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Präsentation der DGB-Jugend

Das Schwarzbuch Ausbildung

(Mai 2005)

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag (19. Mai 2005) in Berlin stellte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock das "Schwarzbuch Ausbildung" vor. Es beschreibt authentische Missstände, mit denen Auszubildende täglich konfrontiert sind.

Ein Auszubildender im dritten Lehrjahr zum Gas- und Wasserinstallateur muss über einen Monat lang die neue Werkstatthalle allein anstreichen. Eine Auszubildende muss mit dem Hund ihres Chefs Gassi gehen und Schulbücher seines Sohnes einschlagen. Andere Auszubildende müssen ständig putzen – lernen tun sie kaum etwas. Jugendliche beklagen, dass sich niemand wirklich Zeit nimmt für ihre Ausbildung. Im Vergleich mit Mitschülern schneiden sie schlecht ab und fürchten, ihre Prüfung nicht zu bestehen.

Von solchen Fällen wimmelt es bei der Online-Beratung der DGB-Jugend "Doktor Azubi". Unter "www.doktor-azubi.de" können Auszubildende über Missstände in der Ausbildung berichten und erhalten von besonders geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Antworten.

In einem "Schwarzbuch Ausbildung" hat der DGB 77 Fälle zusammengetragen. Darin ist nicht nur von ausbildungsfernen Arbeiten die Rede, sondern auch von ausbleibenden Lohnzahlungen, ausufernden Überstunden sowie von Mobbing, sexueller Belästigung und gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten. So berichtet ein Fahrzeuglackierer, dass er mit krebserregenden Stoffen hantieren muss.

"Es ist erschütternd, mit welchen Fällen wir konfrontiert werden", sagte DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock. "Manche Auszubildende sind fertig." Da wundere es nicht, dass die Abbrecherquote relativ hoch sei. Im Jahr 2003 lag sie bei rund 133.000. Das sind 22 Prozent aller Ausbildungsverträge.

Abgesehen von der persönlichen Betroffenheit, so Ingrid Sehrbrock, dürfe sich ein Land wie Deutschland eine schlechte Ausbildung schon aus Wettbewerbsgründen nicht leisten. "Gut ausgebildete junge Menschen sind die Voraussetzung für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Die dürfen wir nicht verspielen." Die Arbeitgeber seien deshalb dringend aufgefordert, "Missstände zu beseitigen und die Qualität der Ausbildung zu erhöhen".

Sie sehe mit Sorge, was sich die Auszubildenden alles gefallen ließen, sagte Ingrid Sehrbrock. Dafür sei die Angst vor dem Verlust des Ausbildungsplatzes mit verantwortlich und die Schwierigkeit, einen neuen zu finden. Nicht zuletzt deshalb sei es dringend erforderlich, die große Ausbildungslücke zu schließen. "Der Ausbildungspakt hat weder die qualitativen, noch die quantitativen Probleme gelöst", sagte Ingrid Sehrbrock. "Die Arbeitgeber haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht."


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