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Böckler-Stiftung

Bachelor im Mehrfach-Stress

(dgb-jugend, 15. April 2011) Noch immer hakt es bei Bachelor-Studiengängen: Der Weg zum ersten Hochschulabschluss führt durch oft nur unzureichend abgestimmte Module - und über ständige Einzelprüfungen. Dadurch fehlt Zeit zur wissenschaftlichen Orientierung. Ein Bericht der Hans-Böckler-Stiftung.
           
Leistungsdruck und Stress haben an den Hochschulen deutlich zugenommen: 51 Prozent der Uni-Studierenden sprechen von einer "hohen Leistungsanforderung", 2001 waren es noch 39 Prozent. Diese Zunahme ergibt sich jedoch nicht allein aus der Stoffmenge. Darauf weisen die Autoren des Studierendensurveys der Universität Konstanz hin. Die Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung rund 7.600 Studierende zu ihrer Studiensituation befragt. Der Hauptgrund für den Stress sind demnach organisatorische Probleme in den Bachelor-Studiengängen.

Zu viele Einzelprüfungen
Gerade mal 22 Prozent der angehenden Bachelor berichten laut Survey von "klaren Prüfungsanforderungen". 40 Prozent stimmen dagegen der Aussage "sehr stark" zu, dass es zu viele Einzelprüfungen pro Semester gebe. Von den Studierenden, die sich auf das Diplom vorbereiten, beklagen lediglich 17 Prozent zu viele Tests. Was die erwartete Leistung betrifft, scheint es kaum Unterschiede zu geben. Sowohl die Hälfte der Studierenden der neuen Bachelor- wie auch der alten Diplom-Studiengänge sagt, dass die Leistungsansprüche "hoch" sind. Die Konstanzer Forscher schließen daraus, dass es weniger der zeitliche Lernaufwand ist, der zu Druck und Stress führt.

http://www2.dgb-jugend.de/w/gfx/large/studium/impuls_grafik_2011_07_1.jpgDie Sorge um den Studienerfolg
Jeder zweite Studierende macht sich Sorgen, ob er den Abschluss schafft. Gerade auf Bachelor-Kandidaten lastet Druck, sagt der Forscher Michael Ramm: Die junge Leute brauchen eine möglichst gute Note, um ein Master-Studium anschließen zu dürfen. Das macht sich im Studienverhalten bemerkbar: Wer einen Bachelor anstrebt, achtet noch mehr auf Effizienz als die Diplom-Studierenden. Der Arbeitseifer hat im langfristigen Vergleich zugelegt: Zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts war etwa ein Viertel der Studierenden bereit, "sehr viel und intensiv für das Studium zu arbeiten". Nun sind es bereits 36 Prozent.

Stressfaktor Erwerbsarbeit
Die Finanzen der Studierenden verschärfen die Zeitnot nochmals. 67 Prozent der Uni-Studierenden arbeiten in den Semesterferien, etwa 60 Prozent während des Semesters. Bei jedem fünften erwerbstätigen Uni-Student und jedem dritten von der FH gehen zwei komplette Tage pro Woche für das Jobben drauf. Damit sind laut Studie etliche Schwierigkeiten verbunden: "An den Universitäten berichten 60 Prozent der Studierenden, dass sie sich durch diese intensive Erwerbsarbeit stark belastet fühlen." Die Forscher mahnen: "Bei solch hoher zeitlicher Belastung durch Erwerbsarbeit wird ein effizientes Studium erschwert."

Weitere Infos der Hans-Böckler-Stiftung: hier.

Gemeinsame Forderung von DGB-Jugend u.a. zum Masterstudium - hier.


Blick zur Seite: Die Bundesregierung läßt auf ihrer Bolognakonferenz Anfang Mai und mit Hilfe eigens hierfür bestellter Studien den Bachelor als Erfolgsmodell feiern:

- Pressemitteilung des BMBF vom 03.05.
- Studie "Mit dem Bachelor in den Beruf" des Stifterverbandes der deutschen Wissenschaft
- Studie "Studien- und Berufsperspektiven von Bachelorstudierenden in Deutschland" des HIS

Dabei ist es nur wenige Wochen her, daß das HIS in einer Sonderauswertung der Sozialerhebung der Studentenwerke feststellte, daß der Bachelor keinesfalls besser ist als andere Studiengänge. Dazu gibts sogar eine Pressemitteilung des Bundesbildungssministerin. Jenseits der Regierung wird aber auch zur Berufsperspektive kritischer Bilanz gezogen:

"Bologna-Probleme nicht kaschieren, sondern lösen" fordert die GEW

Der Deutsche Hochschulverband fordert eine "Bologna-Konferenz ohne Schönfärberei"

Und das Dt. Studentenwerk wünscht sich: "Bologna ist für die Studierenden da"


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