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Perspektive: Tarif


Prekäre Arbeit ist selbst in der deutschen Metallindustrie eine Bedrohung: Jeder vierte Arbeitnehmer unter 30 Jahren ist prekär beschäftigt. Die IG Metall kontert mit dem Projekt »Gute Arbeit«.

Rente mit 67? Ein Fall für den »Arbeitszeit-TÜV«. Überstunden bei der Lebensarbeitszeit landen beim IG Metall-Projekt »Gute Arbeit«. Dort werden aber auch viele Beispiele aus der betrieblichen Praxis gesammelt, wie man mit der Arbeit vernünftig umgehen kann.

Der Name »Gute Arbeit« bedeutet, dass Arbeit die Gesundheit und Lebensqualität nicht zerstört, sondern fördert, dass jeder seine Fähigkeiten einbringen und weiter entwickeln kann.

Die Themen gehen dem »Gute Arbeit«-Team um Projektleiter Klaus Pickshaus so bald nicht aus. Der neueste Trend in der Metall- und Elektrobranche trifft die Jugend: Leiharbeit, befristete Arbeitsverhältnisse und Mini-Jobs haben in der deutschen Metallindustrie erheblich zugenommen. Allein der Anteil an Leiharbeit hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Und: Der Berufsstart auf Raten wird auch für Metaller zum Normalfall. 40 Prozent der Berufsanfänger unter 20 Jahren haben befristete Arbeitsverträge – Azubis nicht einbezogen. Von allen befristet Beschäftigten sind rund 60 Prozent unter 30 Jahre alt und knapp ein Drittel zwischen 30 und 50 Jahren. Dies geht aus der Studie »Prekäre Beschäftigung. Neue Herausforderungen und Handlungsstrategien für die Interessenvertretung« hervor, die Pickshaus beim Vorstand der IG Metall vorgelegt hat.

60 Prozent der Leiharbeitnehmer im Metallbereich verdienen weniger als 1.500 Euro und können unter solchen Umständen nicht auf ein langfristig existenzsicherndes Einkommen bauen. Schon 25 Prozent der Unter-30-jährigen sind prekär beschäftigt. »Die kennen gar keine stabilen Verhältnisse«, sagt Pickshaus.

Um das zu ändern, setzt die IG Metall auf Arbeitszeitkonten und festgeschriebene Leiharbeitsquoten – und packt bei konkreten Problemen an.

Wie kann Abhilfe geschaffen werden? Über den Autobauer Audi heißt es in der Studie: »Container über Container, Stockbett über Stockbett, immer zu zweit in einer Blechbüchse, vier Mann teilen sich eine Waschgelegenheit – zeitweise lebten 300 Leiharbeiter von Adecco in dem Containerdorf, nicht weit weg vom Werksgelände von Audi, wo die jungen Männer aus den neuen Bundesländern eingesetzt waren. Sie waren froh über die Arbeit, aber unzufrieden mit der Unterbringung.«

Die IG Metall Ingolstadt nahm das zum Anlass, die Gründung einer Tarifkommission anzustoßen. Ziel: ein Tarifvertrag, der die Unterbringung ebenso regelt wie Auslöse und Heimfahrten.

Als die Adecco-Zentrale versuchte, die Verhandlungen zu blockieren, waren schon etwa 70 Prozent der Leiharbeiter in die IG Metall eingetreten und auch bereit für einen Warnstreik. Der Arbeiterverleih lenkte ein, und auch die Tarifverhandlungen waren erfolgreich: Das Einkommen der Leiharbeiter entsprach nun der Höhe des Facharbeiterecklohns in Bayern.

Der Fall umreißt das generelle Vorgehen der Gewerkschaft: Per Abgabe sollen Zeit- und Leiharbeit verteuert und per Regulierung Leiharbeiter den Festangestellten gleichgestellt werden. Um ihre Aktivitäten zu bündeln, hat die IG Metall – neben dem Projekt »Gute Arbeit« – die Internetseite »Zoom« als Plattform für Zeitarbeiter ins Netz gestellt. Und in Nordrhein-Westfalen startete sie die Aktion »Younite« speziell für Jugendliche: Dort bieten Gewerkschafter ihre Hilfe für junge Leute in Berufsschulen und Kleinbetrieben an.

Projekt »Gute Arbeit«: www.igmetall.de/gutearbeit

IG Metall-Initiative Zeitarbeit: www.igmetall-zoom.de

IG Metall-Initiative »Younite«: www.younite-nrw.de


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Soli aktuell)