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Kein Grund zum Jubeln


Ausbildung gibt’s längst nicht für alle: Im letzten Jahr hat sich wenig gebessert. Und nun kommt die Wirtschaftskrise hinzu. Von Marco Frank

Zunächst sah es Anfang 2008 ganz nach Entspannung auch auf dem Ausbildungsmarkt aus: Rein rechnerisch war die Ausbildungsplatzsituation 2008 besser als noch im Vorjahr. Zwar hatte sich insgesamt die Zahl der Ausbildungsplätze – betriebliche wie außerbetriebliche – gegenüber 2007 um 1,5 Prozent verringert. Doch war gleichzeitig auch die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten BewerberInnen erheblich gesunken – um rund 114.000. In Westdeutschland verringerte sich die Zahl der BewerberInnen um zwölf Prozent, in Ostdeutschland gar um 26 Prozent. Die Zahl der AltbewerberInnen sank um über 64.000 Menschen. Dennoch hatten über 300.000 Ausbildungswillige keinen betrieblichen Ausbildungsplatz.


Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge


2008 wurden 9.300 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr. Angesichts sinkender Bewerberzahlen war die Lage auf dem Ausbildungsmarkt dennoch insgesamt besser als 2007.

Aber der sich abzeichnende Aufschwung flachte in der zweiten Jahreshälfte 2008 merklich ab. Besser wurde es seitdem nicht: Die Prognosen für das neue Jahr sind düster. Angesichts einer sehr hohen Zahl von AltbewerberInnen und der aufkommenden Rezession ist mit einer Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt vorerst nicht zu rechnen.


Außerbetriebliche Ausbildung geht zurück

Der deutliche Abbau der außerbetrieblichen Berufsausbildung im Osten im Jahr 2008 trug entscheidend dazu bei, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um über 11.300 bzw. neun Prozent sank und nur noch bei 113.800 lag. Dies ist der drittniedrigste Wert seit der Wiedervereinigung.

Erstmals hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) 2008 ermittelt, in welchem Umfang überwiegend öffentlich finanzierte Ausbildungsplätze in die Jahresbilanz eingegangen sind: Erfasst wurden rund 45.000 oder 7,3 Prozent außerbetriebliche Plätze. Dabei gibt es ein großes Ost-West-Gefälle: Während der Anteil an der Gesamtzahl im Osten bei 23 Prozent (25.900) liegt, beträgt er im Westen lediglich vier Prozent (19.000) von allen neu abgeschlossenen Verträgen.


Die Hälfte in Warteschleifen

Die AltbewerberInnen profitierten kaum vom Aufschwung, sondern wurden in "Warteschleifen" geparkt. Sie mussten sich mit Qualifizierungsmaßnahmen, Fortsetzung der Ausbildung, Alternativen wie einem freiwilligen sozialen Jahr oder mies bezahlten Jobs für Ungelernte zufriedengeben.

Positiv lässt sich aber feststellen, dass die verstärkten Bemühungen der Bundesagentur für Arbeit, die AltbewerberInnen zu versorgen, erste Früchte trugen. Ihre Zahl war gegenüber 2007 um 17 Prozent zurückgegangen. Vor allem BewerberInnen, deren Schulabschluss nur ein Jahr zurückliegt, haben deutlich bessere Chancen, einen Ausbildungsvertrag abzuschließen. Die Zahl der nicht Vermittelten unter ihnen ist 2008 um 21 Prozent zurückgegangen. Dagegen hatte die Gruppe der Jugendlichen, die schon zwei Jahre oder länger einen Ausbildungsplatz suchen, deutlich mehr Probleme beim Berufseinstieg: Ihr Anteil war nur um 14 Prozent geringer als im Vorjahr.


Ausbildungsbonus wirkt noch nicht

Mehr als 320.000 Ausbildungssuchende haben sich 2008 zum wiederholten Male um eine Ausbildung beworben. Das heißt: Noch immer ist jeder zweite Bewerber ein so genannter Altbewerber. Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Bis Ende 2008 wurden rund 10.000 Ausbildungsverträge mit AltbewerberInnen abgeschlossen, die durch einen Bonus der Bundesagentur für Arbeit gefördert wurden.


Grundrecht auf Ausbildung: Aktuell wie nie


Die Forderung nach der Verankerung des Rechts auf Ausbildung im Grundgesetz steht daher weiterhin ganz oben auf der Agenda der Gewerkschaftsjugend. Im April 2007 hatten Gewerkschaftsjugend und Landesschülervertretungen dem Petitionsausschuss des Bundestages 72.500 Unterschriften für das Grundrecht übergeben. Derzeit ist noch nicht entschieden, ob es noch eine weitere öffentliche Fachanhörung zum Thema geben wird. Die Initiatoren bleiben am Ball und werden mit vielerlei Aktionen für ihr Anliegen werben, falls es zur Anhörung kommt. Im Februar 2009 soll eine Publikation der Gewerkschaftsjugend erscheinen, die das Grundrecht auf Ausbildung aus juristischer Sicht erläutert.

Im Übrigen ist jetzt schon klar: Die Gewerkschaftsjugend wird das Thema "Ausbildung für alle" massiv in den Bundestagswahlkampf 2009 einbringen.


(aus der Soli aktuell 2/09, Autor Marco Frank, war bis zum 15. Februar 2009 bei der DGB-Jugend für Ausbildungsfragen zuständig.



Zusatzinfos: Infos, Materialien und Veranstaltungen

Von der "Ausbildung für alle"-Homepage kann jede Menge Material zum Thema heruntergeladen werden: von den Ausbildungsreports der DGB-Jugend über Mustervorlagen für Präsentationen bis hin zu Hintergrundpapieren, etwa zum Grundrecht auf Ausbildung. Siehe www.ausbildung-fuer-alle.de

Flyer, Plakate und die Broschüre zur Initiative können bei der DGB-Jugend bestellt werden.

Bestellungen an: DGB-Jugend, Silvia Grigun, Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin, Fax: 030 / 240 60 409, E-Mail: silvia.grigun@dgb.de

Zukunftswerkstatt: Gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung lädt die Gewerkschaftsjugend für den 4. Mai 2009 zu einer Zukunftswerkstatt zum Thema "Benachteiligte" nach Berlin ein. Dabei soll nicht nur die Situation der Betroffenen dargestellt, es sollen auch politische Zielvorstellungen entwickelt werden.
Infos: DGB-Jugend, Tel.: 030 / 240 60 371, E-Mail: silvia.grigun@dgb.de

Die nächste Veröffentlichung der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit findet – für den März 2009 – am 31. März 2009 statt, siehe auch unsere Rubrik Ausbildungsstatistik