Was ist "gute Ausbildung"? Die Online-Befragung "Expertenmonitor" gibt Auskunft.
Die Qualität der dualen Ausbildung weiterzuentwickeln sollte ein zentrales Ziel der Berufsbildungspolitik sein. So fordert es auch die DGB-Jugend. Was aber kennzeichnet eine "gute" Ausbildung in der Praxis?
Nach Auffassung von Fachleuten sollten die Azubis nicht nur einzelne Arbeitsschritte durchführen, sondern in größere Projekte einbezogen werden, die einen echten Beitrag zu den Geschäftsprozessen der Betriebe leisten. Den Auszubildenden sollte dabei nicht jeder Arbeitsschritt vorgegeben werden, vielmehr sollten sie Arbeitsabläufe eigenverantwortlich planen, durchführen und kontrollieren. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Online-Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen des "Expertenmonitors Berufliche Bildung". Dafür wurden 355 Fachleute aus der beruflichen Bildung zu vorgegebenen Qualitätskriterien für eine gute duale Ausbildung befragt.
Erfüllbar seien diese Anforderungen einer anspruchsvollen Ausbildung aber nur, wenn vor allem eine fachlich und didaktisch kompetente Betreuung der Auszubildenden gewährleistet sei. Im betrieblichen Ausbildungsverlauf komme es dabei besonders darauf an, dass das Ausbildungspersonal dauerhaft präsent sei, klare Arbeitsanweisungen gebe und auch regelmäßig eine Rückmeldung zum Ausbildungsverlauf von den Auszubildenden selbst eingeholt werde. Zudem sei es sehr wichtig, dass im Betrieb eine gewisse Toleranz gegenüber Fehlern herrsche – eigentlich ein guter Eckpunkt für gute Arbeit überhaupt.
Auch die Ergebnisse einer Regionalstudie der Universität Bremen – veröffentlicht in Kooperation mit dem BIBB – zeigen, dass die Gestaltung des Lernprozesses einen zentralen Einfluss auf die Qualität der Ausbildung hat. Rund 400 Jugendliche des dritten Ausbildungsjahres wurden zur Qualität der Ausbildung im Handwerk befragt.
Zwei von drei Bremer Auszubildenden geben dabei an, fachlich gut angeleitet zu werden, Aufgaben selbstständig lösen und hierbei auch Fehler machen zu dürfen. Die Auszubildenden zeigten sich mit dem kommunikativen Austausch in ihrer Ausbildung überwiegend zufrieden.
Allerdings gibt es auch deutliche Hinweise auf Schwierigkeiten in der Ausbildung: So geben 43 Prozent der Befragten, die am Ende ihrer Ausbildung stehen, an, dass sie häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben. Fast jeder Zweite erlebt während seiner Ausbildung ständigen Termin- und Zeitdruck. Jeder Dritte gibt an, dass er Ärger bekomme, wenn er die Aufgaben nicht lösen könne. Darüber hinaus bedrückt etwa jeden vierten (!) Auszubildenden die unpünktliche Zahlung seiner Ausbildungsvergütung.
Besonders gut sieht es also noch nicht aus – für die gute Ausbildung.
www.expertenmonitor.de(aus der Soli aktuell 1/09, Autor: Soli aktuell)