Hier wollen wir einige methodische Grundlagen bei der Durchführung von
Projekten erläutern. Projekte können sehr unterschiedliche Dinge - etwa
eine Zeitung, ein Kongress, eine Podiumsdiskussion, ein Seminar oder
auch eine Kampagne - sein. Mit der Durchführung eines Projektes
versucht man, in einem festgelegten Zeitraum bestimmte Ziele zu
erreichen.
Der Ablauf eines Projekts lässt sich meist in fünf große Phasen
einteilen, die wir hier nur knapp erläutern können. Die Phasen bauen
aufeinander auf, je besser eine Phase absolviert wurde, desto leichter
kann die folgende gelingen. Der Erfolg eines Projektes hängt also von
allen Phasen ab. In jeder dieser fünf Phasen steht ein anderer Aspekt
des Projektes im Vordergrund:
Ideen
Planung
Vorbereitung
Durchführung
Nachbereitung
Die Ideenphase
In dieser
ersten Phase eines Projekts geht es darum, alle Ideen, Themen und
Vorschläge zu sammeln bzw. zu entwickeln. Hier entsteht der Rahmen
eurer gemeinsamen Arbeit. In der Ideenphase ist jeder Einfall, jeder
Vorschlag und auch die ein oder andere Spinnerei nicht nur erlaubt,
sondern gewollt. Innovatives Arbeiten lebt davon, dass neue Denk- und
Handlungsansätze eine Chance erhalten und nicht gleich im Papierkorb
verschwinden. Am besten macht ihr hierzu einfach ein visualisiertes
Brainstorming. Wichtig ist, dass ihr erst einmal nur Vorschläge
sammelt, diese aber noch nicht diskutiert. Wenn ihr alles gesammelt
habt, könnt ihr z.B. mit Punkten oder in einer kurzen Diskussion eure
Prioritäten festlegen, d.h. herausfinden, was eurem Team wichtig genug
ist, auch umgesetzt zu werden. Alternativ bietet sich für diese Phase
auch die Methode der Zukunftswerkstatt an.
Die Planungsphase
Hier
reifen eure Ideen zu konkreten Bildern. Ihr legt fest, welche Ziele
euer Projekt haben soll, was ihr zu deren Erreichung tun wollt und was
das konkret für wen an Arbeit bedeutet. Wichtig ist, dass ihr in jedem
Falle mit der Zielsetzung beginnt, denn nur so erhalten alle im Team
eine Vorstellung davon, was überhaupt erreicht werden soll. Es hat sich
gezeigt, dass dies am besten gelingt, wenn ihr eure Ziele S.M.A.R.T formuliert.
Habt ihr erst einmal eure Ziele gemeinsam gefunden, liegt der schwerste
Teil der Planungsphase bereits hinter euch. Ihr solltet sie euch auch
im weiteren Verlauf des Projekt immer wieder vor Augen führen, sie sind
der Kern eures Projekts. Jetzt erst wird es Zeit, sich zu überlegen mit
welchen Maßnahmen ihr eure Ziele erreichen wollt. Dabei lohnt es sich
oft, noch einmal auf eure Ideensammlung zurück zu greifen. Stellt euch
bildlich vor, wie euer Produkt (Zeitung, Seminar, Kampagne...) aus der
Sicht der Zielgruppe erscheint. Könnt ihr mit dem, was ihr vorhabt,
eure Ziele erreichen? Versucht, ein sehr konkretes Bild von eurem
Produkt zu bekommen, um während des Projekts auf eine gemeinsame Vision
aufbauen zu können und Missverständnissen vorzubeugen. Entwickelt z.B.
gemeinsam einen Ablaufplan.
Nun könnt ihr euch überlegen, was ihr vorbereiten müsst, damit euer
Produkt entstehen kann. Welche Absprachen müssen getroffen werden?
Welche
Besorgungen stehen an? usw. Mit einem Brainstorming (u.U. als
Kartenabfrage) könnt ihr auch hier erst einmal alles Wichtige sammeln.
Anschließend fast ihr eng zusammenhängende Aufgaben zu Paketen
zusammen, und bringt die so geschnürten Arbeitspakete in einem
Gant-Diagramm oder Maßnahmenplan unter. In diesen solltet ihr nun so
genannte Meilensteine festlegen. Die Nachbereitung des Projekts sollte
bereits hier mitgeplant werden. Schließlich legt ihr noch die
Verantwortlichkeiten für die einzelnen Pakete und die
Gesamtverantwortung für das Projekt fest.
Hier noch einmal die wichtigsten Fragen der Planungsphase in ihrer
Reihenfolge:
Welche Ziele wollen wir erreichen?
Was wollen wir dafür tun?
Wie wollen wir das umsetzen?
Was muss dafür wann Geschehen?
Wer übernimmt für was die Verantwortung?
Die Vorbereitungsphase
Mit einer guten Planung und Vorbereitung steht oder fällt ein Projekt.
Und auch eine noch so gute Planung ist nichts wert, wenn deren
Umsetzung nicht funktioniert. Deshalb ist es in der Vorbereitungsphase
extrem wichtig, am Ball zu bleiben und die aus der Planung anstehenden
Arbeiten zu erledigen. Nur so können böse Überraschungen in der
Durchführungsphase und damit unnötiger Stress vermieden werden. Da sich
die Vorbereitungsphase meist über längere Zeiträume erstreckt, ist es
manchmal schwer, den Überblick zu behalten, unvorhergesehene Probleme
werden auftreten und zu lösen sein. Hier kommt der
Hauptverantwortlichen eine wichtige Rolle zu. Es gilt, die
Verantwortlichen für die einzelnen Arbeitspakete zu fragen, wie gut sie
vorankommen und sie, wenn nötig, zu unterstützen, bei Konflikten
zwischen Teammitgliedern zu vermitteln ( siehe Moderation) und ständig
einen Gesamtüberblick über das Projekt zu haben. Hierfür ist es
hilfreich, wenn man auf ein Gant-Diagramm aus der Planungsphase
zurückgreifen kann. Aber auch alle anderen Teammitglieder brauchen ab
und zu einen Gesamtüberblick. So lohnt es sich, sich regelmäßig zu
treffen und gegenseitig zu informieren. Auch für ein kurzes Feedback
sollte bei solchen Treffen immer Zeit sein. Wie oft und lange man sich
trifft, hängt stark vom Umfang des Projekts ab. Zusätzlich zu diesen
Teamtreffen ist es geradezu unumgänglich sich zu den vereinbarten
Meilenstein mit dem gesamten Team zusammen zu finden, um z.B.
notwendige Veränderungen am Projekt vor zu nehmen.
Die Durchführungsphase
Jetzt
beginnt die wirklich heiße Phase eures Projekts: Es geht an die
Durchführung. Jetzt ziehen alle, die vor kurzem noch eher parallel
zueinander gearbeitet haben, wieder an einem Strang. Eine gewissenhafte
Vorbereitung trägt nun ihre Früchte. Dennoch ist diese Phase die
anstrengendste aller Phasen, weil plötzlich Probleme auftreten, die
auch eine noch so gute Planung nicht verhindern kann. Davon solltet ihr
euch aber nicht frustrieren lassen, denn auch hier helfen klare
Verantwortlichkeiten. Wenn euer gesamtes Team und alle Helferinnen und
Helfer genau wissen, warum sie für etwas sorgen sollen, können spontan
die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Auch ein klarer Arbeits-
bzw. Aufgabenplan und ein gutes Briefing für alle Beteiligten können
Wunder bewirken. So solltet ihr schon vorher versuchen, abzuschätzen,
wer wie viel zu tun haben wird, und Arbeit gerecht und sinnvoll
verteilen. Nichts ist frustrierender für einzelne, als wenn sie von
einer Veranstaltung nichts mitbekommen, weil sie etwa von 6:00 Uhr
morgens bis 4:00 Uhr abends eine Tageskasse betreuen müssen. Schafft
insbesondere bei Events für alle aus dem Team genügend Freiräume.
Die Durchführungsphase ist für die Beteiligten meist der prägendste
Teil des Projekts, über den ihr auch noch Jahre später reden werdet,
also belastet euch nicht unnötig mit den Folgen schlechter Planung und
Vorbereitung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass ihr euch
als Team bewusst ein gemeinsames Highlight (z.B. eine Party) schafft.
Auch eine gute Nachbereitung beginnt schon während der Durchführung. So
solltet ihr in jedem Fall den Teilnehmern bzw. der Zielgruppe die
Möglichkeit zu einem Feedback geben.
Die Nachbereitungsphase
Ein
Projekt ist wertlos, wenn es nichts verändert. Dabei sind sowohl
Veränderungen für die Beteiligten, die Leserin oder Teilnehmer, als
auch eine Sensibilisierung der Gesellschaft oder eine größere Akzeptanz
eurer Arbeit bei den Schülerinnen und Schülern relevant. Was ihr
letztlich verändern wollt, habt ihr schon in euren Zielen festgelegt.
Aber habt ihr das auch wirklich erreicht?
Dieser Frage solltet ihr mit
Hilfe einer Evaluation nachgehen, die auch das Feedback der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einbezieht. Die entstandenen
Ergebnisse eures Projektes wie Erklärungen, Diskussionsergebnisse,
Forderungen, Ideen und Bilder solltet ihr in jedem Falle ausführlich
dokumentieren. Sie eignen sich vorzüglich für eure
Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere für euren Internetauftritt. Darüber
hinaus ist es auch für die Teilnehmer eures Projektes wichtig, diese
Dokumentation zu erhalten, um zu sehen, dass ihre Mühe nicht umsonst
war, und auch sie selbst gut damit weiterarbeiten können.
Broschüre SV-Tipps: Tipps und Tricks für die
SchülerInnenvertretung (November 2004, PDF 1,8 MB)