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Vorsicht Abbruch!


Ausbildungsreport der DGB-Jugend: Um die Qualität der Arbeitgeber ist es auch 2008 nicht gut bestellt. Die Abbrecherquote bleibt hoch.

Ich muss in der Woche 60 Stunden arbeiten, hab nie Urlaub und bekomme kein Geld. Ich glaub, da stimmt was nicht…" Wenn es auch nicht unbedingt immer so drastisch ist – im Internetforum von "Dr. Azubi", dem DGB-Jugend-Portal zum Thema Ausbildung, lassen sich durchaus solche oder ähnliche Einträge von Auszubildenden finden.

Nun hätte man hoffen können: In Zeiten der Fachkräftemangel-Diskussion gehörten Missstände in der Ausbildung der Vergangenheit an. Leider ist dem nicht so. Bei der Vorstellung des diesjährigen Ausbildungsreports der DGB-Jugend am 3. September 2008 in Berlin wurde klar: Überstunden, mangelnde fachliche Anleitung und geringe Aussichten auf Übernahme sind zentrale Kritikpunkte Jugendlicher an ihrer Ausbildung.

Im Schnitt machen 40 Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden, bei den Hotelfachleuten sind es sogar 70 Prozent. Nur 20 Prozent der Befragten können sicher sein, nach der Ausbildung übernommen zu werden – alles Gründe für die hohe Abbrecherquote von bis zu 20 Prozent. Wenn der Facharbeitermangel so groß ist, wie die deutsche Wirtschaft immer behauptet, kann und muss man auch fragen, warum nur so wenige Unternehmen ihren Auszubildenden eine berufliche Perspektive eröffnen.

Auch mit der fachlichen Anleitung sind viele Auszubildende unzufrieden. 32 Prozent der Befragten geben an, nur "manchmal", "selten" oder "nie" fachlich angeleitet zu werden. Notwendig sei eine verstärkte Qualitätskontrolle der Ausbildungsbetriebe durch die Kammern, so DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf. In der Praxis würden Betriebe jedoch erst dann aufgesucht, wenn es bereits Klagen gegeben habe.

Die DGB-Jugend sieht vor allem "auf den letzten Plätzen" erheblichen Verbesserungsbedarf. Rudolf: "Von zentraler Bedeutung sind dabei kompetente Ausbilder."

Die Jugendorganisationen der Gewerkschaften fordern daher, bei der laufenden Überarbeitung der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) die Qualitätskriterien zu erweitern und den AusbilderInnen ein Recht auf Weiterbildung einzuräumen.

Der Ausbildungsreport basiert auf einer bundesweiten Befragung von 4.725 Auszubildenden aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 häufigsten Ausbildungsberufen. Im Ranking werden die Industriemechaniker am besten beurteilt: fachliche Anleitung, Ausbildungsinhalte und Vergütung stimmen. Dies trifft auch auf Kaufleute für Bürokommunikation und Bankkaufleute zu. Schlechte Beurteilungen gibt es vor allem für Gastronomieberufe, Bäcker und Maler.



(aus der Soli aktuell 10/08, Autor Soli aktuell)


Zusatzinfos: Abbruch verhindern, Kommentar von DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf


Unter den Befragten des Ausbildungsreports 2008 hat jeder Zehnte (10,9 Prozent) schon einmal eine Ausbildung abgebrochen, und das bei einer nahezu gleichen Geschlechterverteilung. Und das ist noch nett gesagt: Denn mit unserer Befragung in den Berufsschulen haben wir nur diejenigen erreichen können, die sich wieder in einer Ausbildung befinden. All jene, die nach wie vor keinen Ausbildungsplatz haben, tauchen in unserem Report nicht auf. Die offizielle Abbrecherquote, etwa des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung, ist dementsprechend mit 19,8 Prozent wesentlich höher.

Wenn wir mehr Qualität in die Ausbildung bringen, können wir viele Ausbildungsabbrüche verhindern. Damit wäre nicht nur den Jugendlichen geholfen. Auch den Ausbildungsbetrieben blieben große Zeitverluste, Unsicherheiten und Kosten erspart. Dafür ist jedoch eine nachhaltige Qualitätsentwicklung in den Betrieben ebenso vonnöten wie eine regelmäßige Kontrolle durch die zuständigen Stellen mit – wenn es sein muss – empfindlichen Sanktionen.