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Kritik am Übergang


Die Politik reagiert auf die hohe Zahl junger Leute, die in den Maßnahmen zwischen Schule und Beruf feststecken. Der DGB hat Vorschläge zur Verbesserung der Situation.

Um unnötige Warteschleifen für Jugendliche zu vermeiden, sollen die schulischen Angebote des Übergangssystems Schule-Beruf weiterentwickelt werden" – so lautet der neueste Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) im Juni 2011. Um Bildungsgänge besser miteinander zu verzahnen und die Anrechenbarkeit von Übergangsmaßnahmen zu erhöhen, orientiert sich die KMK bei der Erarbeitung ihrer Reformvorschläge eng an den Ausbildungsordnungen.

Aus Sicht der DGB-Jugend wird es auch Zeit, dass etwas getan wird: Nach den neuesten Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) nimmt die Zahl der Jugendlichen im Übergang von der Schule in den Beruf zwar ab, war aber immer noch mit gut 324.000 Jugendlichen im Jahr 2010 immens groß.

Der Hintergrund: Das Ausbildungsjahr 2010 verlief enttäuschend. Nach einem Minus von 50.000 Ausbildungsverträgen im Jahr 2009 gab es sogar im Aufschwung 2010 einen Rückgang von 4.000 Verträgen. Das Ausbildungsplatzangebot mit insgesamt 580.000 Plätzen ist auf den drittniedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gefallen. Der angeblich so positive Arbeitsmarkttrend ist somit am Ausbildungsmarkt nicht angekommen.

"Wenn Bundesregierung und Spitzenverbände der Wirtschaft dennoch suggerieren, dass es 'mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als unversorgte Bewerber gibt', dann geht das an der Wirklichkeit der Jugendlichen vorbei", sagt DGB-Bildungsexperte Matthias Anbuhl.

Allein im Jahr 2010 fanden laut Berufsbildungsbericht 84.600 Jugendliche, die von der Bundesagentur für Arbeit als "ausbildungsreif" eingestuft wurden, keinen Ausbildungsplatz, obwohl sie weiterhin anzeigten, dass sie noch einen suchten. Damit übertraf die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden das Angebot der offenen Plätze (19.600) um ein Vielfaches.

Der BIBB-Hauptausschuss hat bereits auf seiner Sitzung am 17. Juni 2011 in Bonn einstimmig "Leitlinien zur Verbesserung des Übergangs Schule – Beruf" verabschiedet. Darin spricht sich das BIBB-Gremium, in dem auch der DGB vertreten ist, dafür aus, "die Ressourcen und Talente aller Jugendlichen in den Blick zu nehmen und junge Menschen individuell besser zu fördern".

Um den direkten Übergang von der Schule in eine betriebliche Ausbildung zu stärken, müss­ten "konsistente und transparente Wege" geschaffen werden. Ziel sei es, "alle jungen Menschen zu einer vollqualifizierenden Berufsausbildung und einem Berufsabschluss zu führen", wie es beim BIBB heißt. Eine gute Ausbildung sei die beste Voraussetzung, um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein zu können. Auch hier spielt der Fachkräftemangel also eine Rolle: Die demografische Entwicklung führe zu einer rückläufigen Anzahl der SchulabsolventInnen und zum Teil bereits spürbaren Engpässen bei Bewerbungen um betriebliche Ausbildungsplätze im dualen Berufsausbildungssystem, stellt das Gremium fest.

Bund und Länder sind nun aufgefordert, die Angebotsvielfalt am Übergang Schule-Berufsausbildung zu reduzieren, zu bündeln und besser aufeinander abzustimmen sowie in eine sinnvolle Struktur vor Ort unter Einbindung der verschiedenen Akteure in regionale Netzwerke einzugliedern.

Das Übergangsmanagement soll an folgenden Leitlinien ausgerichtet werden:  

  • frühzeitige Vorbereitung, fundierte Berufsorientierung

  • individuelle Förderung sowie Beratung und Begleitung der Jugendlichen

  • Nähe zur Berufs- und Betriebspraxis, Einbindung der Wirtschaft und der
  • betrieblichen Praxis

  • regionale Koordinierung und Steuerung sowie die Rolle der Akteure

  • Transparenz und Anschlussfähigkeit

  • Evaluierung der Programme und Maßnahmen.


"Diese Leitlinien stellen nur ein Dach dar", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. "Das Ganze muss noch mit konkreten Forderungen unterfüttert werden. Das BIBB muss in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle spielen."

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Übergangssystem: Das fordern die Gewerkschaften
1. Den Wildwuchs der Warteschleifen beenden: Sie bieten kaum eine Perspektive auf eine abgeschlossene vollqualifizierende Ausbildung. Jugendliche, die nur aufgrund mangelnder Ausbildungsangebote keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden, benötigen keine berufsvorbereitende Maßnahme und keine Einstiegsqualifizierung.

Das so genannte Hamburger Modell ist ein Beispiel, wie der Übergang in eine Ausbildung sinnvoll strukturiert werden kann. Hierbei absolvieren die Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz finden, in einer Berufsschule ein erstes Ausbildungsjahr.

Mit dem nächsten Ausbildungsjahr wechseln sie entweder in eine duale oder eine außerbetriebliche Ausbildung mit hohem Praxisanteil unter Anerkennung und Anrechnung der bis dahin absolvierten Ausbildungsinhalte.

2. Für die Ausbildungsvermittlung aller Jugendlicher (also auch der Hartz IV-BezieherInnen) soll ausschließlich die Bundesagentur für Arbeit zuständig sein. Damit könnte das bestehende Zwei-Klassen-System bei der Betreuung von ausbildungssuchenden Jugendlichen überwunden werden. Denn Kinder und Jugendliche werden je nach Einkommenssituation ihrer Eltern von verschiedenen staatlichen Stellen unterschiedlich behandelt.

3. Berufsorientierung und Berufsberatung müssen als Regelangebot fest verankert werden. Die Berufsorientierung muss gemeinsam mit einer umfangreichen Beratung und Begleitung der Berufswahl zu einem Pflichtangebot in allen Schulen ausgebaut werden.

4. Ausbildungsbegleitende Hilfen müssen ausgebaut werden: Gerade Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss haben es auf dem Ausbildungsmarkt besonders schwer. Deshalb sollten ausbildungsbegleitende Hilfen zu Regelangeboten für die Betriebe ausgebaut werden.

5. Mehr betriebliche Ausbildungsplätze als jetzt sind nötig: Wer auf Innovation und Nachhaltigkeit setzt, braucht mehr Fachkräfte. Die Unternehmen müssen mehr Ausbildungsplätze anbieten.


Weitere DGB-Infos: http://bit.ly/k0ZHfG


(aus der Soli aktuell 7/11, Autor: Jürgen Kiontke)