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Hochschulen

Ab Herbst fehlen Studienplätze

(dgb-jugend, 21. Juli 2011) Zum Wintersemester 2011/12 steht den Hochschulen das Chaos ins Haus: Falsche Berechnungen zu den Studienanfängerzahlen und schlechte Organisation führen zu einem Mangel von tausenden Studienplätzen. Die DGB-Jugend fordert umgehend Maßnahmen.

Hochschulforscher der Beratungsgesellschaft CHE Consult haben Bund und Länder gemahnt, zum Wintersemester 2011/12 zusätzliche Mittel zur Bewältigung des Studierendenandrangs zur Verfügung zu stellen. Der Hintergrund: Durch den Wegfall der Wehrpflicht, die doppelten Abiturjahrgänge durch verkürzte Schulzeiten und geburtenstarke Jahrgänge könnten dieses Jahr bis zu 50.000 Studienplätze fehlen, in den kommenden Jahren jeweils 25.000. Niedrig geschätzt.

Dass die Situation brisant werden könnte, war bereits im März dieses Jahres klar: Weil sich gegenüber den Vergleichsjahren 2005 bis 2010 rund 182.000 StudienanfängerInnen mehr eingeschrieben hatten statt 360.000 über 500.000. Prognostiziert und im Hochschulpakt I zunächst finanziert waren nur 91.000.

Der sei zu knapp berechnet worden, bestätigt sogar die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel: Ihr zufolge seien derzeit noch ca. 50.000 Plätze unfinanziert. Dafür forderten die Hochschulen zusätzliche Mittel. Die CHE-Experten errechnen gar ein Minus von 175.000.

Es gehe dabei nicht nur darum, dem Einzelnen einen Studienplatz zu sichern, so Wintermantel in einem Interview, es gehe um die Zukunft der Volkswirtschaft. Auf dem Arbeitsmarkt sei ein dramatischer Fachkräftemangel zu verzeichnen und es brauche dringend mehr HochschulabsolventInnen.

Aber wo sollen sie studieren? Allein zu diesem Wintersemester könnte jeder zehnte Studienplatzbewerber leer ausgehen. Verschärfend kommt hinzu, dass die Organisation der Studienplatzvergabe nicht funktioniert. Die mangelnde technische Umsetzung eines neuen Online-Vergabesystems hatte schon in den letzten Jahren paradoxerweise dazu geführt, dass tausende Studienplätze nicht vergeben wurden, obwohl es mehr BewerberInnen gab. Nach Informationen der KMK blieben so im letzten Wintersemester fast 20.000 Studienplätze frei.

Ein verblüffender Effekt: Einerseits gibt es zu wenige Plätze, andererseits können sie nicht besetzt werden. Wer studieren will, bewirbt sich derzeit bei verschiedenen Universitäten gleichzeitig, weil keine Zentralvergabe existiert. Unterm Strich bedeutet dies: Die Hochschulen brechen unter dem Ansturm der Studierenden zusammen. "Schon jetzt sind die Hochschulen völlig überfordert", sagt Sabrina Klaus-Schelletter von der DGB-Jugend. Bund und Länder müssten sich schleunigst auf Maßnahmen einigen. "Die Studierenden dürfen nun diesen Fehler ausbaden. Daher muss der Hochschulpakt endlich aufgestockt und seine Deckelung aufgehoben werden."

Für die Erstsemester dürften sich zudem weitere Probleme ergeben. Nicht nur dass die Universitäten komplett überfordert sind, es wird auch mit Sicherheit große Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche geben: Denn wie soll man eine Bleibe finden, wenn man kaum weiß, in welche Stadt man ziehen muss?

Klaus-Schelletter: "Die DGB-Jugend fordert daher von Bund und Länder schnellstens ein gemeinsames Programm zur Koordinierung der Studienplatzvergabe und zum Ausbau von Wohnheimplätzen."


Die CHE-Studie im Internet: www.che-consult.de/...


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