Junge Leute zahlen drauf – nicht erst seit die Wirtschaft wackelt. Die DGB-Jugend unterstützt daher den "Bildungsstreik 2009" vom 15. bis 19. Juni 2009 und fordert weitreichende Verbesserungen im Bildungssystem.
Fast alle nationalen und internationalen Vergleichsstudien stellen dem deutschen Bildungswesen ein miserables Zeugnis aus: Die Zahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsabschluss ist erschreckend hoch. HauptschülerInnen haben nach wie vor kaum Chancen, direkt einen Platz in Ausbildung und Beruf zu ergattern. Fast eine halbe Million Jugendliche verschwindet im Übergangssystem zwischen Schule und Beruf – die meisten von ihnen in Warteschleifen ohne Chance auf eine qualifizierende Ausbildung. Gleichzeitig gelingt es nicht, signifikant mehr Jugendliche für ein Studium zu qualifizieren: "Trotz Nachholbedarfs sind die Budgets in der Weiterbildung in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt worden. Der Abstand zu internationalen Anforderungen wächst", warnt Jessica Heyser von der DGB-Jugend. Wer Bildungsarmut bekämpfen wolle, müsse daher soziale Barrieren abbauen.
Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, stellt sich die Gewerkschaftsjugend hinter den "Bildungsstreik 2009", den lokale Bündnisse aus Studierenden- und SchülerInnen-Gruppen in verschiedenen Städten ausgerufen haben. Während einer bundesweiten Aktionswoche vom 15. bis 19. Juni 2009 werden junge GewerkschafterInnen gemeinsam mit Studierenden und SchülerInnen im gesamten Bundesgebiet demonstrieren. Bundesweit dezentrale Demonstrationen sollen am 17. Juni 2009 stattfinden.
Sinn des Bildungsstreiks ist es, eine Diskussion zur Zukunft des Bildungssystems anzuregen. "Der Staat muss ein exzellentes Bildungswesen für alle Menschen sichern und finanzieren", sagt Heyser.
Die DGB-Jugend fordert ein Grundrecht auf Ausbildung: Das duale System der Berufsausbildung muss erhalten und mit neuem Leben gefüllt werden. Mit zielgruppenorientierten Beratungsangeboten sollen Betriebe, Schulen und Bundesagentur für Arbeit die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt unterstützen. Das Berufsbildungssystem muss zukunftsfest gestaltet werden.
Auch Gute Bildung und Gute Arbeit im Bildungswesen gehören zusammen: Wer es besser und gerechter machen möchte, braucht dafür ausreichend gut ausgebildetes und motiviertes Personal. Eine gute Ausbildung, angemessene Bezahlung und eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens und Respekts machen Bildungsberufe für den Nachwuchs interessant. Dafür muss aber der gravierende Fachkräftemangel behoben werden.
Zu weiteren wichtigen Veränderungen gehören bessere Arbeitsbedingungen, eine deutlich bessere Bezahlung der ErzieherInnen, die Reduzierung der Pflichtstunden für Lehrkräfte, kleinere Klassen, eine Verpflichtung zur Weiterbildung und ein massiver Ausbau guter Angebote zur Weiterbildung.
Das bedeutet aber auch: Es muss wesentlich mehr Geld in die Bildung investiert werden. Ohne den Aufwand für Bauinvestitionen sind dafür jährlich mindestens 30 Milliarden Euro zusätzlich erforderlich. Heyser: "Ohne die Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung lassen sich soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und wirtschaftlicher Wohlstand in Deutschland nicht erreichen."
www.bildungsstreik2009.de
(aus der Soli aktuell 5/09, Autor: Soli aktuell)