(dgb-jugend, 28. April 2008) Im Interview im Magazin "Montag" (Ausgabe April 2008) spricht Ingrid Sehrbrock, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes und unter anderem zuständig für Jugend, Bildung, Forschung und Qualifizierung, über die soziale Verantwortung der Arbeitgeber, ausreichend gute Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.
Montag: Wie ist die aktuelle Situation junger Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen?Ingrid Sehrbrock: Es gibt mehr Ausbildungsverträge als noch vor einem Jahr. Trotzdem ist die Nachfrage wesentlich größer als das Ausbildungsangebot. Wenn es nach zahlreichen Bewerbungen nicht geklappt hat, müssen deshalb viele junge Menschen auf berufsvorbereitende Maßnahmen oder außerbetriebliche Ausbildungsplätze ausweichen.
Aber in den Medien liest man, es gebe wieder mehr Ausbildungsplätze. Stimmt das nicht?Doch, das stimmt. Aber einem jungen Menschen, der eine Perspektive sucht, hilft das wenig. Die meisten Ausbildungsplätze, die in diesem Jahr zusätzlich angeboten werden, sind nicht betrieblich, sondern außerbetrieblich. Diese quasi staatlich finanzierten Ersatzmaßnahmen sind nicht mit einer echten betrieblichen Ausbildung vergleichbar!
Was bedeutet die Initiative Ausbildung für alle?Ausbildung für alle ist eine Kampagne der DGB Jugend. Damit machen wir auf die schwierige Situation der jungen Generation aufmerksam. Wir fordern ein Recht auf Ausbildung! Jeder kann hier aktiv werden – bei Aktionen, mit seiner Meinung oder mit seiner Unterschrift.
Welche Lösungsvorschläge hat der DGB?Junge Menschen brauchen eine qualifizierte Ausbildung. Denn ohne gute Ausbildung hat ein Mensch heute keine Chance. Die Arbeitgeber müssen endlich in den Betrieben ihrer Ausbildungspflicht nachkommen. Eine außerbetriebliche Ausbildung kann immer nur die zweitbeste Lösung sein. Schließlich muss die Gesellschaft finanziell einstehen für die mangelnden Anstrengungen der deutschen Wirtschaft. Der DGB fordert mehr Fairness bei der Finanzierung von Ausbildung: Alle Betriebe müssen Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen – oder sich an den Ausbildungskosten beteiligen!
Welchen Rat können Sie Ausbildungssuchenden mit auf den Weg geben?Wichtig ist es, dass man sich möglichst früh informiert – und sich über seine Berufswünsche klar wird. Über Schülerpraktika und Ferienjobs kann man vieles ausprobieren. Am besten stellt man sich bei den Firmen persönlich vor oder bewirbt sich rechtzeitig schriftlich. Den meisten Arbeitgebern ist eine gute Motivation wichtiger als ein super Notendurchschnitt. Mit persönlichem Engagement kann man viel erreichen.
Außer diesem Interview finden sich in der "Montag" noch viele Tipps für junge Leute auf Ausbildungsplatzsuche.
Hier kannst du die "Montag" downloaden oder bestellen.
Tipps für Suche nach und Bewerbung auf Ausbildungsstellen haben wir
hier für dich zusammengestellt.
Siehe auch unsere Initiative
www.ausbildung-fuer-alle.de