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Die Frage ist: Wie?


Die Agenda der Bundesregierung für den G 8-Gipfel nennt die richtigen Themen, trifft aber nicht die entscheidenden Punkte.

Viele NGOs haben die Agenda der Bundesregierung für den G 8-Gipfel begrüßt – so groß war offensichtlich die Erleichterung darüber, dass sich die Gerüchte, das Thema Armutsbekämpfung und Afrika könnte vollends an den Rand gedrängt werden, nicht bewahrheitet haben.

Dabei ist die deutsche G 8-Agenda alles andere als ein Anlass zum Jubel. Statt der Rückbesinnung auf die makroökonomischen Koordinationsaufgaben der Gipfel will Berlin jetzt der Wirtschafts- und der Entwicklungspolitik formal einen gleichrangigen Stellenwert geben. Die konkrete Ausgestaltung beider Tagesordnungspunkte ist jedoch so, dass man sich fragt, wessen Probleme hier eigentlich gelöst werden sollen.

Wirtschaftspolitisch sollen die G 8 nach den Vorstellungen der Bundesregierung in Heiligendamm ein »Bekenntnis zur Investitionsfreiheit in Industrie- und Schwellenländern« abgeben. Zwar sollen auch die Investitionsbedingungen und die »soziale Dimension der Globalisierung« behandelt werden. Wie dies geschehen soll – etwa durch die weltweite Verpflichtung der transnationalen Konzerne auf angemessene soziale Standards – wird jedoch nicht gesagt. Sehr konkret wird Berlin nur beim »Schutz von Innovationen gegen Produkt- und Markenpiraterie«, wo die Interessengegensätze zwischen alten Industrieländern und aufstrebenden Volkswirtschaften aufeinander prallen.

Der entwicklungs- bzw. afrikapolitische Teil der Schwerpunkte der deutschen G 8-Präsidentschaft ist ein Musterbeispiel dafür, wie man den Eindruck erweckt, die ehrgeizige Tagesordnung von Gleneagles im Jahre 2005 fortzuführen, in Wirklichkeit jedoch etwas ganz anderes aufs Gleis setzt. Die Bundeskanzlerin lege Wert darauf, so heißt es, die Beziehungen der G 8 zu Afrika als eine »Reformpartnerschaft« auszubauen. Sieht man näher hin, so findet man folgendes: »Die afrikanischen Staaten sollen Strukturen entwickeln, die private Investitionen erleichtern.«

Das ist an sich nicht verkehrt, aber angesichts der Probleme des Kontinents derzeit nicht die angemessene Akzentsetzung. Es ist offensichtlich nicht vorgesehen, die Umsetzung der Versprechen der Großen Acht in puncto Entwicklungshilfe, Entschuldung und Handel vom G 8-Gipfel in Gleneagles 2005 konkret zu überprüfen.

Dabei hätte gerade die Bundesregierung dazu allen Anlass. Nach dem Bericht zur »Wirklichkeit der Entwicklungshilfe« sind die deutschen Ausgaben für Entwicklungshilfe nur auf dem Papier enorm gestiegen. Zieht man die Schuldenerlasse für den Irak, Nigeria und andere Länder ab, so wurde 2005 sogar weniger Geld an die Entwicklungsländer gezahlt als im Vorjahr. Die Deutsche Welthungerhilfe und terre des hommes fordern deshalb im Juli 2007 von der Bundesregierung die Vorbereitung einer »Initiative 07.07.07«, um die Aufstockung der Hilfe auf 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts bis 2015 zu gewährleisten.

Das traurigste Kapitel der deutschen G 8-Agenda ist freilich, dass sie gegenüber dem Erfordernis, die überkommene Gipfelarchitektur selbst zu reformieren, völlig versagt. Die Bundesregierung will zwar China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika einladen. Die G 8-Konstruktion selbst will sie jedoch weder öffnen noch zugunsten eines repräsentativeren Steuerungsgremiums für die Weltwirtschaft zur Disposition stellen.

Infos der Bundesregierung: www.g-8.de

Rainer Falk ist Herausgeber des »Informationsbriefs Weltwirtschaft & Entwicklung«. Infos: www.weltwirtschaft-und-entwicklung.org


(aus der Soli extra "G8/'Gute Arbeit'", Frühjahr 2007, Autor: Rainer Falk)