(Oktober 2004)
Im Februar dieses Jahres hatte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang
Clement (SPD) im »Bericht aus Berlin« zur Ausbildungsplatzsituation
gesagt: Jeder Jugendliche, der keinen Ausbildungsplatz finde, könne ihn
persönlich anrufen.
Der DGB wollte den Bundeswirtschaftsminister darin am 30. September
2004 unterstützen und baute vor dem Wirtschaftsministerium ein
Call-Center auf. Jeder konnte Minister Clement kostenlos anrufen. In
einer Videoinstallation lief in Endlosschleife Clements Aussage: »Jeder
Ausbildungsplatzsuchende kann mich anrufen.«
»Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres stehen noch mehr Jugendliche
ohne Lehrstelle da als in den letzten Jahren«, begründete
DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock die Aktion. »Deshalb müssen wir
die Bundesregierung und die Arbeitgeber offenbar an das Ziel ihres
Ausbildungspaktes erinnern.«
Rund 70 Berliner Schülerinnen und Schüler ohne Ausbildungsplatz
versuchten ihr Glück, den Minister zu erreichen. »Herr Clement kann
jetzt nicht, er hat keine Zeit, wurde mir am Telefon mitgeteilt«,
berichtete der 19-jährige Schüler Hamza Sleiman.
Auch die Schülerin Antonia Rybacki – sie möchte gerne Maskenbildnerin
werden und hat trotz zahlreicher Bewerbungen keine Lehrstelle gefunden
– kam nicht zu Clement durch. »Er hat zwar im Fernsehen gesagt, dass
wir anrufen können. Aber nur wegen der Publicity«, meinte die
16-Jährige.
Außerdem präsentierte der DGB vor dem Haus der Wirtschaft ein
»Riesenzeugnis für den Ausbildungspakt«, den Wirtschaft und
Bundesregierung abgeschlossen haben. Die Noten auf dem drei mal vier
Meter großen Zeugnis waren schlecht. Zahl der Ausbildungsplätze:
ungenügend. Das auswahlfähige Angebot: unzureichend.
Als Nachhilfe wurde den Partnern des Ausbildungspaktes das Lesen des
Gesetzentwurfes über die Einführung einer Ausbildungsumlage empfohlen.
Wer auch nicht mit Wolfgang Clement verbunden werden will, rufe die Telefonnummer 01888/6150 an.