Eine Generation in Bewegung - so lautet 2011 der Leitsatz für die Gewerkschaftsjugend. Die DGB-Jugend-Initiative "Wie willst du leben?" beginnt.
Eine Generation ist in Bewegung – das ist 2011 der Leitsatz für die Gewerkschaftsjugend: "Wir wollen uns ernsthaft und ehrlich mit der Lebensrealität der jungen Generation auseinandersetzen, wollen Jugendliche aktiv einbinden. Sie sollen mitreden und mitbestimmen", beschreibt DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf die Idee der gewerkschaftlichen Jugend-Initiative "Wie wollen wir leben?"
Mit einer knackigen Umfrage zu den Punkten Arbeit, Bildung und Freiheit, die diesen Februar startet, wollen DGB und Gewerkschaften die Interessen der jungen Generation in den Mittelpunkt der Politik setzen.
In den letzten Jahren haben sich die jungen GewerkschafterInnen zwar bereits intensiv mit der Situation der jungen Generation auseinandergesetzt. Die DGB-Jugend will es aber noch besser wissen – und fragt bei den Jugendlichen nach: Wie wollt ihr leben, wovon träumt ihr, wo drückt euch der Schuh am meisten?
"Wir werden herausfinden, was die wichtigen Themen sind. Und wir hoffen, dass wir die Jugendlichen überzeugen können: Bei den Gewerkschaften, Schülervertretungen, in studentischen Gremien und in Jugend- und Auszubildendenvertretungen mitzumachen, lohnt sich", sagt Rudolf.
Der Zeitpunkt ist günstig: Denn mehr als 60 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren finden Gewerkschaften und Betriebsräte wichtiger denn je. Gleichzeitig steigt ihre Unzufriedenheit mit dem Wirtschaftssystem und den politischen Entscheidungsträgern: Denn viele Erwerbsbiografien von jungen Menschen werden immer prekärer: Leiharbeit, Scheinselbstständigkeit, Minijobs, unbezahlte Praktika und Befristungen bestimmen oft das Berufsleben. Rudolf: "Die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der jungen Generation steht im Zentrum unserer Arbeit."
Am dringendsten ist: Gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen, eine qualitativ gute Ausbildung zu gewährleisten, den Jugendarbeitsschutz zu stärken und unbezahlte Scheinpraktika zu unterbinden. Aktivitäten, die zu diesen Punkten bereits laufen, werden in die Initiative integriert.
Und das ist längst nicht alles: Außerdem wird es zu wichtigen Terminen flankierende Aktionen geben – mit Veranstaltungen, Demos und Aktionen in sozialen Netzwerken. Bestehende Kampagnen wie etwa zum Jugendarbeitsschutzgesetz werden eingebunden. Einen Schwerpunkt bilden die Landtagswahlen, die dieses Jahr in sieben Bundesländern stattfinden. Und zum Sommer wird die DGB-Jugend eine eigene Studie zur Generation Praktikum vorlegen, im September folgt dann der Ausbildungsreport.
Mit der Initiative "Wie wollen wir leben?" bekommt die junge Generation eine Plattform, um ihre Meinungen, Ängste und Utopien zu artikulieren und in den Fokus der öffentlichen Auseinandersetzung zu rücken, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und öffentlich zu machen. Wer im Rahmen der Jugendinitiative aktiv werden will, wird von der Gewerkschaftsjugend unterstützt. Für die besten drei Aktionen gibt’s eine Prämie. Ganz wichtig: Jugendliche aus allen Teilen der Gesellschaft sollen dabei sein. Denn vielfach werden ihre Interessen einfach übergangen. "Die Jugend ist es leid, dass über ihren Kopf entschieden wird", sagt Rudolf.
Das soll sich jetzt ändern.
(aus der Soli aktuell 1+2/11, Autor: Jürgen Kiontke)
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"Wir bekommen Antworten"
DGB-Jugendreferent
Eric Schley aus Duisburg über die Umsetzung
der Initiative in seiner Region.
Wie werdet ihr die DGB-Jugendinitiative "Wie wollen wir leben?" in eurer Region angehen?
Bei uns am Niederrhein werden wir die Initiative als Rahmen nutzen – zum Beispiel am 24.Februar 2011, dem DGB-Aktionstag zum Thema Mindestlohn und Leiharbeit. Da passt die Frage "Wie wollen wir leben?" hervorragend, was junge Menschen betrifft – denn viele von ihnen müssen zu prekären Bedingungen arbeiten. Ich bin sicher: Man kommt mit jungen Menschen über die Initiative sehr gut ins Gespräch. Das Motto ist nicht unbedingt global und galaktisch formuliert – es lässt sich sehr gut herunterbrechen auf die konkrete Lebensituation.
Wie wollt ihr die Befragung umsetzen?
Da gehen die Mitgliedsgewerkschaften natürlich ran. Über die Jugendvertretungen werden sie die Betriebe besuchen, so werden wir die meisten Ergebnisse erhalten. Ich selbst habe aber auch mehrere Termine in der Berufsschule, wo ich mit der Befragung beginnen werde. Dann können wir gleich mal testen, wie der Fragebogen ankommt.
Hilft es in der Gewerkschaftsarbeit, wenn man mit übergreifenden Projekten an den Start geht?
Die Fragestellung ist ja spannend! Das ist eine völlig andere Initiative, als wir sie sonst machen, so in dem Sinn: Wir sind für mehr Arbeit oder mehr Ausbildung. Da gibt man quasi die Antwort vor: Ja und Ja. Hier aber bekommen wir die Antworten! Offen zu sein für Neues ist immens wichtig, wenn man junge Leute innerhalb der Gewerkschaften ansprechen will. Aber außerhalb ist es noch viel wichtiger. Ich nenne mal ein Beispiel: Wenn wir die Initiative im Jugendring vorstellen, kommen ja auch andere Jugendverbände damit in Berührung – auch die konfessionellen. Denen unsere Frage im Übrigen nicht so fremd sein wird. Nun, wie reagieren die darauf?
Das könntet ihr dann…
…in einer gemeinsamen Dialogwerkstatt diskutieren, wie sie "Wie wollen wir leben?" vorsieht. Bisher war es so: Wenn wir innerhalb der Gewerkschaftsjugend diskutiert haben, war da ein bestimmtes Spektrum an Leuten dabei. Nun hören wir uns die Antworten von Leuten aus anderen Verbänden an. Und die werden dann auch nicht gleich sagen: Ach, das ist doch wieder so eine Geschichte der Gewerkschaften: Arbeit, Ausbildung, Stahl, Kohle... Ich kann mir vorstellen, dass die Initiative einen großen Raum bereithält, um übergreifend ins Gespräch zu kommen.
Dein Fazit vorab?
Die Initiative schafft es mit ihrer eigenen Fragestellung, neue Aspekte in unsere Arbeit reinzubringen.
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"Das wird unsere Schnittstelle" Von Anke Muth
Als DGB-Jugend Hessen-Thüringen wollen wir so oft wie möglich Schnittpunkte zwischen der Initiative und ihrem Slogan "Wie willst du leben?" sowie anstehenden Themen nutzen: Das sind zum Beispiel die Berufsschularbeit und der Ausbildungsreport.
Darüber hinaus werden wir uns auf unserem bezirksweiten Sommercamp im August 2011 unter dem Initiativen-Motto diversen Themen in den Workshops widmen. Was da genau abgeht, ist derzeit noch in
Planung!
Davor stehen landesweite Themen im Fokus: die Schuldenbremse und die Kommunalwahl in Hessen bzw. das Thema Abwanderung von Fachkräften
in Thüringen.
Anke Muth ist DGB-Bezirksjugendsekretärin in Hessen-Thüringen.