"Raffzahn" und "Chancentod": Die DGB-Jugend wird zum Bildungsgipfel aktiv.
Achtung, Zähne ziehen: Am 22. Oktober 2008 findet in Dresden nicht nur der Bildungsgipfel der Bundesregierung statt, sondern auch ein Event der besonderen Art – die Verleihung des "Raffzahn 2008". Zusammen mit dem Praktikantenverein Fairwork e.V. vergibt die DGB-Jugend diesen Preis an dasjenige Unternehmen, das sich besonders verdient gemacht hat "um die Ausbeutung von Praktikanten als billige Arbeitskräfte" (Ausschreibungstext).
Sinn der Verleihung: deutlich zu machen, dass eine gesetzliche Regelung, die Praktika nach Dauer, Vergütung und Tätigkeit klar definiert, notwendig ist. DGB-Jugend-Referentin Jessica Heyser: "Es liegen genug Studien zur Notwendigkeit solcher Regelungen vor – nur das Bundesbildungsministerium will von einer klärenden Rechtsgrundlage nichts wissen. Vielleicht gibt es mit der Verleihung einen Aha-Effekt." Zum Redaktionsschluss lief die "Bewerbungsfrist" noch.
Letztjähriger Preisträger war das Deutsche Historische Museum Berlin, das sich dieser Auszeichnung mehr als würdig erwies: HochschulabsolventInnen wurden laut Fairwork nicht nur sechs Monate lang unbezahlt beschäftigt, sie traten auch so gut wie alle Rechte an ihrer Arbeit ab. Urlaubsanspruch wie Unfallfürsorge wurden ausgeschlossen.
Ebenfalls publikumswirksam: die Verleihung des "Chancentod 2008". Der Preis wird gemeinsam vom Aktionsbündnis gegen Studiengebühren und der DGB-Jugend an einen verdienten Träger vergeben, der "sich um den Ausbau der extremen Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem verdient gemacht" hat. In diesem Jahr wird dies die Alternative Liste Hamburg sein – wegen ihrer Verdienste um die Einführung nachgelagerter Studiengebühren.
Die Aktionen gehören in einen größeren Kontext: Die DGB-Jugend wird sich an dem separat stattfindenden alternativen Bildungsgipfel beteiligen, um Missstände aus gewerkschaftlicher Sicht zu thematisieren und Kritik und Forderungen zu formulieren.
Denn die seit Jahren anhaltende politische Debatte um bessere und gerechtere Voraussetzungen im deutschen Bildungssystem hat gezeigt, dass sich die Situation eher verschärft als verbessert. Dies umfasst sowohl die frühkindliche Bildung als auch die schulische Bildung, trifft Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen ebenso, wie solche, die sich keinen Studienplatz leisten können. Nach OECD-Zahlen hinkt Deutschland hier ordentlich hinterher: Während im Schnitt der Industriestaaten 56 Prozent eines Jahrgangs ein Studium beginnen, schwankt diese Zahl in Deutschland zwischen 35 und 37 Prozent. DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf: "Der bevorstehende Bildungsgipfel ist aber eine Chance, diese Probleme anzupacken."
Bereits am 20. Oktober 2008 werden die Gewerkschaften – mit Verweis auf den nationalen Bildungsbericht 2008 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) – auf dem DGB-Kongress "Neue Bildung für das Land – DGB-Kompass zum Gipfel" in Berlin Anforderungen an das Dresdner Treffen bündeln.
Der OECD-Bericht im Internet:
www.oecd.org/de/BildungaufeinenBlickAlternativer Bildungsgipfel:
www.bildung2008.de.vu(aus der Soli aktuell 10/08, Autor Soli aktuell)