»Gute Arbeit« macht nicht krank. Marco Frank, politischer Referent bei der DGB-Jugend, zur Novelle des Jugendarbeitsschutzes.
Wir verbinden mit »guter Arbeit« auch umfassenden Arbeitsschutz, eine
faire Bezahlung und aktive Partizipation am Arbeitsleben mit
demokratischen Strukturen und Mitbestimmung.« Dieses Statement stammt
nicht aus Gewerkschaftskreisen, sondern aus dem Bundesministerium für
Arbeit und Soziales – und konkret aus dem Munde des Parlamentarischen
Staatssekretärs Gerd Andres (SPD).
Das sollte auch für den Jugendarbeitsschutz gelten, an dessen
Novellierung eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe seit September 2006
arbeitet. Denn in Deutschland betrifft nahezu jeder fünfte
Arbeitsunfall (19,6 Prozent) die 15- bis 24-Jährigen. Im Jahr 2004
wurden mehr als 165.000 meldepflichtige Unfälle in dieser Altersgruppe
registriert.
Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) geht auf die besonderen
Belange von Jugendlichen ein und regelt auch Pausen- und Arbeitszeiten
sowie ausreichende Nachtruhezeiten.
Unabhängig von allen gegenteiligen Beteuerungen zeigt aber die
Diskussion schon jetzt, dass entscheidende Verschlechterungen zu
befürchten sind. So sollen Jugendliche bis in den späten Abend arbeiten
dürfen (bis 22 statt bisher 20 Uhr) und Jugendliche in Bäckereien
künftig bereits um vier statt um fünf Uhr mit der Arbeit beginnen. Das
diene der »Annäherung an das veränderte Freizeitverhalten von
Jugendlichen und der Anpassung an betriebliche Erfordernisse«, lautet
die Argumentation.
Auch die Öffnung für Wochenendarbeit steht zur Debatte. Dabei spielt
die Frage nach zusätzlichen Ausbildungsplätzen vor dem Hintergrund der
katastrophalen Situation auf dem Lehrstellenmarkt eine zentrale Rolle.
Die Arbeitgeber behaupten, der gesetzliche Schutz sei ein
Ausbildungshemmnis. Frei nach dem Motto: »Lockert das JArbSchG, dann
helfen wir euch bei der Ausbildungsplatzmisere« treiben die Verbände
hier Lobbypolitik auf dem Rücken der Jugendlichen.
Die Entscheidung, mehr auszubilden, darf jedoch nicht auf Kosten von
Gesundheit und Sicherheit der Auszubildenden gehen. Dies gilt besonders
vor dem Hintergrund, dass es heute schon Branchen gibt, die über Bedarf
ausbilden, weil sie davon ausgehen müssen, dass die schlechten
Arbeitsbedingungen bis zu 40 Prozent der Azubis zwingen, abzubrechen.
Zudem: Die erhebliche Lockerung des Jugendarbeitsschutzes in den
vergangenen Jahren hat gerade nicht dazu geführt, dass die Wirtschaft
mehr Ausbildungsplätze geschaffen hat: Das Angebot schrumpfte seit 1996
von 609.274 auf nur noch 562.816 Lehrstellen.
Die JarbSchG-Kampagne der DGB-Jugend: www.haendeweg.net.ms
(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Marco Frank, politischer Referent bei der DGB-Jugend)