Wie
kommt man als Gewerkschaft an die Menschen ran, wenn Jobs immer
prekärer werden? Der Trend ist auch in Deutschland längst nicht mehr
neu. Deshalb heißt es bei der Gewerkschaftsjugend: Ran an die Leute,
sehen, wo die Probleme sind - nach dem Motto: neue Zielgruppe, neuer
Service. Dazu gehört ein Projekt, das in den letzten Jahren sehr
erfolgreich war: »Students at work«.
Angefangen hatte es mit einer Beratungshomepage für erwerbstätige
Studierende. Zwei von drei Studierenden müssen neben dem Studium
jobben, um sich den Lebensunterhalt und nun auch noch die
Studiengebühren zu finanzieren.
Dabei sind sie aber oft nicht lange genug in einem Betrieb, um sich
richtig zugehörig zu fühlen – oder sie arbeiten gleich in Firmen oder
Kneipen, in denen es keinen Betriebsrat gibt. Für Fragen zum Gehalt,
zum Urlaub, zu einer Kündigung oder dem Arbeitsvertrag fehlt da meist
der Ansprechpartner. Ebenso für Anregungen, wo man sich für ein
Stipendium bewirbt – und für die Themen Praktika und Studiengebühren.
Zur Homepage kamen bald Projekte an den Unis.
Der Teilbereich Praktikum legte eine ganz eigene Karriere hin und wurde
ein Schwerpunkt der Arbeit der Gewerkschaftsjugend. Mit Kampagnen wie
»Bewerte dein Praktikum«, einem Maßnahmenkatalog für umfassenden Schutz
von Praktikanten, und zuletzt der ersten repräsentativen Studie zu
Praktika von Hochschulabsolventen entwickelte sich ein guter Zugang zu
einer neuen und sehr großen Zielgruppe.
Ähnlich innovative Ansätze gibt es auch im Bereich der Ausbildung. Das
Online-Forum »Dr. Azubi«, wo sich Azubis untereinander austauschen oder
von gewerkschaftlichen Experten beraten lassen können, hat zu einer
sehr direkten Vernetzung geführt. Viele Auszubildende sind unzureichend
über ihre Rechte informiert. Bei Ärger am Arbeitsplatz können sie sich
an »Dr. Azubi« wenden. Ein Ergebnis war auch das »Schwarzbuch
Ausbildung« – ein Medienschlager.
»Zielgruppe ist die Jugend insgesamt«, sagt DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf. Jede Menge Potenzial also.
www.students-at-work.de
www.dr-azubi.de
(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Soli aktuell)