Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) hat nun eine gemeinsame Matrix – jetzt kann die einjährige Überprüfungsphase beginnen.
Eine Hürde ist genommen: VertreterInnen aus dem Arbeitnehmer- und Arbeitgeberlager, der Länder und des Bundes haben sich Ende Januar 2009 im Arbeitskreis Deutscher Qualifikationsrahmen auf eine gemeinsame Matrix für den DQR geeinigt. Wichtigster Punkt: Nun ist es möglich, beruflich Qualifizierte bis zum höchsten Niveau zuzuordnen, auch wenn sie keine Hochschule besucht haben.
Damit wurde ein wichtiges gewerkschaftliches Anliegen erfüllt. So ist die entwickelte DQR-Matrix ein Beitrag zur Stärkung der Gleichwertigkeit zwischen allgemeiner und beruflicher Bildung – eine alte Forderung der Gewerkschaften. Denn, so das Argument: Schließlich ist der Abschluss etwa eines Verkehrspiloten genauso hoch einzuordnen wie zum Beispiel der eines Hochschulprofessors.
"Die DQR-Matrix ist in der vorliegenden Form ein Erfolg", sagt Hermann Nehls, der für den DGB für die Verhandlungen verantwortlich ist: "Vor allem, was die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems angeht." In der DQR-Matrix werden fachliche, soziale und personale Kompetenz in acht Stufen beschrieben.
Die auf ein Jahr befristete Überprüfungsphase soll nun darüber Aufschluss geben, ob die im DQR-Arbeitsentwurf gewählten Deskriptoren – die Parameter zur Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen – sinnvolle Zuordnungen von Qualifikationen ermöglichen, und wie Bezüge zum Europäischen Qualifikationsrahmen EQR hergestellt werden können, der europaweit Bildungsabschlüsse vergleichbar machen soll. Die Ergebnisse der Überprüfungsphase soll der Arbeitskreis als weitere Grundlage für die Fertigstellung der Arbeiten am DQR berücksichtigen.
Für die Gewerkschaften ist der DQR nicht nur ein administratives oder technisches Instrument. Er soll einen Beitrag zur weiteren Entwicklung und Reform des Bildungssystems leisten. Der DGB erwartet, dass der DQR die Durchlässigkeit in und zwischen den Bildungsbereichen, insbesondere die Zugänge zum tertiären Bereich verbessert. Insgesamt geht es um mehr Chancengleichheit und die Balance von allgemeiner und beruflicher Bildung im Bildungssystem.
Zeitlich parallel zur Erprobungsphase soll ein wissenschaftliches Begleitprojekt vorbereitet und ab 2010 durchgeführt werden. Dabei geht es um die Bewertung und Beurteilung der Auswirkungen eines DQR auf Bildungssystem, Arbeitsmarkt, Unternehmen sowie Berufswege und Berufsbiografien von Beschäftigten. Die Planung des Projekts wird im Arbeitskreis DQR abgestimmt.
"Dann werden wir feststellen, welche Auswirkungen der DQR am Ende haben wird", sagt Nehls: "Wir müssen die Chancen und Risiken sehen, die in der Entwicklung des DQR liegen. Eine umfangreiche wissenschaftliche Begleitforschung ist dafür unerlässlich."
Der DGB wird noch in diesem Jahr eine Broschüre zum DQR veröffentlichen. Es wird einen Runden Tisch geben, der eine öffentliche Debatte zum DQR unterstützen soll. Mit einer Veranstaltungsreihe soll die Überprüfungsphase begleitet werden. Die DGB-Jugend wird sich hier konkret beteiligen und den DQR unter anderem im Bundesjugendausschuss diskutieren.
Nähere Informationen über: Hermann Nehls, DGB Bundesvorstand, E-Mail:
hermann.nehls@dgb.de,
Infos:
www.deutscherqualifikationsrahmen.de(aus der Soli aktuell 2/09, Autor: Soli aktuell)