(dgb-jugend/as, 8. April 2011) Der 11. Studierendensurvey der Bundesregierung hält wenig Überraschendes bereit und findet doch ein breites Echo.
Am 16. März 2011 stellte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Erhebung vor, für die vor eineinhalb Jahren siebeneinhalbtausend Studierende an 25 Hochschulen befragt worden waren.
Die Auswertung ergab unter anderem, dass der Anteil der Bachelor-Studierenden stark ansteigt - und mit ihm der Druck auf die Studierenden. 43 Prozent der Befragten hegen die Sorge, dem Leistungsdruck nicht gewachsen zu sein.
"Es ist keine Neuigkeit, dass durch die Studienreform die Anforderungen erheblich gestiegen sind", erklärt Andreas Schackert vom DGB-Projekt "Students at work". "Dabei spricht nichts gegen ein hohes Niveau akademischer Ausbildung. Aber leider geht es in den seltensten Fällen darum, hohe Qualifikation zu vermitteln. Vielmehr wird ein unsinniger Prüfungsdruck aufgebaut, der dem akademischen, dem wissenschaftlichen Charakter eines Studiums Hohn spricht."
Auch in der Zusammenfassung des BMBF werden die Missstände klar aufgezeigt, gegen die im Wintersemester 2009/2010, als die Datenerhebung stattfand, zehntausende Studierende auf die Straßen gegangen waren. Der auch vom DGB unterstützte "Bildungsstreik" zog sich über zwei Semester hin und hatte die ganze Republik erfasst.
Die Anforderungen seien einseitig auf den Erwerb von Faktenwissen ausgerichtet, eng getaktete Prüfungen, fehlende Klarheit und Abstimmung mit dem Lehrstoff und eine hohe Stoffmenge erschweren die Prüfungsvorbereitung erheblich, heißt es da.
Hinzu kommt, dass der Bachelor keinesfalls als Sprungbrett in den Beruf verstanden oder wahrgenommen wird. Neun von zehn Bachelorstudierenden an den Unis und immerhin drei Viertel der FH-BachelorandInnen wollen lieber einen Master anschließen. das sind freilich viel mehr, als die Hochschulen an Masterplätzen zur Verfügung stellen. Am Ende entscheidet daher fast immer die Abschlussnote über die Möglichkeit, weiterzustudieren, was den Leistungsdruck zusätzlich erhöht.
Die Deutschen Studentenwerke, die - im Gegensatz zu den Hochschulen - flächendeckend kostenlos professionelle psychologische Beratung und Unterstützung für Studierende anbieten und damit besonders bei Prüfungsstress helfen, haben deshalb gefordert, dass dieser Service endlich Unterstützung aus der Politik erfährt.
"Damit ist es freilich nicht getan. 'Qualität geht vor Tempo' ist seit langem die Forderung der Gewerkschaften. Eine gute akademische Ausbildung muß nicht zu Lasten von Personal und Studierenden gehen. Außerdem brauchen wir endlich eine Harmonisierung der Hochschulausbildung, Durchlässigkeit und Vergleichbarkeit der Studiengänge und Abschlüsse zwischen allen Hochschulstandorten", fordert Sabrina Klaus-Schelletter von der DGB-Jugend.
Linktipps:
www.bmbf.de/...www.studis-online.de...www.studentenwerke.de...