(dgb-jugend, 13. Mai 2011) WSI-Tarifarchiv: Die tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen fielen im letzten Jahr je nach Branche und Ausbildungsjahr sehr unterschiedlich aus. Regionale Differenzen können bis zu 388 Euro im Monat ausmachen.
Die Ausbildungsvergütungen variieren von 332 Euro im privaten Verkehrsgewerbe Thüringen im ersten Ausbildungsjahr bis zu 1.339 Euro im Bauhauptgewerbe West im vierten Ausbildungsjahr. Dies geht aus einer Auswertung von Tarifverträgen in ausgewählten Wirtschaftszweigen und Tarifbereichen hervor, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) im Mai 2011 in Düsseldorf vorgelegt hat. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausbildungsvergütungen überwiegend zwischen gut einem Prozent (öffentlicher Dienst) und rund sieben Prozent (Eisen- und Stahlindustrie NRW). In einigen Tarifbereichen wurden keine Steigerungen vereinbart.
Innerhalb der Branchen gibt es zum Teil bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütungen, es bestehen aber auch beträchtliche regionale Unterschiede (Stand: 1.5.2011). "Die aktuellen Ausbildungsvergütungen zeigen ähnliche Differenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter", sagt WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck. "Neben bundeseinheitlichen Tarifverträgen gibt es solche mit starken regionalen Unterschieden, häufig verbunden mit einem West-Ost-, aber auch mit einem Süd-Nord-Gefälle".
Legt man das dritten Ausbildungsjahr zugrunde, reichen die regionalen Differenzen bei den Vergütungen je nach Wirtschaftszweig von 78 bis zu 388 Euro im Monat:
Geringe Unterschiede
In der Metall- und Elektroindustrie fallen die regionalen Unterschiede mit bis zu 78 Euro relativ gering aus: Die tariflichen Ausbildungsvergütungen reichen von 884 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 962 Euro in Baden-Württemberg.
In der chemischen Industrie sind die Abstände mit bis zu 81 Euro etwas größer: Im Osten beträgt die Ausbildungsvergütung 855 Euro, im Westen reicht sie von 853 Euro in Schleswig-Holstein bis zu 934 Euro im Bezirk Nordrhein.
Mittlere Unterschiede
In der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Berlin/Brandenburg erhalten die Auszubildenden 613 Euro, in Baden-Württemberg dagegen 799 Euro (Stand: 30.4.2011).
Im Einzelhandel liegt die maximale Spanne bei 171 Euro: In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Vergütung 672 Euro, in Hamburg dagegen 843Euro.
Im Groß- und Außenhandel werden in Mecklenburg-Vorpommern 681 Euro gezahlt, in Hessen dagegen 850 Euro.
Große Unterschiede
In der Textilindustrie reichen die Vergütungen von 648 Euro im Osten bis zu 878 Euro in Hessen (ab 18 Jahre).
Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind die Abstände ähnlich: Auf den ostfriesischen Nordseeinseln gibt es 507 Euro, in Bayern dagegen 770 Euro.
Im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe bekommen die (gewerblichen) Auszubildenden in Thüringen 442 Euro, die (kaufmännischen) Auszubildenden in Hamburg haben Anspruch auf 830 Euro.
West/Ost
In manchen Tarifbereichen gibt es im Wesentlichen eine Differenzierung zwischen West und Ost, so z.B. im Bauhauptgewerbe. Die gewerblichen Auszubildenden erhalten im Westen 1.227 Euro, im Osten 950 Euro (ab 1.6.) Für Hamburg und Berlin gibt es Sonderregelungen.
Einheitliche Vergütungen
Bundesweit einheitliche tarifliche Ausbildungsvergütungen gibt es u.a. bei Banken (905 Euro) und Versicherungen (927 Euro), in der Druckindustrie (937 Euro), in der Papierverarbeitung (876 Euro) sowie bei der Deutschen Bahn (810 Euro), der Deutschen Post (817 Euro), der Deutschen Telekom (800/840 Euro je nach Ausbildungsberuf) und im öffentlichen Dienst (Bund, Gemeinden: 795 Euro, Länder: 813 Euro).
Das WSI-Tarifarchiv bietet zu den Ausbildungsvergütungen einen Online-Service an: Für 26 Wirtschaftszweige und Tarifbereiche können die tariflichen Ausbildungsvergütungen gegliedert nach Ausbildungsjahren abgerufen werden. Dabei werden auch die Unterschiede nach Bundesländern und Regionen sowie zwischen gewerblichen und kaufmännischen Auszubildenden aufgezeigt. Der Service ist kostenlos, die Daten werden ständig aktualisiert.
Bei der Gewerkschaftsjugend werden die großen Unterschiede kritisiert: "Wir setzen uns dafür ein, dass alle Auszubildenden eine ähnliche und vor allem: faire Vergütung bekommen, die für eine selbstständige Lebensführung ausreicht", sagt Benjamin Krautschat, bei der DGB-Jugend für Ausbildungsfragen zuständig ist.
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Ausbildungsvergütungen nach Branchen