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Ein Anschlag in Berlin
(November 2004)
Reform soll sein, wenn es besser wird – die öffentliche Anhörung des Deutschen Bundestages zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes.
Aus Liebe zur Bildung und in dem Bestreben, diese nach 35 Jahren zu
reformieren« hat die DGB-Jugend am 22. November 2004 den Eingang des
Marie-Elizabeth-Lüders-Haus mit ihren Thesen vernagelt. Der Grund: die
öffentliche Anhörung des Deutschen Bundestages zur Novellierung des
Berufsbildungsgesetzes (BBiG).
Die DGB-Jugend hatte es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Anlass
einen eigenen »BBiG-Reformator« samt zwei Knappinnen zu rekrutieren. 31
Thesen zur Novellierung des BBiG wurden an die Tür geschlagen und unter
Beifall laut verlesen. Ziel dieser Aktion war es, noch einmal auf alle
verantwortlichen Politiker zuzugehen und sie mit den Forderungen und
dem eigenen DGB-Gesetzentwurf zur BBiG-Reform zu konfrontieren.
Drinnen sah es dann so aus: Das duale System müsse an die
Herausforderungen der Zeit angepasst werden, um dem von vielen Experten
mittelfristig befürchteten Fachkräftemangel entgegenzuwirken – so die
Meinung der Sachverständigen. Auf breite Zustimmung stieß dabei die
geplante Internationalisierung der betrieblichen Berufsausbildung,
wonach Teile der Lehre künftig auch im Ausland absolviert werden
können.
Für Professor Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts für Arbeit und
Technik in Gelsenkirchen, war die Frage der »Durchlässigkeit nach oben«
von zentraler Bedeutung. Das deutsche Berufsbildungssystem biete den
Absolventen der dualen Berufsbildung zwar bis jetzt viele Möglichkeiten
des Aufstiegs in Führungstätigkeiten. Allerdings bringe die »Expansion
der Akademisierung« Gefahren mit sich. So könne die mangelnde
Durchlässigkeit des Systems dazu führen, dass die besten Jugendlichen
für das duale System verloren gingen. Zunehmend wichtiger werde auch
die Qualitätssicherung in der Berufsausbildung. Dem schloss sich Klaus
Heimann von der IG Metall an, zuständig für Jugend-, Bildungs- und
Qualifizierungspolitik. Allerdings sei dazu im Gesetzentwurf der
Regierung gar nichts zu finden.
Unterschiedliche Meinungen vertraten die Sachverständigen in der Frage
der von der Opposition vorgeschlagenen und von Zentralverband des
Deutschen Handwerks, Aktionsgemeinschaft Wirtschaftlicher Mittelstand
und Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber unterstützten Forderung
nach einer künftigen Flexibilisierung der Ausbildungsvergütung als
Anreiz – na, für was wohl – zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze.
Diesen von den – wohl noch unter Eindruck der Aktion der DGB-Jugend
stehenden – Arbeitgebern bestimmt gut gemeinten Rat an die
Jugendlichen, die 31 Thesen zuvörderst noch einmal anzunageln, und zwar
an die eigenen Knie, konterte Ingrid Sehrbrock vom DGB-Vorstand: Wenn
die Arbeitgeber niedrigere Vergütungen durchsetzen wollten, müssten sie
dies in den entsprechenden Verhandlungsrunden tun. Im Übrigen sei kein
Zusammenhang zwischen einer niedrigeren Ausbildungsvergütung und der
Entstehung neuer Ausbildungsplätze bekannt.
Vor Jahreswechsel ist in Sachen BBiG indes nicht mehr mit Neuigkeiten
zu rechnen. Und wohl auch nicht, dass sich die Arbeitgeber jemals von
diesem Unsinn verabschieden.
Hier unsere Fotodokumentation (zur Vergrößerung bitte auf Foto klicken, Bild erscheint in neuem Fenster).
Alle Fotos: DGB-Jugend
Verkündung der Thesen

Der BBiG-Reformator: "Wahrlich ich sage euch ...

... das öffentliche Bildungswesen hat die Aufgabe, die Fähigkeit des Einzelnen zu entfalten ..."

Sein Publikum

Seine Knappen
Die Überzeugung

Hier

Und hier

Und hier

Helferpaar 1

Helferpaar 2
Nach der Verkündung

Weitere
Anhänger des Reformators, darunter Ingrid Sehrbrock,
DGB-Vorstandsmitglied, und Christian Kühbauch, Bundesjugendsekretär der
DGB-Jugend

Freude?

Skepsis?
Schließlich: Reformator schlägt die Thesen an die Tür

Mit Hammer

Mit Reißzwecken

Die 31 Thesen auf einen Blick
(
hier eine detailgenaue Kopie des Originals zum Download (PDF-Dokument, 249 KB)

Die Präambel

Präambel und erste Thesen

Das DGB-Jugend-Siegel