Rechtsextremismus und Rassismus sind kein Phänomen gewaltbereiter Jugendlicher. Mit der wachsenden Zukunftsangst lösen neue alte Ressentiments auch in den Mittelschichten den vermeintlichen gesellschaftlichen Konsens ab, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.
Auch für DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock ist das Thema Antirassismus längst nicht vom Tisch. Sie plädiert für eine alltagsnahe und kontinuierliche Projektarbeit.
Beispielhafte Projekte der Gewerkschaftsjugend gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Nurcan Özsoy kann jetzt die Klappe aufreißen, so viel sie will. Sie kann in der Burger-King-Filiale in Berlin-Schöneweide stehen, das Fett spritzt hoch, sie steht im heißen Dampf, die braun gelockten Haare unter einer Haube versteckt, Nurcan Özsoy kann Hamburger braten, Kartoffelschnitze frittieren und Coca Cola ausschenken und sie kann sagen, was ihr nicht passt. Wenn sie von dieser neuen Freiheit erzählt, lacht die 21-jährige Nurcan Özsoy und schüttelt ihr Haar.
Nach gut 50 Jahren und mehreren Generationen haben sich ausländische Beschäftigte einen Platz auf dem deutschen Arbeitsmarkt erkämpft. Aber gleichberechtigt ist der noch nicht. Scheinbar neutrale Kriterien sorgen immer noch für Diskriminierung.
Ob auf dem Bau, in Gaststätten, Schulen, der Industrie oder im Dienstleistungsbereich: Rassismus findet überall Nahrung. Die Gewerkschaften kennen das Problem – sind aber auch selbst nicht gefeit.
Unqualifizierte Mitarbeiter, fehlende Erfolgskriterien, Eintagsfliegen: Viele Projekte gegen Rechts könnten besser sein, als sie sind. Doch eine systematische Auswertung findet bisher kaum statt. Der finanzielle Druck blockiert die notwendige Diskussion über Qualitätsstandards.
Wer im Betrieb wirklich etwas erreichen will, kommt ohne Betriebsvereinbarungen nicht weit. Aber mit deren Abschluss ist es noch nicht getan.
In Deutschland leben 7,3 Millionen MigrantInnen. Sie stellen knapp neun Prozent der Wohnbevölkerung. Die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland. Diese Einsicht wird jedoch nicht von allen Verantwortlichen in Politik und Medien geteilt. Das hat nicht zuletzt die Diskussion um das neue Zuwanderungsgesetz gezeigt.