Top

Mehr Schutz für Seeleute


Was bringen internationale Kooperationen? Eine Menge, zeigt der erfolgreiche Kampf der Transportarbeiterföderation für die Grundrechte von Seeleuten.

Die weltweit rund 1,2 Millionen Seeleute können künftig mit deutlich mehr Schutz für sich und ihre Familien rechnen. Das ist das Ergebnis eines jahrelangen Kampfes der Seeleute-Gewerkschaft in der internationalen Transportarbeiter-Föderation und der Kampagne gegen Billigflaggen. Festgehalten sind die entsprechenden Regelungen im so genannten Seearbeitsübereinkommen, dass für alle Seeleute auf international fahrenden Schiffen mit mehr als 500 Bruttoregistertonnen gilt. Verabschiedet wurde es im Februar 2006 auf der Seeschifffahrtstagung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf von Vertretern von Seeschifffahrtsgewerkschaften und Regierungen aus über hundert Ländern. Das Übereinkommen ist das erste international gültige Instrument, das Arbeits- und Lebensbedingungen auf Seeschiffen und in den Häfen umfassend reguliert.

Auf über 100 Seiten regelt die so genannte Bill of Rights die Arbeits- und Lebensbedingungen auf Seeschiffen und in den Häfen. Grundlage sind die schon zuvor bestehenden 68 internationalen Arbeitsnormen für Seefahrer, die so weiter entwickelt wurden, dass sie keine Schlupflöcher mehr bieten.

Konkret geht es dabei um Gesundheits- und Arbeitsschutz, Unterkunft, Verpflegung, Heimbringung, soziale Sicherheit, Verfahren zur Behandlung von Beschwerden von Seeleuten, Beschäftigungsverträge, tarifliche Mindestbedingungen und berufliche Qualifikation.

Das Übereinkommen tritt in Kraft, sobald es von Ländern, die mindestens ein Drittel der weltweiten Bruttoregistertonnage repräsentieren, ratifiziert worden ist – eine Menge, die die 27 EU-Mitglieder allein bereits erreichen.

»Wir haben eine Konvention beschlossen, die Kontinente und Ozeane umfasst und eine Charta der Arbeitnehmerrechte für 1,2 Millionen Seefahrer darstellt«, sagt ILO-Generaldirektor Juan Somavia. »Wir haben damit sozialökonomische Mindeststandards für den Wettbewerb in der Schifffahrtsbranche geschaffen, die 90 Prozent des Welthandels abwickelt.«

Die Verantwortung aller Mitgliedsstaaten besteht nun darin, zügig dieses internationale Regelwerk der Sozial- und Arbeitsrechte zu ratifizieren.

Wenn die Richtlinie in zwei bis drei Jahren in Kraft tritt, werden vor allen Dingen die schwarzen Schafe kontrolliert werden. In Zukunft wird es möglich sein, Schiffe in den Häfen festzuhalten, wenn sie den Regeln nicht entsprechen.

Die oft von den Arbeitgebern geäußerte Behauptung, dass weniger Regulierung der Globalisierung vorteilhafter wäre, widerlegt der Weltdachverband der Reeder. Dieser hat sich vehement für die Einführung der Konvention eingesetzt – gegen den Willen des Internationalen Arbeitgeberverbandes.


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Bianca Kühl, politische Referentin des DGB für europäische und internationale Sozialpolitik)