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Lexikon der Globalisierung


Glossar: Die wichtigsten Abkürzungen.


Attac

Attac versteht sich als Netzwerk, in dem sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen, die der Globalisierung kritisch gegenüber stehen, aktiv sein können. In Deutschland gehören zirka 150 Organisationen Attac an, darunter Gewerkschaftsverbände, BUND, Pax Christi und viele entwicklungspolitische und kapitalismuskritische Gruppen.

Das Netzwerk grenzt sich gegen »Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus und verwandte Ideologien« ab sowie gegen wirtschaftlichen Neoliberalismus. Ursprünglich kommt die Idee für Attac aus Frankreich, wo sich das Netzwerk 1998 unter dem Titel »Association pour une Taxation des Transactions financières pour l’Aide aux Citoyens«, auf Deutsch: »Verein für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Bürger« gründete. Die Einführung der so genannten Tobin-Tax ist immer noch eine wesentliche Forderung von Attac, inzwischen sind aber viele weitere Themenfelder hinzugekommen: Internationale Steuern, Fairer Handel statt Freihandel, Sicherstellung der Sozialsysteme und der öffentlichen Daseinsvorsorge, Abschaffung von Steueroasen, Globalisierung und Ökologie und Konsum- und Konzernkritik.


GATT – Ungleicher Handel

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT (General Agreement on Tarifs an Trade) verfolgt seit 1947 das Ziel, alle Handelsschranken abzubauen. Das waren in der Vergangenheit vor allem Zollbestimmungen. Doch inzwischen greift das GATT auch nationale Bestimmungen für den Umwelt- und Gesundheitsschutz als Handelshemmnisse an. Die USA zum Beispiel halten Hormon-Fleisch für selbstverständlich. Als die EU wegen gesundheitlich bedenklicher Folgen dessen Einfuhr verbieten wollte, war das angeblich ein Verstoß gegen die Grundsätze des ungehinderten Handels. Über unterschiedliche Auffassungen wie die zwischen den USA und der EU entscheidet ein Streitbeilegungsorgan, dem nur Fachleute für Handelsrechtsfragen angehören. Fachleute für Umwelt- und Gesundheitsprobleme finden ebensowenig Gehör wie internationale Organisationen, die in diesen Bereichen arbeiten.


GATS – Die Privatisierungsbibel

Das GATS (General Agreement on Trade in Services) ist das GATT für Dienstleistungen und betrifft den Handel mit Dienstleistungen aus den Bereichen Tourismus, Banken und Versicherungen, Medienrechte, Telekommunikation, Transport. Doch auch große Teile des öffentlichen Dienstes und sozialer Sicherungssysteme sollen ins GATS-Korsett. Dahinter steht die Vorstellung, nichtkommerzielle Dienstleistungsangebote seien eine Beschränkung des freien Marktes. Öffentlich-rechtliche Medien, solidarische Sozialsysteme wie Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung wären in diesem Sinne systemwidrig und müssten reformiert, wenn nicht privatisiert werden. Außerdem legt das GATS fest, dass Regierungen für bestimmte Branchen auch ausländischen Anbietern den Marktzugang ermöglichen müssen – ein breites Einfallstor für transnationale Konzerne, vor allem in Ländern des Südens einheimische Märkte zu stören, die der Selbstversorgung der Bevölkerung dienen.


IGB – Der Internationale Gewerkschaftsbund

Der Internationale Gewerkschaftsbund (engl.: International Trade Union Confederation, ITUC) ist ein internationaler Gewerkschaftsdachverband mit Sitz in Brüssel. Der Gründungskongress fand vom 1. bis 3. November 2006 statt. Zuvor war die internationale Gewerkschaftsbewegung vor allem von den beiden großen demokratischen Organisationen Internationaler Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) und Weltverband der Arbeitnehmer (WVA) geprägt worden. Um den neuen Herausforderungen im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft wirksamer begegnen zu können, haben sich die beiden Verbände sowie acht bisher keinem internationalen Dachverband angeschlossene Gewerkschaften nun zu einer gemeinsamen und schlagkräftigeren Organisation zusammengeschlossen. Dem IGB gehören zur Zeit 306 Gewerkschaften aus 154 Ländern mit rund 168 Millionen Mitgliedern an. Darunter ist auch der Deutsche Gewerkschaftsbund mit knapp sieben Millionen, und der Österreichische Gewerkschaftsbund mit ca. 1,4 Millionen Mitgliedern. IGB-Generalsekretär ist der Brite Guy Ryder. Zur Präsidentin wurde auf dem Gründungskongress Sharan Burrow, Vorsitzende des australischen Gewerkschaftsbundes ACTU, gewählt. Erster Stellvertretender Vorsitzender ist der DGB-Vorsitzende Michael Sommer.

Bereits von 1901 bis zu seiner Auflösung 1945 existierte der Internationale Gewerkschaftsbund als internationaler Dachverband der Freien Gewerkschaften.


ILO – Der Runde Tisch

Die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organization) in Genf war die erste UNO-Sonderorganisation und ist seit 1969 Trägerin des Friedensnobelpreises. Alle ILO-Gremien sind besetzt von Vertretern von Regierungen, Arbeitgebern und Gewerkschaften im Verhältnis 2:1:1. Die ILO geht davon aus, dass »der Weltfriede auf Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden kann«. Die Organisation will deshalb Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, Arbeitsbedingungen verbessern, eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums erreichen und weltweit soziale Mindestregeln durchsetzen. Dazu gehören das Recht zur Gründung von Gewerkschaften und das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit. Problematisch ist, dass die ILO keine Möglichkeiten hat, ihre Normen verbindlich durchzusetzen.


IWF – Die Nebenregierung

Der Internationale Währungsfonds (engl.: International Monetary Fund, IMF) wurde ursprünglich eingerichtet, um die Stabilität der Wechselkurse zu fördern. Er sitzt in Washington und hat 182 Mitgliedsländer. Die Gewichtung der Stimmrechte sichert so gut wie immer eine Mehrheit für die fünf stärksten Mitglieder, nämlich die USA, Deutschland, Japan, Frankreich und Großbritannien. Die Länder zahlen Mitgliedsbeiträge und können sich im Gegenzug beim IWF Kredite verschaffen. Allerdings gewährt er diese nur gegen harte Auflagen, so genannte Strukturanpassungsprogramme für die Politik der Empfängerländer. Dieses Diktat hat immer wieder zu Protesten der Bevölkerung der betroffenen Länder gegen die undemokratische »Nebenregierung« des IWF geführt (jüngstes Beispiel ist Argentinien). Inzwischen mehren sich auch in der offiziellen Politik Zweifel, ob die IWF-Politik die richtige ist.


OECD – Die Reichen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development) mit Sitz in Paris ist der Zusammenschluss der 29 reichsten Staaten der Erde. Sie ist faktisch die wichtigste internationale Organisation zur Abstimmung der Wirtschaftspolitik in den westlichen Ländern. Teilweise hat sie eine Vorreiterrolle für das GATT zur Durchsetzung von Deregulierung, Liberalisierung, Privatisierung. Einfluss hat die OECD vor allem mit ihren jährlichen Berichten, die regelmäßig Flexibilisierung, also die weitere Abschaffung von Arbeitnehmerrechten fordern. Der OECD verbunden sind Organisationen wie die Atomenergie-Agentur oder die Internationale Energie-Agentur, die Notstandsmaßnahmen für den Fall einer Ölkrise plant.


TRIPS – Patent auf Leben?

Hierbei handelt es sich um ein Abkommen, das den Handel mit geistigem Eigentum regelt (Trade Related Aspects of Intellectual Property Rights). Die Industrieländer haben das Abkommen als Teil der WTO durchgesetzt. TRIPS betrifft unter anderem Saatgut und Nutztiere, die internationale Konzerne durch Züchtungen oder Gen-Manipulation verändert und sich dann patentieren lassen haben. So brauchen Bauern nun für die schlichte Produktion von Nahrungsmitteln kostenpflichtige Genehmigungen der neuen Rechte-Inhaber. Das gilt selbst dann, wenn Konzerne sich im wesentlichen nur traditionelle Pflanzensorten oder Tierrassen haben schützen lassen. Beim TRIPS geht es auch um Patente, Design, Computerprogramme, Musikstücke und Literatur. Auch deren Nutzung zahlt sich meistens mehr für Konzerne als für die ErfinderInnen, ProgrammiererInnen, KomponistInnen, SchriftstellerInnen und JournalistInnen aus. Diese werden zum Teil sogar widerrechtlich enteignet.


UNO – Die Weltregierung

Den Vereinten Nationen (United Nations Organisation) gehören alle Staaten dieser Erde an außer der Schweiz (noch nicht!), dem Vatikan und dem international nicht anerkannten Taiwan. Ihre Grundsätze hat die UNO in ihrer Charta verankert. Ziele sind vor allem, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu bewahren und Menschenrechte und Grundfreiheiten zu schützen. Unterstützung erfährt die UNO-Arbeit durch 14 eigene Sonderorganisationen wie die ILO und die Weltgesundheitsorganisation WHO. Entscheidendes Gremium ist der Sicherheitsrat mit 15 Mitgliedern. Dessen ständige Mitglieder sind die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China. Sie können mit ihrem Einspruch Mehrheitsentscheidungen verhindern. Von dieser Möglichkeit haben vor allem die USA ausgiebig Gebrauch gemacht. Die USA schränkten die UNO-Handlungsmöglichkeiten wesentlich dadurch ein, dass sie ihre Beiträge für die Organisation (25 Prozent des gesamten UNO-Haushalts) zurückhielten.


Weltbank – Schulden für Schulden

Die in Washington ansässige Weltbank umfasst vier selbstständige Organisationen mit einem gemeinsamen Präsidenten. Eine ist die IDA (Internationale Entwicklungsorganisation), die wichtigste überstaatliche Quelle von Krediten für die nicht umfassend industrialisierten Staaten. Größte Kreditempfänger sind Indien und China. Ähnlich wie im IWF beherrschen die fünf stärksten Industrieländer auch die Weltbankorganisationen. Diese vergeben nur wenige Kredite zinslos, die meisten zu kommerziellen Bedingungen. Die Gelder fließen oft in zweifelhafte Entwicklungsprojekte, zu denen zum Beispiel Riesenstaudämme in Indien gehören, auch wenn diese Umweltzerstörung und massenhafte Vertreibung für die einheimische Bevölkerung bedeuten. Eine der Weltbankeinheiten sichert direkte Kapitalanlagen internationaler Konzerne in den Ländern gegen Verluste ab, deren Regierungen oder Parlamente die Möglichkeiten zur Profitausfuhr begrenzen wollen. 40 Prozent ihrer Kredite vergibt die Weltbank, damit die Empfängerländer ihre Schulden bei anderen Kreditgebern bezahlen können.


WTO – Die Propagandistin des Freihandels

Die Welthandelsorganisation WTO (World Trade Organization) ist die Institution, die völkerrechtlich verbindliche Regeln für den internationalen Handelsverkehr schafft. Ihr Sitz ist Genf. Sie hat 142 Mitglieder, darunter die Europäische Union. Auf dem Papier sind alle gleichberechtigt. Doch in Wirklichkeit fehlen den Ländern des Südens Geld und Fachleute, um den Interessen der Menschen aus ihren Ländern in der Zentrale und bei den Verhandlungen Geltung verschaffen zu können. Die Hauptkritik an der WTO richtet sich gegen ihre hemmungslose Propaganda eines totalen Freihandels, von dem auch Nahrungsmittel oder Patente auf Erbgut nicht ausgenommen werden. Konkret kann das so aussehen, dass kranke Menschen keine überlebenswichtigen Arzneimittel erhalten, weil Konzerne keine Zugeständnisse bei Patentrechten machen und deshalb den billigen Nachbau von Medikamenten verbieten. Wichtigste Mittel der WTO sind drei Abkommen: GATT, GATS und TRIPS. Deren uneingeschränkte Anerkennung ist Voraussetzung für die WTO-Mitgliedschaft.


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Soli aktuell)