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Internationale kooperation: Netzwerke als Strategie


Der Aufbau von Netzwerken ist ein wichtiges Ziel weltweiter gewerkschaftlicher Arbeit. Dabei ist das multinationale Unternehmen eine Plattform des gewerkschaftlichen Handelns.

Am schwierigsten sind Kontakte der Unternehmensstandorte über Ländergrenzen hinweg. Nur in Europa existiert mit den Europäischen Betriebsräten eine länderübergreifende gesetzliche Institution für die Arbeitnehmervertreter multinationaler Unternehmen. Doch auch im Bereich der chemischen Industrie gibt es mit dem BASF-Südamerika-Netzwerk und dem BASF-Asien-Netzwerk schon die ersten länderübergreifenden Gremien. Im Rahmen dieser Netzwerke findet der soziale Dialog mit dem deutschen Unternehmensvorstand statt.

Im letzten Jahr konnten Mitglieder des Südamerika-Netzwerkes in Buenos Aires mit Vertretern des Ludwigshafener Unternehmensvorstandes, des deutschen Aufsichtsrates und des lokalen Managements über die Situation in Südamerika und auch die globale Strategie des Unternehmens diskutieren. Neben den Delegierten des südamerikanischen Netzwerkes nahmen Vertreter der ICEM als internationale Föderation von Chemie-, Energie-, Bergbau- und Fabrikarbeitergewerkschaften, der IG BCE und Betriebsräte aus Ludwigshafen teil. Solche Gespräche dienen dem Aufbau einer Vertrauenskultur und einer Struktur, in der sich Interessenkonflikte besser regeln lassen.

Allerdings ist eine erfolgreiche Netzwerkbildung von vielen Faktoren und Akteuren abhängig. Zum einen ist das die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen. Nur wenn die deutschen Unternehmenszentralen den Prozess unterstützen und auf das lokale Management in den jeweiligen Ländern Einfluss nehmen, bestehen Chancen für ein Netzwerk. Das deutsche System der Mitbestimmung ist hier wegen der Kontakte von Kapitalseite und Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat sehr förderlich.

Zum anderen bedarf es auch des koordinierten Handelns der Vertreter der Arbeitnehmerseite, bestehend aus den deutschen Gewerkschaften, Betriebsräten und den internationalen gewerkschaftlichen Föderationen.

Die wichtigsten Akteure aber sind die jeweiligen Gewerkschaften vor Ort. Gerade in Ländern, in denen die Gewerkschaftsbewegung stark zersplittert ist, kann es zu ideologischen Konflikten kommen, die ein Netzwerk leicht scheitern lassen. Beispiele gibt es aus Brasilien, wo ca. 16.000 (!) lokale Gewerkschaften existieren. Eine gemeinsame gewerkschaftliche Strategie und Kooperation ist auch dort die notwendige Voraussetzung erfolgreichen Handelns.


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Michael Linnartz, IG BCE)