andere Hälfte ist ein zinsloses Darlehen, das nach Abschluß des Studiums auf Heller und Pfennig zurückgezahlt werden muß.

http://www2.dgb-jugend.de/w/gfx/large/studium/110519_bafoeg-1387be01.jpgDGB und Gewerkschaften halten das BAföG für einen Erfolg – nicht erst heute, nach 40 Jahren. Die Bildungsbeteiligung an den Hochschulen stieg in den 1970er Jahren sprunghaft an. Immer mehr junge Menschen nahmen ein Studium auf – viele von ihnen Kinder von Arbeitern oder kleinen Angestellten. Noch wenige Jahre zuvor war es für ihre Familien unvorstellbar, jemand von ihnen könnte an die Universität gehen. „Durch BAföG wurde die Bundesrepublik demokratischer und gerechter. Endlich hatte jederman vergleichbare Chancen,  den Beruf seiner Wahl zu erlernen.  Endlich konnte man studieren, ohne dafür Tag und Nacht jobben zu müssen. Das ist mehr als ein Grund, 40 Jahre BAföG zu feiern.“, erklärt Sabrina-Klaus-Schelletter von der DGB-Jugend.  

Bei aller Freude über den Erfolg und die Langlebigkeit dieser sozialpolitischen Maßnahme, gibt es aber auch einige Wermutstropfen. Denn tatsächlich sei das BAföG, so Sabrina Klaus-Schelletter weiter, von einer gerechten und auskömmlichen Studienfinanzierung noch meilenweit entfernt:

  • „Die Summe, die BAföG-Empfänger jeden Monat bekommen, ist in den letzten 40 Jahren nicht immer an die Inflation und steigende Studienkosten angepaßt worden. Deshalb müssen mehr und mehr  BAföG-Empfänger heute nebenbei arbeiten gehen.
  • Weil das Einkommen der Eltern bei der BAföG-Berechnung berücksichtigt wird, sind viele Studierende auf zusätzliche oder vollständige Alimentierung von zu Hause angewiesen. Das fällt nicht jeder Familie leicht und sorgt zudem oft für Konflikte, weil volljährige Kinder andere Vorstellungen entwickeln als ihre (zahlenden) Eltern.
  • Nur die Hälfte vom BAföG ist ein Zuschuß, der andere Teil muß später zurückgezahlt werden. Wer auf die Förderung angewiesen ist, steht also am Ende des Studiums vor einem – nicht selten fünfstelligen – Schuldenberg. Eine zusätzliche Hürde, die nicht wenige gleich ganz vom Studium abschreckt.
  • Nichtzuletzt: Wer zu alt ist, bekommt kein BAföG. Mit 35 ist Schluß, wer später ein Studium aufnimmt, hat in der Regel Pech. Kein Platz also für lebenslanges Lernen: Zwar kann das BAföG immerhin 40 Jahre alt werden, der BAföG-Empfänger kann es nicht.“

Die DGB-Jugend verbindet mit ihrem Glückwünschen zum BAföG-Geburtstag darum auch klare Forderungen: „Wir freuen uns über 40 Jahre BAföG, aber wir setzen uns weiterhin für eine elternunabhängige, bedarfsdeckende Studienfinanzierung als Vollzuschuß und ohne Altersgrenze ein.“, stellt Sabrina Klaus-Schelletter klar. „Das zeigt auch unsere gemeinsam mit dem freien zusammenschluß von studentInnenschaften (fzs) gestaltete Geburtstagskampagne ,40 Jahre BAföG‘.“

Mehr Infos zur fzs/DGB-Kampagne

Mehr zur Geschichte des BAföG im IG Metall-wap.

Die GEW fordert ebenfalls ein bedarfsdeckendes BAföG als Vollzuschuß und die Ausweitung des Schüler-BAföG.

Auch die Grünen wollen weiter eine elternunabhängige (Teil)Förderung.

Unser Artikel zum Thema vom Mai 2011

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