Top

Ausbildungsaktion



Top

Eine Riesenbewerbung

(Juli 2004)

Eine DGB-Jugend-Ausbildungsaktion vor dem Bundesrat: Bewerbung fürs Leben.

Auch wenn es nichts genützt hat, und das Gesetz für eine Ausbildungsumlage im Bundesrat gescheitert ist: Mit drei mal vier Meter war es wohl größte Bewerbungsschreiben der Republik, dass 14 Schüler des Oberstufenzentrums der Hans-Böckler-Schule in Berlin-Kreuzberg zusammen mit der Gewerkschaftsjugend verfasst hatten. Mitte Juni wurde es vor dem Bundesrat in Berlin präsentiert, bevor es dort um die Ausbildungsumlage ging.

Keiner der Schüler hat bisher einen Ausbildungsplatz gefunden, obwohl sie insgesamt über 200 Bewerbungen geschrieben haben. Mit der Aktion »Riesenbewerbungsschreiben« und einem Brief an den Bundesrat wollten sich die Schüler um »eine Zukunft bewerben«.

So wie Eda Tongo, die eigentlich Polizistin werden will, sich nun aber als Arzthelferin bewirbt, weil die Chancen in diesem Bereich größer sind. Die Deutsche türkischer Abstammung, eine aufgeweckte 17-Jährige, findet es unfair, dass sie trotz vieler Bewerbungen keine Chance erhält. Hauptschüler würden klar benachteiligt, sagt sie, und Ausländer erst recht. Mit einem Kopftuch, das sie selbst nicht trägt, habe man fast überhaupt keine Chance.

Der 17-jährige Kemo will Systemelektroniker werden. Angeboten wurde ihm lediglich ein Ausbildungsplatz als Fahrradmonteur. Außerdem, erzählt er, gebe es die Möglichkeit, Maler zu werden. Frisöre sind auch gefragt, wirft ein anderer Schüler ein. Was aber, wenn jemand Talent zum Elektroniker hat und diesen Beruf leidenschaftlich gerne ausüben will? Soll er dann tatsächlich Maler werden, obwohl ihm das nicht liegt?

Die Höhe der Ausbildungsvergütung, sagt Kemo, spiele dabei keine Rolle. Die Ausbildung müsse Spaß machen. Erst im Job komme es dann auf das Geld an.

Klassenlehrer Werner Zoglauer ist zufrieden mit seinen Schülerinnen und Schülern. »Die haben echt was drauf«. Sie könnten gut mit dem Computer umgehen, hätten technisches Zeichnen gelernt, hätten sogar eine elektronische Uhr gebaut und ihre Sprachkenntnisse seien gut. Das sei nicht überall so, räumt er ein.

Der Lehrer kann nicht nachvollziehen, dass bisher niemand von ihnen einen Ausbildungsplatz erhalten hat. »Die müssen doch eine Chance kriegen«, sagt Zoglauer, »diese jungen Leute sind unsere Zukunft.«

»Das ist eine Vergeudung von Talenten«, sagt Christian Kühbauch, Bundesjugendsekretär des DGB, der die Aktion organisiert hat. »Das sind hoch motivierte Jugendliche, die müssen doch einen Ausbildungsplatz finden.«

Lehrer Zoglauer glaubt deshalb, dass die Ausbildungsumlage kommen muss. »Sonst passiert doch nichts.«

Diese Meinung vertritt auch DGB-Chef Michael Sommer, der während der Aktion anwesend war und sich mit den Jugendlichen unterhielt. Die Zahl der fehlenden Ausbildungsplätze werde immer größer, so Sommer.

Schon jetzt habe der Druck durch die Ausbildungsumlage dazu geführt, dass die Arbeitgeber Angebote gemacht hätten. Diese reichten aber nicht aus. Sommer: »Wir wollen die Ausbildungsumlage im Bundesgesetzblatt und nicht in der Erdumlaufbahn.«

Top

Fotos


Fotodokumentation der DGB-Jugend-Aktion vor dem Bundesrat am Freitag, den 11. Juni 2004, Vergrößerung durch Klick auf Bild, alle Fotos DGB-Jugend)