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Recht auf Perspektiven


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Es ist Sommer – und der Ausbildungsstart steht bevor. Für ­viele Jugendliche leider nicht.

Der Ausbildungsstart in vielen Unternehmen und Bundesländern hat begonnen – leider bei weitem nicht für alle Jugendlichen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) stehen zum 29. Juli 2010 den 511.000 BewerberInnen nur rund 405.000 betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung. Das bedeutet, dass zum Ausbildungsstart im August 106.000 betriebliche Ausbildungsplätze fehlen.

"Diese Situation fügt sich nahtlos in die dramatische Entwicklung der letzten Jahre und stellt der Wirtschaft und der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus", kritisiert DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf. "Trotz Ausbildungspakt und Beteuerungen bleibt das Angebot an Ausbildungsplätzen laut Nationalem Bildungsbericht in fast allen Berufen hinter der Nachfrage zurück. Jahr für Jahr landen fast 400.000 Jugendliche im 'Übergangssystem' zwischen Schule und Beruf – ohne Chance auf eine voll qualifizierende Ausbildung."

Nach wie vor beteiligen sich weniger als ein Viertel aller Unternehmen in Deutschland aktiv an Ausbildung, und durch die Finanzkrise ist nichts besser geworden. Dieser Anteil müsste dringend und konjunkturunabhängig zugunsten der beruflichen Zukunft aller Jugendlichen und des künftigen Bedarfs an gut ausgebildeten Fachkräften erhöht werden. Die Tatsache, dass in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren – 17 Prozent der Altersgruppe – keinen Berufsabschluss haben, ist für die DGB-Jugend inakzeptabel. "Die junge Generation hat ein Recht auf eine Perspektive im Berufsleben, ohne Langzeitarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung", fordert René Rudolf.

"Das ist das Ergebnis von jahrelangem Ignorieren, Nichtstun und Schönreden der Ausbildungsbilanz und der Probleme auf dem Ausbildungsmarkt", fasst die DGB-Jugend Hessen zusammen.

Auch Fachleute sehen dies so: Der Chefökonom der Entwicklungsorganisation der Vereinten Nationen, Heiner Flassbeck, sagt im Soli-aktuell-Interview: "Für ein ausgeglichenes Wirtschaftsleben müssten die Bewerber viel bessere Wahlmöglichkeiten haben".

Gewerkschaftsjugend wie ExpertInnen sehen eine Ursache des Problems im deutschen Bildungssystem. Bei vielen SchulabgängerInnen und schrumpfender Zahl an Ausbildungsplätzen konnten sich die Unternehmen jahrelang "die Besten" herauspicken. Der Rest landete in immer neuen Maßnahmen zur Berufsvorbereitung. Auch heute reden immer noch viele ArbeitgeberInnen davon, dass die SchulabgängerInnen nicht ausbildungsreif seien.

Und so bleibt das Grundproblem bestehen: Auf der einen Seite wollen viele Jugendliche eigentlich eine Ausbildung machen, bekommen aber keine Chance. Andererseits bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt.

Aber oft sind dies vor allem Ausbildungsplätze in Branchen und Unternehmen, die für schlechte Ausbildungsqualität und schlechte Bezahlung bekannt sind. Die DGB-Jugend lässt jedes Jahr viele tausend Auszubildende ihre Ausbildung bewerten und fasst die Ergebnisse im Ausbildungsreport zusammen. Die Branchen, die dort schlecht abschneiden, suchen heute noch Auszubildende. In den Unternehmen weigert man sich aber konstant, Verbesserungen einzuleiten. Statt dessen soll der Jugendarbeitsschutz zum Beispiel im Gaststättengewerbe gelockert werden.

Ausbildungsqualität verbessern, bestehende Gesetze einhalten, Ausbildungsvergütung anheben und pünktlich bezahlen, Perspektiven nach der Ausbildung bieten – wenn diese Bedingungen erfüllt sind, haben Jugendliche auch an diesen Stellen Interesse. Eine höhere Ausbildungsvergütung und eine verbindliche Übernahme nach der Ausbildung sind hier notwendig.

Infos zum Ausbildungsstart: www.dgb-jugend.de/...


(aus der Soli 8+9/10, Autor: Jürgen Kiontke)