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Achtung, Rechtsabbieger


Knapp 20 Prozent der sächsischen BerufsschülerInnen denken rechts, hat eine Umfrage ergeben. DGB-Jugend: Berufsschule ist letzte Instanz der Intervention.

Nein, die aktuelle Studie der Heinrich-Böll-Stiftung zum Thema „Rechtsextreme Einstellungen von BerufsschülerInnen“ unter 500 Jugendlichen in Sachsen kommt zu keinem angenehmen Ergebnis: Demnach besitzen 19,8 Prozent von ihnen eine rechtsextreme Einstellung. Weitere 14,2 Prozent stehen dieser Orientierung „eher offen“ gegenüber.

Es seien vor allem rechtsextreme Gewalt und die Wahlerfolge der neonazistischen NPD, die immer wieder für öffentliche Empörung und für Schlagzeilen sorgten.

Im Verborgenen lägen hingegen oftmals die in einzelnen Bevölkerungsteilen vorhandenen rechtsextremen Einstellungsmuster. „Rechtsextreme Einstellungen können aber als mögliche Vorstufe zu entsprechenden Verhaltensweisen angesehen werden“, sagt der Autor der Studie, Michael Nattke, der sich seit Jahren ehrenamtlich mit rechtsextremen Haltungen und neonazistischen Strukturen in Sachsen beschäftigt.

Das Ergebnis liest sich streckenweise verblüffend: Es konnte zwar nachgewiesen werden, dass Rechtsextremismus unter sächsischen BerufsschülerInnen ein sehr ernstzunehmendes Problem ist. Ein Mehrheitsphänomen ist er deshalb aber nicht.

Zudem hätten die Schulen, die an der Untersuchung teilgenommen hätten, das Problem bereits erkannt und sich damit auseinandergesetzt. Nattke folgert: „Es sind keine Gründe erkennbar, warum der Anteil der rechtsextrem eingestellten BerufsschülerInnen an anderen Berufsschulen geringer sein sollte.“

Sachsen steht also mitnichten alleine da. Die Erhebung zeige aber mit aller Deutlichkeit, wie wichtig die Arbeit der DGB-Jugend und die des Netzwerk für Demokratie und Courage mit ihren Projekttagen für Demokratie und Mitbestimmung an Schulen, Berufsschulen und Ausbildungseinrichtungen sei, sagt DGB-Bezirksjugendsekretär André Schnabel: „Die Zahlen belegen, was wir an den Berufsschulen selbst merken. Studien auf diesem Gebiet waren bisher nicht vorhanden.“

Dabei seien die Berufsschulen gerade wichtig – als letzte Ausfahrt: „Sie sind die Orte, wo junge Menschen durch Bildungsarbeit vor ihrem Eintritt in das Berufsleben, letztmalig 'konzentriert' erreicht werden können“, so Schnabel.

 
Die Studie gibt's hier.

 (aus der Soli aktuell 7/09, Autor: Soli aktuell)