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Aktionen/best practice
Habt ihr schon einmal eine Party organisiert oder eine
Podiumsdiskussion veranstaltet? Nein? Dann zeigen euch diese Texte,
dass es ganz einfach und außerdem hilfreich für eure Arbeit ist, solche
öffentlichkeitswirksamen Aktionen in Angriff zu nehmen. Auf diesen
Seiten stellen wir euch verschiedene Aktionsformen vor und verraten,
worauf ihr bei deren Durchführung achtet solltet. Hierfür orientieren
wir uns an einem konkreten Beispiel:
Du bleibst hier (wir helfen dir!)
In Deutschland leben gegenwärtig rund 217.000 Geduldete, d.h. Menschen
aus anderen Ländern, die zwar keine Aufenthaltsgenehmigung für
Deutschland erhalten haben, aber trotzdem nicht abgeschoben werden, zum
Beispiel, weil sie an einer Krankheit leiden oder weil in ihrem
Herkunftsland immer noch unsichere Zustände herrschen.
Auch gibt es viele, die lange auf ein Stattgeben oder eine Ablehnung
ihres Asylantrages warten. Zwar hat sich die durchschnittliche Dauer
von Aufenthaltsgenehmigungsverfahren auf wenige Wochen reduziert, aber
immer wieder gibt es Fälle, die sich sehr lange hinziehen.
Diese Menschen leben dann oft viele Jahre in Deutschland; und das
ständig auf gepackten Koffern, weil sie immer die Gewissheit haben, zu
jeder Zeit abgeschoben werden zu können.
Die Gründe für die Flucht aus ihrer Heimat waren vielseitig:
Verfolgung, Hunger oder Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch statt
eines besseren Lebens erwartet sie hier in Deutschland oft ein Ringen
mit der Ausländerbehörde und die ständige Unsicherheit, ob sie hier
bleiben können oder abgeschoben werden und dann dorthin, von wo sie
geflohen sind und wo sie eine ungewisse Zukunft erwartet, zurückkehren
müssen.
Darunter sind auch viele Schülerinnen und Schüler. Jugendliche, die von
klein auf hier leben, sich eingelebt und ein soziales Umfeld aufgebaut
haben, öffentliche Schulen besuchen und die deutsche Sprache oft besser
sprechen als die Sprache ihrer Eltern. Doch immer wieder kommt es vor,
dass Schüler zurück in eine ungewisse Zukunft abgeschoben werden.
Wenn eine Mitschülerin in eurer Klasse oder an eurer Schule von
Abschiebung bedroht ist, dann seid ihr wahrscheinlich zunächst mal
geschockt. Die gehört doch dazu! Unterricht ohne eine Person, neben der
man jahrelang saß, ist nur schwer vorstellbar.
Doch vielleicht muss es gar nicht soweit kommen und ihr könnt die
drohende Abschiebung noch verhindern, indem ihr zusammen handelt und
dagegen kämpft.
Es gibt die Möglichkeit, an den Landtag oder den Bundestag Petitionen
gegen eine Abschiebung einzureichen, in manchen Bundesländern hat dies
zumindest eine aufschiebende Wirkung. Und dann gibt es die Möglichkeit,
auf die Abschiebung aufmerksam zu machen, beispielsweise durch
Infostände an zentralen Orten. Macht sowohl bei euch an der Schule als
auch in der Stadt und, wenn ihr es schafft, auch darüber hinaus
deutlich, dass da jemand abgeschoben werden soll, die in eure
Klassengemeinschaft integriert ist und zu eurer Schule gehört.
Bevor ihr aber irgendetwas unternehmt, solltet ihr mit den Eltern eurer
Mitschülerin, deren Anwalt und mit einer der zahlreichen
Beratungsstellen für Flüchtlinge oder einem Flüchtlingsrat Kontakt
aufnehmen. Kontakt zu Beratungsstellen (auf regionaler Ebene) oder
Flüchtlingsräten (auf Landesebene) bekommt ihr zum Beispiel über PRO
ASYL. Unten findet ihr deren Adresse. Jeder Einzelfall einer
Abschiebung ist anders und es kann durchaus sein, dass ihr mit
öffentlichen Aktionen das Gegenteil von dem erreicht, was ihr
eigentlich wollt.
Außerdem können euch Organisationen wie PRO ASYL oder Flüchtlingsräte
in eurer Nähe auch bei euren Aktionen unterstützen oder mit
Informationen zum Thema Abschiebungen, Flüchtlings- und Asylpolitik
versorgen.
Seid kreativ und denkt euch Aktionen aus, mit denen ihr die Abschiebung
verhindern könnt: Symbolische Aktionen, wie zum Beispiel ein
Demonstrationszug, eine groß angelegte Unterschriftensammlung, ein
Theaterstück vor der Ausländerbehörde oder dem Rathaus oder Physische
Aktionen, wie zum Beispiel die Besetzung eures Schulhauses oder der
Ausländerbehörde oder richtiggehende Events wie eine Solidaritäts-Party
für eure Mitschülerin oder ein Benefizlauf.
Bei der Durchführung dieser Aktionen macht es Sinn, wenn ihr versucht,
mit eurem Kreis- oder StadtschülerInnenrat zusammenzuarbeiten.
Vielleicht bekommt ihr so weitere hilfreiche Tipps, könnt mehr Menschen
mobilisieren und auch eine größere Öffentlichkeit schaffen. Außerdem
könnt ihr auch in Gewerkschaften, Kirchen, Parteien oder auch
Jugendverbänden wertvolle Verbündete finden. Auf gar keinen Fall darf
versäumt werden, in engen Kontakt mit der Presse zu treten, damit über
den Fall und eure Aktionen in eurem Sinn berichtet wird.
Nachfolgend werden beispielhaft drei Aktionen beschrieben, die ihr aber
auch durchführen könnt, wenn keiner eurer Mitschüler von Abschiebung
bedroht ist, sondern ihr etwas anderes erreichen wollt.