Top

Frauen in der Globalisierung


Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück

Für die Emanzipation und Gleichberechtigung von Frauen ist die Globalisierung eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits ist ihr Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt überall gestiegen, und sie verdienen auch besser als in der Vergangenheit. Andererseits sind diese Fortschritte, die es sowohl in den Industrieländern – hier schon seit den sechziger Jahren – als auch in den Entwicklungsländern gibt, hart erkämpft.

Damit stehen sie ständig unter dem Vorbehalt, auch wieder rückgängig gemacht zu werden. Zugleich ist der Prozess längst nicht überall gleich weit gediehen.
So heißt es im »Atlas der Globalisierung«, den die Zeitschrift »Le Monde Diplomatique« herausgebracht hat: »Auch innerhalb einzelner Länder, zwischen Stadt und Land sowie zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen bestehen Unterschiede. Die in Armut abseits der Zentren lebenden Frauen gehen nach wie vor nicht zur Schule, sind Analphabetinnen und haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln oder medizinischer Versorgung.«

Die vorherrschende Wirtschaftspolitik, wie sie auch innerhalb der Welthandelsorganisation und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) propagiert wird, lässt nicht viel Gutes erwarten: Privatisierung und Sozialabbau in den Industrieländern trifft Frauen an erster Stelle, weil Kinderbetreuung, Altenpflege und andere Reproduktionsarbeiten in die Familien zurückverlagert werden. Dort werden sie vor allem von den Frauen übernommen, die dann entweder mit der doppelten Belastung Erwerbsarbeit und Familienarbeit klar kommen müssen oder aus dem Erwerbsmarkt ausscheiden.

Auch die Rentenreformen in vielen europäischen Ländern verschärfen die ohnehin vorhandenen Ungleichgewichte zwischen Männern und Frauen. Niedrigere Bezahlung und häufigere Teilzeitarbeit führen zu niedrigeren Renten und entsprechender Armut im Alter.

Zunehmende Armut gibt es auch in Osteuropa. Immer mehr Frauen suchen ihr Heil deshalb im westlichen Ausland, werden Opfer von Schlepperbanden oder zur Prostitution gezwungen. Viele arbeiten weit unterhalb ihrer Qualifikation, oft in Privathaushalten, wo es schwer für sie ist, ihre Rechte durchzusetzen.

In den Entwicklungsländern führen so genannte Strukturanpassungsprogramme von IWF und Weltbank dazu, dass Schulen und medizinische Versorgung privatisiert werden und dann Geld kosten. Auch hier sind die Mädchen und Frauen die ersten, die auf Behandlung und Bildung verzichten müssen – und damit auch auf die Chance, über Arbeiten im informellen Sektor hinauszukommen. Drei Fünftel der 115 Mio. Kinder auf der Welt, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen. Und zwei Drittel der 876 Mio. Erwachsenen, die weder lesen noch schreiben können, sind Frauen.



(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Soli aktuell)