IAB-Studie: Ostdeutsche und Münchner Jugendliche nehmen für eine Ausbildung die weitesten Wege in Kauf.
Ostdeutsche Jugendliche sind hochmobil, wenn es um ihre Ausbildung geht – sie pendeln sogar häufiger in die westlichen Bundesländer als die ostdeutschen Beschäftigten insgesamt. Auf diese Weise müssen die Auszubildenden die regionalen Ungleichheiten auf dem Ausbildungsstellenmarkt ausgleichen. Ohne diese Flexibilität wäre die Lage in Ostdeutschland deutlich dramatischer, so das Nürnberger Institut für Arbeit und Berufsforschung (IAB).
So verlassen in Brandenburg 24 Prozent der Auszubildenden für ihren Ausbildungsplatz das Bundesland, in Sachsen-Anhalt 17 Prozent und in Thüringen 15 Prozent. "Junge Menschen aus strukturschwachen Gegenden, die zur Ausbildung in andere Regionen pendeln, sichern heute den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, der morgen in ihren Heimatregionen entstehen wird", schreiben die Autoren der IAB-Studie.
Zum Vergleich: Zwischen den westdeutschen Flächenländern ist nur eine geringe Mobilität der Auszubildenden festzustellen. Die meisten Auszubildenden sind innerhalb dieser Bundesländer mobil. In Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg ist die Mobilität über die Landesgrenze niedrig. In Bayern beträgt die Einpendlerquote vier Prozent, die Auspendlerquote drei Prozent. Besonders hohe Pendlerquoten von Auszubildenden verzeichnen die Stadtstaaten Bremen mit 40 Prozent, Hamburg mit 35 Prozent und Berlin mit 19 Prozent.
In erster Linie wird die Ausbildungsmobilität durch Stadt-Umland-Beziehungen geprägt. Neben Kernstädten mit einer Bevölkerungszahl von 100.000 EinwohnerInnen und mehr stellen vor allem Städte mittlerer Größe mit rund 50.000 Einwohnern Ausbildungsplätze für die Jugendlichen vor Ort und die umgebenden Regionen bereit. Diese Städte bilden regionale Ausbildungszentren und ziehen die in den umgebenden Kreisen wohnenden Jugendlichen an. Aus den ländlich geprägten Regionen müssen die Auszubildenden in Ost wie West sehr häufig auspendeln. In den sehr dünn besiedelten Regionen Ostdeutschlands liegt die Auspendlerquote mit durchschnittlich 46 Prozent der Auszubildenden mit Abstand am höchsten.
Auszubildende mit Wohnort in Ostdeutschland haben oft sehr weite Wege zu ihrer Ausbildungsstätte. Zwar sind die Arbeitsmarktregionen in Ostdeutschland im Durchschnitt etwas größer als in Westdeutschland. Dennoch legen die Auszubildenden auch in den kleineren Arbeitsmarktregionen Ostdeutschlands deutlich größere Entfernungen zurück als im Westen.
Während im Osten Auszubildende aus 13 Arbeitsmarktregionen durchschnittlich mehr als 150 Kilometer zwischen Wohn- und Arbeitsort zurücklegen, ist dies in Westdeutschland nur in der Arbeitsmarktregion München der Fall. Hier sind es besonders die Azubis aus der Stadt München, die in anderen Metropolen eine Ausbildung besuchen. Der Grund: Durch die Randlage Münchens legen die jungen PendlerInnen dort größere Distanzen zurück als Auszubildende aus anderen Regionen.
Die IAB-Studie im Internet:
http://doku.iab.de/kurzber/ 2008/kb0908.pdf(aus der Soli aktuell 10/08, Autor: Jürgen Kiontke)