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Von wegen billig: Lidl produziert Armut


»Globalisierung buchstabiert sich bei Lidl überall gleich. Es gilt, immer höhere Gewinne durch eine aggressive Billigpreispolitik zu erzielen. Mit seinen Ketten Lidl und Kaufland ist der Schwarz-Konzern inzwischen europaweit führend, was Expansion und Umsatzzuwächse angeht. Mit den Filialen exportiert Lidl immer auch sein System »Billig auf Kosten der Beschäftigten«. Man versucht, Sozialstandards zu unterlaufen und betreibt Dumping gegenüber den Zulieferern. Das verschärft in allen Ländern Europas den ruinösen Wettbewerb im Handel und hat weitreichende Folgen für Beschäftigte, Kunden und die Allgemeinheit.

Die politisch gewollte Liberalisierung von Handels- und Dienstleistungsmärkten befördert diese Entwicklungen zusätzlich. Weltweites Ein- und Verkaufen soll nach dem Wunsch der Politik möglichst schrankenlos und im System Lidl möglichst billig sein. In diesem lassen sich die negativen Folgen der ungebremsten Deregulierung und der steigenden Konkurrenz durch die Ausweitung von Märkten und Filialen besonders deutlich beobachten.

Lidl unterliegt dabei keineswegs einem Konkurrenzdruck aus billigeren Ländern, sondern setzt durch seine Dumping-Politik Negativtrends in ganz Europa. Immer mehr Menschen sind aufgrund ihrer geringen Einkommensverhältnisse darauf angewiesen, bei Lidl oder anderen Billigketten einzukaufen. Zugleich produzieren diese Ketten überall in Europa bei den Beschäftigten und Lieferanten neue Armut. Verantwortungsvolles Handeln gegenüber Verkaufs- und Lagerpersonal, die Wahrung von Grund- und Menschenrechten im Arbeitsalltag, Rücksichtnahme auf die besonderen Belange von Frauen, die Sicherung von Persönlichkeitsrechten, freie gewerkschaftliche Organisierung und betriebliche Interessenvertretung – das alles passt nicht zum System Lidl. International geltende Rechte und menschenwürdige Arbeitsbedingungen müssen an vielen Orten überhaupt erst durchgesetzt werden.

Denn es geht auch anders. Wenn Beschäftigte mit ihrer Gewerkschaft, wenn interessierte Kunden und verantwortungsbewusste Menschen deutlich und nachhaltig soziale und ökologische Verantwortung einfordern, ändert Lidl sein Verhalten positiv.

Dafür gibt es Beispiele. In ganz Europa ist dafür aber noch ein sehr langer Weg zurückzulegen.

Frank Bsirske/Margret Mönig-Raane im »Schwarzbuch Lidl Europa«


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Auszug »Schwarzbuch Lidl Europa«)