Top

Ein exklusiver Klub


G 8 – das ist eine informelle Vereinigung der größten Industriemächte, die wichtige weltpolitische Entscheidungen trifft.

Wer sind die G 8?

G 8 heißt »Die Großen 8« bzw. »Mitglieder der Gruppe der 8«. Sie sind ein informeller Zusammenschluss der »wichtigsten Industriestaaten«, wie sich die beteiligten Länder selbst nennen. Das ist auch insofern richtig, als diese Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland und die USA) momentan zusammengenommen etwa 65 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, also der Summe aller weltweit produzierten Waren und Dienstleistungen, erwirtschaften. Den größten Anteil haben die USA mit 29 Prozent vor Japan mit zwölf und Deutschland mit sieben Prozent. Die jährlichen Treffen der G 8 werden deshalb auch Weltwirtschaftsgipfel genannt.


Warum entstanden die G 8?

Die Gründung der damaligen G 6 (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien) war eine Reaktion auf die Ölkrise Anfang der siebziger Jahre, die zu einer Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit führte, und den Zusammenbruch des Währungssystems Bretton Woods. Die Idee von Bretton Woods war, alle großen Währungen der Welt in einem festen Wechselkurssystem zu verankern. Ständig schwankende Kurse verursachen Unsicherheiten und Stabilitätsrisiken, die für den Außenhandel, Investitionen und den Schuldendienst der Entwicklungsländer problematisch sind. Bretton Woods zu beenden bedeutete, die Wechselkurse dem Markt zu überlassen. Gleichzeitig begann eine bis heute andauernde Welle der Liberalisierung und Deregulierung auf den Finanzmärkten.

Die großen Industriestaaten erkannten die Gefahren der Veränderung und trafen sich 1975 in Rambouillet bei Paris erstmals in der G 6-Konstellation, die später durch die Aufnahme Kanadas und dann Russlands zur G 8 wurde. Zunächst ging es offiziell darum, die Konjunktur anzukurbeln und zudem einen Ersatz für die Stabilität und Sicherheit des Bretton-Woods-Systems zu finden. Es wurde aber schnell klar, dass ein weiteres Ziel war, die westlichen Staaten nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch besser abzustimmen.


Was ist das Problem?

Nicht zu Unrecht werden die G 8-Staaten oft auch als »Klub der Reichen und Mächtigen« bezeichnet. Tatsächlich gelten für die G 8 Regeln wie für altenglische Männervereinigungen – erstens: Die G 8 sind informell. Hier werden auch Probleme und Konflikte behandelt, die auf offizieller Ebene kein Thema sind oder nicht verhandelt werden können. Zweitens: Die G 8 sind eine geschlossene Gesellschaft, in die ein neuer Staat nur auf Empfehlung der bereits etablierten Mitglieder aufgenommen werden kann. Sie sind also exklusiv. Drittens: Die G 8 repräsentieren nur 13 Prozent der Weltbevölkerung, verhandeln aber Probleme, die die ganze Welt betreffen.
Auch wenn sich immer wieder deutlich zeigt, dass sich auch die Großen 8 keineswegs in allen Fragen einig sind, ist die Veranstaltung deshalb undemokratisch.


Hatten die G 8 Erfolg?

Nach dem Ende der Ölkrise erholte sich die Wirtschaft wieder – was sie nach Ansicht von Ökonomen mit oder ohne Weltwirtschaftsgipfel getan hätte. Die Arbeitslosigkeit allerdings nahm weiter zu. Und vor allem wurden die Finanzmärkte immer instabiler. Noch in den neunziger Jahren erschütterten mit Mexiko-, Asien- und Russland-Krise drei große Ereignisse die internationalen Strukturen. Ihre ursprünglichen Aufgaben haben die G 8 also keinesfalls erledigt.

Andererseits setzten sie sich bald auch andere Themen auf die Agenda. Sie reichten von Atomenergie und Terrorismusbekämpfung über Klima, Umwelt und Aids bis zu Biotechnologie, Rüstungskontrolle und demographischem Wandel. Die Gipfeltreffen dienten dabei oft nur der Sondierung bei kontroversen Themen, manchmal führten sie aber auch zu praktischen Ergebnissen, etwa beim Schuldenmanagement gegenüber den Entwicklungsländern. Auf jeden Fall setzen sie Themen – und verfestigen oft genug auch neoliberale Ideologie.


Gibt es Reformansätze?

Es gab immer wieder Forderungen, auch von Vertretern der Industrienationen, zumindest weitere Länder in den »exklusiven Klub« aufzunehmen. Im Gespräch sind dabei China, Indien und Brasilien, die in den vergangenen Jahren wirtschaftlich kräftig aufholten und dabei sind, einigen G 8-Staaten den Rang abzulaufen. Inzwischen werden die drei Länder genauso wie Südafrika als »Gäste« eingeladen.

Der britische Ministerpräsident Tony Blair forderte im vergangenen Jahr, die G 8 um vier Länder zu erweitern. Nach Ansicht vieler Kritiker würde dies das Problem des Demokratiedefizits und der Exklusivität jedoch nicht lösen, sondern bestenfalls verringern. Andere befürchten sogar, dass eine Ausweitung der G 8 oder auch nur eine stärkere Einbindung weiterer Staaten die Vereinten Nationen (UNO) schwächen würde. Aber auch wenn sich die UNO – vor allem wegen des Vetorechts der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder – ebenfalls Kritik ausgesetzt sieht, so stellt sie doch mit 192 Mitgliedsstaaten und als eingeschränkt anerkanntes Völkerrechtssubjekt einen sehr viel breiteren und legitimierteren Zusammenschluss dar als die G 8. Eine Reform der UN wäre also viel sinnvoller und naheliegender als der Aufbau einer Alternative zu den G 8.


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Kerstin Eschrich)