Top
Ausbildungsreport 2010
Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe unbefriedigend
Harte Arbeit, permanent viele Überstunden, ein oftmals rauer Umgangston und der Eindruck, als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, diese Umstände sorgen bei Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe für großen Unmut.
Im Ranking der Gesamtbewertung der 25 meistgewählten Ausbildungsberufe im DGB-Ausbildungsreport belegen die Ausbildungen zum Hotelfachmann/-frau und zum Restaurantfachmann/-frau die letzten beiden Plätze. Auf Platz eins des Rankings liegt die Ausbildung zum/zur IndustriemechanikerIn.

Die Gesamtbewertung nach Ausbildungsberufen (Vergrößerung durch Klick auf Grafik)
Der
Ausbildungsreport, den Ingrid Sehrbrock, stellvertretende
DGB-Vorsitzende und René Rudolf, DGB-Bundesjugendsekretär, am Mittwoch
in Berlin vorstellten, basiert auf einer repräsentativen bundesweiten
Befragung von 7 317 Auszubildenden aus den, laut Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB), 25 häufigsten Ausbildungsberufen.
„Der
DGB-Ausbildungsreport ist ein jährlicher Gradmesser für Qualität in der
Ausbildung. Hier zeigt sich deutlich, in welchen Branchen es gut läuft
und welche Branchen noch Nachholbedarf haben. Damit bieten wir jungen
Menschen Orientierung und können Missstände aufzeigen“, erklärte Ingrid
Sehrbrock.
Ausbildungsübergreifend liegt der Anteil der
Auszubildenden, die Überstunden leisten (müssen) mit 40,2 Prozent leicht
unter dem des Vorjahres (42 Prozent). Im Hotel- und Gaststättengewerbe
kommen etwa zwei Drittel der Auszubildenden auf regelmäßige Überstunden.
Zusätzlich zu der unbefriedigenden Situation in diesen
Ausbildungsberufen plant die Bundesregierung „Ausbildungshemmnisse im
Gastgewerbe“ durch ein „flexibleres Jugendarbeitsschutzgesetz“
abzubauen. Im Klartext: Das Jugendarbeitsschutzgesetz soll gelockert
werden, um beispielsweise die Arbeitszeiten von minderjährigen
Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe bis in die Nachtstunden
zu erweitern. Dazu sagte René Rudolf: „Schutzvorschriften zu
‚Ausbildungshemmnissen’ zu erklären, ist eine nicht hinnehmbare
Diffamierung des Jugendarbeitsschutzes.“

Der Anteil von Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden machen (Vergrößerung durch Klick auf Grafik)
Neben
Mehrarbeit bemängeln 13,1 Prozent der Auszubildenden die Qualität des
Berufsschulunterrichts („mangelhaft“ oder „ausreichend“). Nur 9,8
Prozent bewerten die Qualität des Unterrichts als „sehr gut“. Häufig
könnten Berufsschulen nicht mit der technologischen Entwicklung in den
Betrieben mithalten, kritisierte Ingrid Sehrbrock. „Wir befürchten, dass
sich diese Situation angesichts großer Sparpakete in den Bundesländern
und der falschen Schuldenbremse noch verschlechtern wird.“ 30 Prozent
der Auszubildenden müssen nach eigenen Angaben „manchmal“, „häufig“ oder
„immer“ ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen. Hier forderte Ingrid
Sehrbrock die Kammern auf, auch mit „unangemeldeten Betriebsbesuchen auf
die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zu achten“.
Die
Ergebnisse des Reports zeigen zudem, dass die Zufriedenheit mit der
Ausbildung stark mit der Unterstützung im Betrieb, beispielsweise durch
eine Interessenvertretung, zusammenhängt. So sind 82,5 Prozent der
Auszubildenden mit der Interessenvertretung „zufrieden“ oder „sehr
zufrieden“, während nur 62,5 Prozent der Auszubildenden ohne
Interessenvertretung diese Angabe machten. Diese Bewertungen zeigten ein
„ganz klares Votum für betriebliche Mitbestimmung“ von Auszubildenden
in ihren Betrieben, sagte René Rudolf und äußerte die Wunsch, dass zu
den Wahlen der Jugendvertretungen am 1. Oktober viele Kolleginnen und
Kollegen kandidieren werden.

Zufriedenheit mit der Ausbildung in Korrelation zur Existenz einer betrieblichen Interessenvertretung (Vergrößerung durch Klick auf Grafik)
Sehr
problematisch für die Auszubildenden ist die häufig ungeklärte
Übernahmesituation am Ende der Ausbildung. Zum Zeitpunkt der Befragung
wussten 66,9 Prozent der Befragten nicht, ob sie am Ende der Ausbildung
übernommen werden. Lediglich ein Fünftel (20,5 Prozent) der Befragten
gab an, übernommen zu werden. Diese Zahlen zeigen die große
Ungewissheit, mit der sich junge Auszubildende beim Eintritt ins
Berufsleben konfrontiert sehen.
René Rudolf forderte die
Arbeitgeber in diesem Zusammenhang dazu auf, „junge Auszubildende nach
Kräften zu unterstützen und ihnen eine reelle Chance zu bieten, auf dem
Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“.
Weitere Ergebnisse des Ausbildungsreports:
Im
Ranking der 25 häufigsten Ausbildungsberufe werden
IndustriemechanikerInnen am besten beurteilt, gefolgt von
Bankkaufmann/-frau und Industriekaufmann/-frau. Auf den letzten drei
Rängen sind wie im Vorjahr FachverkäuferInnen im Lebensmittelhandwerk,
Hotelfachmann/-frau und Restaurantfachmann/-frau gelandet.
Weitere Informationen bietet das Online-Forum
www.doktor-azubi.de
Zusatzinfos/-material
Zur
Rubrik Ausbildungsreport