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G8 und die Gewerkschaften


2007 fallen die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und der Weltwirtschaftsgipfel zusammen. Die deutschen Gewerkschaften sind entschlossen, diese Chance zu nutzen.

Die Gewerkschaften haben erkannt, dass die Globalisierung nicht nur für die Menschen in den ärmeren Ländern Gefahren bedeutet, sondern auch die Löhne und Sozialversicherungssysteme in den entwickelten Ländern unter Druck setzt. Die Arbeitnehmer werden von transnational agierenden Konzernen gegeneinander ausgespielt. Gleichzeitig unternehmen die nationalen Regierungen Anstrengungen, um den Konzernen und Finanzinvestoren ihre Heimatmärkte weiter zu öffnen und die Liberalisierung voranzutreiben.

Die internationale Gewerkschaftsbewegung wie auch der DGB weisen bereits seit einiger Zeit auf diese verhängnisvollen Entwicklungen hin. Wenn die Bundesregierung bei dem Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm nun den »Abbau globaler Ungleichgewichte« sowie die »Ausgestaltung der globalisierten Weltwirtschaft und die Entwicklung Afrikas« in den Mittelpunkt stellen will, begrüßen wir dies ausdrücklich.

Allerdings ist es bei früheren Gipfeln bei allen Themen rund um die soziale Dimension der Globalisierung häufig bei Lippenbekenntnissen geblieben. Bei den harten Themen wie Investitionsfreiheit und Zugang zu den Märkten gab es dagegen ganz konkrete Vereinbarungen: Bisher können z.B. alle möglichen Verstöße gegen die Liberalisierung der Märkte durch die Welthandelsorganisation (WTO) sanktioniert werden. Für soziale oder ökologische Standards gilt dies nicht.

Die Gewerkschaften erwarten von den Staats- und Regierungschefs, dass sie sich daran erinnern, für wen sie sprechen und von wem sie gewählt worden sind. Ihre demokratische Legitimation haben sie nicht von den international agierenden Konzernen und Finanzdienstleistern, sondern von den Arbeitnehmern und den Bürgerinnen und Bürgern ihrer Länder. Deren Interessen gilt es zu schützen und zu wahren.

Für die deutschen Gewerkschaften bedeutet dies, dass wir mit konkreten Vorschlägen Einfluss auf die G 8-Agenda der Bundesregierung nehmen wollen. Ein zentraler Punkt: die soziale Gestaltung des Welthandelssystems. Der DGB tritt gemeinsam mit dem neugegründeten Internationalen Bund der Gewerkschaften (IGB) für eine grundlegende Veränderung der WTO ein. Die WTO muss, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Achtung der Kernarbeitsnormen in ihrem Handelsregime sicherstellen.

Der moderne Finanzkapitalismus hat die ökonomische Krise nicht nur nicht behoben, sondern auch schwere Härten für die Arbeitnehmer gebracht. Kurzfristige Finanzspekulationen über Hedge Fonds und Private Equity Fonds haben gut funktionierende Unternehmen kaputtgemacht und Arbeitsplätze vernichtet. Der DGB wird Vorschläge einbringen, wie man Transparenz und Kontrolle der internationalen Finanzmärkte erhöhen kann.


Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen sprechen von der »allgemeinen Achtung der Menschenrechte bei der Arbeit«. Für den DGB sind diese Leitsätze ein wichtiges Instrument zur Förderung von Unternehmensverantwortung. Wir setzen uns aber auch für eine Verbesserung ihrer praktischen Handhabung und für eine höhere Verbindlichkeit und Kontrolle ein. Die Achtung dieser Leitsätze muss zur bindenden Auflage für Unternehmen werden, die staatliche Hilfe, Exportkredite und Investitionsgarantien beanspruchen.

Der DGB wird sich mit öffentlichen Veranstaltungen und Aktionen einmischen und Vorschläge für eine grundlegende Veränderung und eine soziale Gestaltung der Globalisierung machen. Im Mai stehen hierzu die Sozialpartnerkonsultationen mit den G 8-Arbeitsministern an, und kurz vor dem Gipfel in Heiligendamm wird es ein Treffen von Angela Merkel mit Gewerkschaftsvorsitzenden der Gipfel-Länder geben.

Der G 8-Gipfel ist mehr als eine reine Show-Veranstaltung. Hier werden alle wichtigen multilateralen Vereinbarungen besprochen und zentrale Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen. Um so mehr erwarten wir, dass unsere Initiativen auch zu konkreten Maßnahmen führen. Lippenbekenntnisse haben wir genug gehört.


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Michael Sommer, Vorsitzender des DGB)